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Großmarkthalle Neue Hürden für die EZB

07.12.2006 ·  Der Umbau der Frankfurter Großmarkthalle verzögert sich weiter, denn das Landesamt für Denkmalpflege hat seine Haltung zum Denkmalschutz für die Halle geändert. Im Planungsdezernat sorgt das für Mißstimmung.

Von Matthias Alexander
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Der geplante Umbau der Frankfurter Großmarkthalle durch die Europäische Zentralbank (EZB) wird für den Bauherrn immer beschwerlicher. Das Landesamt für Denkmalpflege besteht nach Informationen der F.A.Z. gegenüber der Stadt Frankfurt auf einem offiziellen Verfahren, wenn der Denkmalschutz für die Halle teilweise aufgehoben werden soll. Das hat Gerd Weiß, Präsident des Landesamts, dem Planungsdezernat in einem Schreiben mitgeteilt. Im Dezernat sorgt die Ankündigung, so ist zu hören, für Mißstimmung - sie ist angetan, die Planungen des 500-Millionen-Euro-Projekts weiter zu verzögern.

Das Landesamt kündigt mit seinem Schritt faktisch die Übereinkunft auf, wonach die Fragen des Denkmalschutzes vor allem mit der Stadt abgeklärt werden, die EZB dagegen offiziell nur mittelbar beteiligt ist. In dem jetzt geforderten „Vollverfahren“ muß die Notenbank als Bauherr selbst den Antrag auf Aufhebung des Denkmalschutzes stellen. Dieser muß zudem mit einem Bauantrag oder zumindest einer Bauvoranfrage unterlegt werden. Das heißt praktisch, daß die EZB die Planungen weitgehend abgeschlossen haben muß, bevor sie den Antrag stellen kann.

Lebhafte öffentliche Debatte

Das Landesamt reagiert mit seinem Schritt offenbar auf die lebhafte öffentliche Debatte, die der Entwurf des Wiener Architektenbüros Coop Himmelb(l)au für die EZB ausgelöst hat. Danach sollen die beiden Annexbauten abgerissen, die Betonrasterfassaden teilweise verglast und im östlichen Kopfbau Fenster eingebaut werden. Besonders hart ist die Absicht kritisiert worden, die Halle mit einem „Bügel“ zu durchschneiden. Er soll im Norden den Haupteingang markieren und im Süden den Übergang zum Doppelturm bilden. Die schwarz-grüne Koalition im Frankfurter Römer hat dem Entwurf trotz aller Kritik schon zugestimmt.

Mit Ausnahme des Abrisses der Annexbauten hatte auch Denkmalschützer Christoph Mohr vom Landesamt den Planungen zugestimmt. In dem verbleibenden strittigen Punkt sollte Wissenschaftsminister Udo Corts (CDU) entscheiden, wie es das Denkmalschutzgesetz vorsieht. Die Erwartung bei der Stadt wie auch beim Landesamt war bisher, daß der Minister sich als Vollstrecker des EZB-Willens betätigen werden. Doch Corts, so ist zu hören, fühlt sich in der ihm zugedachten Rolle unwohl. Zum einen, weil er auf eine autonome Entscheidung bedacht sein muß, zum anderen, weil er Vorbehalte gegen den Entwurf haben soll. Corts hat es stets abgelehnt, sich zu dem Thema zu äußern, bevor er offiziell mit der Sache befaßt ist.

Im Römer wird nun gemutmaßt, daß Corts das Schreiben von Weiß veranlaßt hat, um Zeit zu gewinnen und den Eindruck zu vermeiden, daß die mögliche Aufhebung des Denkmalschutzes das Ergebnis von „Mauscheleien“ sei. Für die Stadt, die der EZB gegenüber im Wort steht, ist der Vorgang sehr mißlich. Dort pocht man auf Protokolle von Unterredungen, in denen sich die Landesamtsvertreter auf das bisherige Vorgehen verpflichtet hätten.

Streit um die Größe des Bügels

Unterdessen bemühen sich Vertreter der Architektenschaft in der Sache um eine Vermittlung. Der Städtebaubeirat war zu Gast bei der EZB, um sich über den aktuellen Planungsstand zu informieren. In der Debatte wurde nach Angaben von Teilnehmern klar, daß sich der Streit im Kern um die Größe des Bügels dreht. Teilnehmer gaben Wolf Prix von Coop Himmelb(l)au zu, daß aus funktionalen Erwägungen in der Nordfassade ein Haupteingang vorzusehen sei. Jedoch müsse die Dachkonstruktion unangetastet bleiben - der Bügel also verkleinert werden. Ähnlich hat sich auch schon der Bund Deutscher Architekten geäußert. Bisher ragt der Bügel deutlich über den Scheitelpunkt des Tonnengewölbes hinaus. Prix hat sich dem Vernehmen nach in dieser Sache uneinsichtig gezeigt. Für ihn soll sich das Neue im Alten Bahn brechen.

Gestern tagte auch der EZB-Rat. Auf der Tagesordnung stand, so war zu hören, der Neubau des Hauptsitzes und damit auch die öffentliche Debatte über die Planungen. Die Notenbank sieht sich zudem Forderungen von Erben Martin Elsaessers gegenüber. Die Nachfahren des Architekten der Großmarkthalle pochen auf das Urheberrecht und wollen die Bausubstanz möglich weitgehend erhalten.

Innerhalb der Bank gibt es Kräfte, die das Neubauvorhaben im Ostend in Frage stellen - sei es aus grundsätzlicher Gegnerschaft gegen den Standort, sei es aus Unverständnis über die Bedenken gegeüber den Planungen. Es wird im Römer nicht völlig ausgeschlossen, daß die EZB das Projekt noch aufgibt. Daß sie Frankfurt ganz den Rücken kehren könnte, ist auszuschließen, da die Bundesregierung einem solchen Schritt zustimmen müßte.

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Jahrgang 1968, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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