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Goethe-Universität Neuer Anlauf zur „Elite-Uni“

28.05.2009 ·  Gute Gespräche, große Pläne: Frankfurts Universitätspräsident Müller-Esterl zieht eine Bilanz seiner ersten hundert Tage im Amt und erläutert seine Ziele für die nächsten Jahre.

Von Sascha Zoske
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Als Werner Müller-Esterl von seinen Reiseerlebnissen zu erzählen beginnt, kommt er ins Schwärmen. Wunderbar sei sie gewesen, seine „Tour d’horizon“, sagt der Universitätspräsident. Weit weg haben ihn seine Exkursionen nicht geführt; tatsächlich hatte er nach eigenen Worten in den vergangenen Monaten kaum einmal Zeit, Frankfurt zu verlassen. Aber von seinen Erkundungsbesuchen in den verschiedenen Uni-Fachbereichen, die ihm einen Eindruck von deren Bedürfnissen verschaffen sollten, spricht Müller-Esterl fast wie von einem beglückenden Urlaub: „Ausgesprochen freundlich“ seien Studenten, Professoren und Mitarbeiter dort zu ihm gewesen; in Sammlungen und Bibliotheken habe er Schätze entdeckt, die ihm bisher unbekannt gewesen seien.

Dass Müller-Esterls Fazit seiner ersten hundert Tage an der Uni-Spitze nicht gar zu blumig ausfällt, dafür sorgen die harten Realitäten des Hochschulalltags. In manchen Fächern sei die Abbrecherquote „beunruhigend“ hoch, hat der Präsident erfahren; wie hoch genau, ist ihm auch auf Nachfrage nicht zu entlocken. Geradezu „katastrophal“ findet er die durchschnittliche Betreuungsrelation: Auf einen Professor kommen sechzig Studenten. Wohl auch ein Grund dafür, dass die Goethe-Universität bei der Lehre in nationalen Qualitätsvergleichen nicht besonders gut abschneidet: „Da haben wir Nachholbedarf“, urteilt Müller-Esterl. Gleiches gilt in seinen Augen, wenn auch in geringerem Maße, für die Forschung. Hier ist sein Ziel klar: Sollte es eine Neuauflage der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder geben, will der in dieser Konkurrenz selbst schon erfolgreiche Biochemiker den inoffiziellen Titel „Elite-Universität“ nach Frankfurt holen.

Was er tun möchte, um Forschung und Lehre zu stärken, referiert Müller-Esterl forsch im Tempo, freundlich im Ton. In besonders wichtigen Berufungsverfahren verhandele er jetzt persönlich mit den Kandidaten, zudem werde eine auch für den Exzellenzwettbewerb vielversprechende Graduiertenakademie der naturwissenschaftlich-medizinischen Fachbereiche vorbereitet. Geplant sei überdies, weitere Kooperationsprofessuren mit bedeutenden Einrichtungen wie dem Frankfurter Zoo zu schaffen. Eine Million Euro solle in einen Förderfonds für den wissenschaftlichen Nachwuchs fließen; mit zwei potentiellen Trägern werde über den Aufbau einer „Goethe-Studienstiftung“ gesprochen, die jeweils etwa 25 hochbegabte Erstsemester unterstützen solle. Aussichtsreiche Verhandlungen würden außerdem über eine weitere Stiftung an die Universität „in siebenstelliger Höhe“ geführt.

Die Abbrecherzahl will der Präsident durch verbesserte Auswahlverfahren senken. Vorbild sei dabei der Fachbereich Biochemie, Chemie und Pharmazie, der sich inzwischen alle seine Studenten selbst aussuche. Interessenten sollten aber auch Gelegenheit bekommen, ihre Fähigkeiten durch Selbstprüfung realistisch einzuschätzen. „Nachjustierungen“ an den Lehrplänen verspricht er gestressten Bachelor- und Master-Studenten: Manche Curricula seien möglicherweise überladen; auch dürften Auslandsaufenthalte durch das modularisierte System nicht erschwert werden.

In der Lehre setzt Müller-Esterl nicht nur auf Neuberufungen, sondern auch auf bewährte Kräfte: „Seniorprofessoren“ mit großem Vermittlungstalent sollen nach der Pensionierung bis zu drei weitere Jahre Dienst im Hörsaal tun. Auf großes Interesse bei Seniorstudenten dürften die neuen Veranstaltungen unter dem Stichwort „Bürgeruniversität“ stoßen, die Müller-Esterl für das Wintersemester ankündigte: Geplant ist unter anderem eine Vorlesungsreihe über „Deutsche Biographien“ von Jil Sander bis Benedikt XVI.

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Jahrgang 1969, Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

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