29.10.2008 · Mit einer Zweidrittelmehrheit ist Werner Müller-Esterl zum neuen Präsidenten der Frankfurter Universität gewählt worden. Der Medizinprofessor tritt das Amt am 1. Januar an. Sein Vorgänger Rudolf Steinberg scheidet aus Altersgründen aus.
Von Sascha ZoskeWerner Müller-Esterl wird am 1. Januar neuer Präsident der Frankfurter Universität. Der erweiterte Senat der Hochschule wählte den 60 Jahre alten Medizinprofessor zum Nachfolger von Rudolf Steinberg, der das Amt aus Altersgründen abgibt. Für Müller-Esterl stimmten 22 Senatoren, zehn votierten mit Nein, und zwei enthielten sich. Der amtierende Uni-Vizepräsident war der einzige Kandidat, über den abgestimmt werden konnte. Seine beiden Mitbewerber Joachim Herzig, Präsident der Fachhochschule Worms, und Christoph Leyens, Vizepräsident der Technischen Universität Cottbus, waren nach der Anhörung vom Hochschulrat nicht zur Wahl vorgeschlagen worden.
Müller-Esterl gehört dem Uni-Präsidium seit 2006 an und ist dort für die lebenswissenschaftlichen Fachbereiche zuständig. Der Biochemiker ist zudem Sprecher des Forschungsverbundes „Makromolekulare Komplexe“, der im Exzellenzwettbewerb des Bundes und der Länder erfolgreich war. Nach der Wahl sagte er, es freue ihn, dass eine „deutliche Mehrheit“ der Senatsmitglieder ihm das Vertrauen ausgesprochen habe. Seine wichtigsten Aufgaben als Präsident sieht er darin, Forschung und Lehre weiter zu verbessern, die Autonomie der Stiftungsuniversität zu stärken und die Frankfurter Bürgerschaft zu noch stärkerem Engagement für ihre Hochschule zu bewegen.
Wird die Forschung auch in den Geisteswissenschaften gefördert?
Wissenschaftsministerin Silke Lautenschläger (CDU) nannte Müller-Esterl einen renommierten Wissenschaftler, der gleichzeitig über umfassende Erfahrung im Wissenschaftsmanagement verfüge. Uni-Präsident Steinberg zeigte sich überzeugt, dass Müller-Esterl ein „toller Nachfolger“ für ihn sein werde. Vor ihm lägen große Herausforderungen. Dass das Land wegen der Finanzkrise beim Bauprogramm der Universität sparen wird, kann sich Steinberg allerdings nicht vorstellen. Schließlich seien solche Großprojekte auch „konjunkturwirksam“.
Rolf Breuer, Vorsitzender des Hochschulrats, ist nach eigenen Worten „zu 100 Prozent zufrieden“ mit Müller-Esterls Wahlergebnis. Es sei „akademische Tradition“, dass es immer einige Nein-Stimmen gebe. Der Ein-Kandidaten-Vorschlag des Hochschulrats hatte nach Breuers Meinung keinen Einfluss auf das Ergebnis. Dieser Ansicht widersprach der AStA-Vorsitzende Jonas Erkel. Trotz unterschiedlicher Auffassungen biete er Müller-Esterl einen „konstruktiven Dialog“ an. Jost Gippert, Sprachwissenschaftler und Senatsmitglied, äußerte die Hoffnung, der neue Präsident möge die Forschung auch in den Geisteswissenschaften fördern.