16.10.2006 · „Wir haben Läuse!“ Vom Herbst bis zum Frühjahr finden sich bei der Hälfte aller Kindergarten- und Grundschulkinder die kleinen Schmarotzer. Das Gesundheitsamt empfiehlt häufige Kontrollen, Zöpfeflechten oder gemeinsames Haarewaschen.
„Wir haben Läuse!“ - In großen Buchstaben informiert der Zettel an der Eingangstür der Südkita Dreikönig in Sachsenhausen die Eltern über die herbstliche Plage und ihre Folgen. Der Mittagsschlaf muß ausfallen, weil alle Decken, Kissen und Matratzen gereinigt werden. Dabei hat der Läusebefall nichts mit mangelhafter Hygiene zu tun.
Das jedenfalls hebt man beim Frankfurter Stadtgesundheitsamt hervor und warnt vor Hysterie. Wie Amtsarzt Peter Neumann bestätigt, findet man vom Herbst bis zum Frühjahr etwa bei der Hälfte aller Kindergarten- und Grundschulkinder die kleinen Schmarotzer. Derzeit ist er allabendlich in einem Kindergarten oder einer Schule, um Eltern über das Thema Läuse zu informieren.
Offensiver Umgang mit den Kopfläusen
„Läuse sind ein allgemeines Problem“, sagt er. Auf das ganze Jahr betrachtet, hätten immer etwa zehn Prozent der Jungen und Mädchen im Alter zwischen drei und zehn Jahren Kopfläuse. Warum die Krabbeltiere gerade in der kühlen Jahreszeit so häufig auftauchten, lasse sich nicht zweifelsfrei klären. Vor allem aber warnt er davor, Kinder, die unter Läusen litten, zu stigmatisieren. Mit Unsauberkeit habe der Läusebefall nichts zu tun: „Wer oft die Haare wäscht, hat eben saubere Läuse.“
Die Scham sei eines der größten Probleme bei der Bekämpfung, denn wenn verschwiegen werde, daß ein Kind Läuse habe, dann werde die Ansteckung weitergereicht. Neumann empfiehlt im Gegenteil einen offensiven Umgang mit den Kopfläusen. „Man muß es allen sagen, die Kontakt zu dem Kind haben“, fordert er. Und: Die Eltern müßten immer wieder nachschauen, sonst seien die Läuse nach ein paar Wochen wieder da. Ein Problem sei oftmals, daß ähnlich wie bei anderen Krankheiten die Kinder weiter in den Kindergarten oder zur Schule geschickt würden, auch wenn noch Ansteckungsgefahr bestehe.
Hinter den Ohren und am Nacken nachsehen
Denn die Anti-Läuse-Mittel wirkten nicht immer. Manche Insekten entwickelten Resistenzen, und auch die empfohlene zweimalige Anwendung reiche oft nicht aus. Kontrolle ist für Neumann die wirksamste Bekämpfungsmethode. Die Eltern müßten auch nach der Anwendung der Mittel immer wieder prüfen, ob noch Läuse da seien, und dazu die Haare mit einem Spezialkamm kämmen. Eine gute Methode sei das „bug busting“ aus England: Dabei müßten den Kinder mehrere Wochen die Haare mit „Conditioner“ gewaschen werden, der den Läusen die Atemorgane verstopfe. Anschließend komme ein Nissenkamm zum Einsatz. „Wenn man das macht, hat kein Lausbefall eine Chance.“
Besonders gefährdet sind nach Angaben von Neumann Mädchen. „Sie stecken ihre Köpfe oft zusammen.“ Denn die Tiere könnten entgegen der landläufigen Meinung nicht springen, sondern nur krabbeln. Der Mediziner empfiehlt daher, lange Haare zum Pferdeschwanz oder zu Zöpfen zusammenzubinden. Am häufigsten seien Läuse über und hinter den Ohren sowie am Nacken zu finden, „weil sie eine bestimmte Temperatur brauchen“. Einmal abgeschüttelt oder ausgekämmt, seien sie harmlos: „Wenn sie nicht alle vier Stunden Blut saugen können, sterben sie.“