28.07.2004 · Beim Thema Sex ticken Frauen anders als Männer. Deshalb sind Frauen unter den Kunden üblicher Sex-Shops in der Minderheit. Dem versucht Beate Uhse mit dem Laden-Konzept „Mae B.“ zu begegnen - bald auch in Frankfurt.
Beim Thema Sex ticken Männer anders als Frauen - dies gilt aber auch umgekehrt. Zu dieser Erkenntnis ist inzwischen auch die Beate Uhse AG gelangt. Nach Berlin und Hamburg erhält deshalb auch das Rhein-Main-Gebiet einen Sex-Shop für Frauen. Das Flensburger Unternehmen will am 5. August den Erotik-Laden innerhalb des Karstadt-Kaufhauses in Frankfurt auf der Einkaufsmeile Zeil eröffnen. Und macht damit dem unweit gelegenen ersten Frankfurter Frauen-Erotikshop „Inside her“ Konkurrenz, dessen Besitzerin auch als Autorin aufgetreten ist und ein Buch beim Eichborn Verlag veröffentlicht.
Auf den Namen „Mae B.“ für den Laden sind fünf Studentinnen der Berliner Universität der Künste im Auftrag von Beate Uhse gekommen. Mae B. soll dabei eine kosmopolitische Frauenfigur symbolieren, die ihren Namen nicht preisgeben will. Zugleich klingt der Name auch wie „maybe“, und das heißt im Englischen „vielleicht“. „Vielleicht gehe ich rein, vielleicht aber auch nicht“, sagt Beate Uhse- Geschäftsführer Hauke Stübinger. Das Wortspiel gebe viel Platz für Fantasien. Und um die drehe es sich ja nun mal beim Thema Erotik und Sex.
An Karstadt-Filiale angegliedert
„Einen reinen Sexshop für Männer hätten wir nicht ins Haus gelassen“, versichert Karstadt-Pressesprecher Elmar Kratz. Mae B. sei durch die „softe Variante“ an Sex-Artikeln an die Unterwäscheabteilung von Karstadt angeschlossen. In Hamburg und Berlin sei die Resonanz der Kunden groß, sagt Kratz. Auch dort sind die Erotik-Läden den Karstadt-Filialen angegliedert.
Für die neuen Shops sieht die börsennotierte Beate Uhse AG eine Marktlücke. In herkömmlichen Sex-Läden seien nur rund 15 Prozent der Kunden weiblich, sagt Beate-Uhse-Sprecherin Assia Tschernookoff. Eine Untersuchung belege aber zugleich, daß es bei Frauen ein großes Interesse an Sex-Artikeln gebe. „Die meisten Shops befinden sich jedoch in Rotlichtvierteln und sind mit harten Pornos zu sehr auf männliche Wünsche fixiert“, glaubt Tschernookoff. „Frauen assoziieren mit den Begriffen Erotik und Sex eher Verführung und Spiel. Sie wollen ausprobieren, testen, sich inspirieren lassen, die Fantasie anregen.“
Präsentiert wie beim Juwelier werden die Massagestäbe bei „Mae B.“ in Vitrinen liegen. Auch spricht Frau dort nicht von einem Dildo, sondern vom Silbernen Schatzjäger. Liebeskugeln heißen Smartballs und liegen auf Samtkissen. Wäschestücke tragen Namen wie Model Sevilla, Roma, Music-Hall oder Liasons. Erotische Hörspiele sollen Frauen ebenso locken wie die pinkfarbene Schachtel „Just 4 Women“ fürs Nachttischchen - gefüllt mit Federn, Düften und Ölen.
„Viele Frauen vertrauen mir, weil sie mich schon lange kennen“
Im vorderen Bereich des Ladens werden Wellness-Produkte wie Parfüm, erotisierende Öle und Körperpuder stehen. Die Abteilung „Lusttrend“ bietet exotisch gewürzte Schokolade und Erotik-Tees. Weiter hinten im Laden, darf es ein bißchen härter zugehen. Lack- & Ledermode, Domina-Outfits, Augenbinden, Handschellen und Peitschen sind dennoch diskret plaziert. Pornostreifen sind im Laden tabu.
Von außen soll die Filiale zu einem Besuch anregen, dennoch nicht einsehbar sein. „Frau Schulze oder Müller soll hier ungesehen einkaufen können“, erklärt PR-Frau Assia Tschernookoff. „Mae B.“ soll sinnlicher und geschmackvoller erscheinen als herkömmliche Sex-Shops. Im Frauen-Erotik-Laden sollen auch nur Frauen beraten.
Beate Uhse ist allerdings nicht die erste, die Erotikläden für Frauen betreibt. „Ich brauche keine Untersuchung, um zu wissen, daß Frauen andere Bedürfnisse bei Sex-Artikel haben“, sagt Sandra Marvolo, seit acht Jahren Inhaberin von „Insideher“, einem Erotikladen für Frauen in der Frankfurter Innenstadt. Als Konkurrenz sieht sie die Erotikkette von Mae B. ohnehin nicht: „Viele Frauen vertrauen mir, weil sie mich schon lange kennen.“