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Großer Informationsbedarf Abwrackprämie sorgt für Kundenansturm

23.01.2009 ·  Monatelang haben die Autohändler gejammert, jetzt ist in den Verkaufsräumen „wieder richtig viel los“. Grund ist die Abwrackprämie - und damit die Aussicht auf 2500 Euro vom Staat.

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In den vergangenen Monaten bereitete Jürgen Karpinski der Blick durch seine Autohäuser oft wenig Freude. „Es gibt ja nichts Trostloseres als leere Verkaufsräume“, sagt er. Doch seit einigen Tagen ist die Tristesse aus den vier Vertretungen für Audi und Volkswagen in Frankfurt und Idstein verschwunden, die Karpinski als Geschäftsführer leitet. Begeistert spricht er von einer „sichtbaren Belebung“, in den Verkaufsräumen sei „wieder richtig viel los“.

Offiziell heißt der Grund für das wiedererwachte Interesse der Kunden „Umweltprämie“, unter dem Namen „Abwrackprämie“ ist er bekannt geworden. 2500 Euro erhält, wer sein mindestens neun Jahre altes Auto verschrotten lässt und sich zugleich einen Neuwagen oder einen höchstens zwölf Monate alten Gebrauchtwagen anschafft oder least. Karpinski, der auch Präsident des hessischen Kraftfahrzeuggewerbes ist, hält den staatlichen Zuschuss für den richtigen Weg und glaubt, dass er für bis zu 200.000 zusätzliche Verkäufe in Deutschland sorgen könnte.

„Das Thema schlechthin“

Ein deutlich gewachsenes Interesse stellt auch der Internet-Marktplatz Autoscout24.de beim Blick in seine Statistik fest. Die Anzahl der Suchanfragen nach Neufahrzeugen und Jahreswagen habe sich nach Bekanntgabe der Abwrackprämie am 13. Januar im Vergleich zur Vorwoche verdoppelt, sagt Geschäftsführer Nicola Carbonari. Von vielen Händlern, mit denen er in Kontakt stehe, wisse er von hohen Verkaufssteigerungen.

Wie oft das gewachsene Interesse der Kunden allerdings tatsächlich zum Kauf eines neuen Autos führt, scheint mancherorts noch unklar. Jürgen Heinki, Geschäftsleiter der Frankfurter Kia-Niederlassung, erzählt zwar auch von vollen Verkaufsräumen. Bislang bestehe seine Arbeit aber mehr darin, einen allgemeinen Informationsbedarf zu decken, als daraus, Autos zu verkaufen.

Auch Roland Nagel, Verkaufsberater für Neuwagen bei einem Frankfurter Renault- und Dacia-Händler, ist derzeit sehr mit Erklären beschäftigt. Seit einigen Tagen sei die Abwrackprämie „das Thema schlechthin“, sagt er. Allzu viele Verkäufe habe er noch nicht abschließen können, doch das Interesse der Kunden sei enorm.

Überrascht über die große Wirkung der Umweltprämie zeigt man sich beim zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Die eigens eingerichtete Informations-Hotline ist seit Tagen völlig überlastet. Alleine am Montag wurden 200.000 Anrufer gezählt.

Altautoexport leidet

„Wunderbar“ findet Heinrich Kolb die Abwrackprämie. „So schöne Autos habe ich noch nie gekriegt“, sagt der Wiesbadener Autoverwerter. Dank der Prämie komme er umsonst an oft gut erhaltene Fahrzeuge, deren Einzelteile er weiterverkaufe. Im Januar des vergangenen Jahres habe er so 15 Autos verwertet, in den ersten drei Wochen dieses Monats seien es schon 50 gewesen.

Doch auch Verlierer der Verschrottungsprämie gibt es schon. Ein Frankfurter Autoverwerter, der ungenannt bleiben möchte, spricht von „Geschäftseinbußen ohne Ende“. Bislang erziele er den größten Teil seines Umsatzes mit dem Export von ausgedienten Fahrzeugen nach Afrika und in den Nahen Osten. Um die Bedingungen des Prämienprogramms zu erfüllen, verlangten seine Kunden nun jedoch ausnahmslos die Verschrottung ihrer Fahrzeuge – auch der noch fahrtüchtigen. „Wenn ich die Autos sehe, die ich für die Leute schreddern soll, oft optimale Exportautos, bricht es mir das Herz.“

Alle Informationen über die Umweltprämie sind im Internet unter www.bafa.de nachzulesen. Vom 27. Januar an sollen dort auch die Antragsunterlagen bereitstehen.

Quelle: F.A.Z./mcon.
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