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Montag, 13. Februar 2012
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Gesundheit Heroinvergabe in Frankfurt für weitere drei Jahre

12.04.2007 ·  Die Stadt Frankfurt darf weiterhin synthetisches Heroin an Schwerstabhängige abgeben. Dies hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte mündlich zugesagt. Dennoch hält die Stadt ihre Klage zur Fortsetzung des Hilfsprojekts aufrecht.

Von Brigitte Roth
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Manchmal überschlagen sich die Ereignisse - so gestern, als fast gleichzeitig in Frankfurt und Bonn die Fortführung der Heroinvergabe behandelt wurde. Während Gesundheitsdezernentin Manuela Rottmann (Die Grünen) in Frankfurt noch aufgebracht verkündete, dass sie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte verklagen werde, weil es den Antrag der Stadt auf Fortsetzung der Heroinvergabe nicht fristgerecht beschieden habe, gab die Behörde in Bonn bekannt, noch Ende des Monats werde Frankfurt eine positive Antwort übermittelt.

Die 59 Patienten, die an der Grünen Straße Heroin erhalten, können also aufatmen. Ihre Behandlung, die Ende Juni auszulaufen drohte, darf, wenn den Worten tatsächlich Schriftstücke folgen, drei weitere Jahre fortgesetzt werden. Zusätzlich kann die Zahl der Süchtigen, die Heroin auf Rezept bekommen, auf 150 erhöht werden.

Weiterhin psychosoziale Betreuung

Das aber erfuhr Rottmann telefonisch erst gegen Mittag von der Leiterin des Drogenreferats, Regina Ernst. Sie hatte an einem Treffen mit Vertretern des Bundesgesundheitsministeriums, des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte sowie Vertretern der am Bundesmodellprojekt beteiligten Städte und Länder in Bonn teilgenommen und anschließend von der Zusage berichtet. An der „Untätigkeitsklage“ beim Verwaltungsgericht Köln ändere das positive Signal zunächst aber nichts, sagte Rottmanns Sprecher Wulfila Walter. Denn noch habe man nichts schwarz auf weiß, und man wolle auf keinen Fall Zeit verlieren.

Sollte sich die Ankündigung jedoch bewahrheiten, werde die Klage zurückgezogen. „Dann sind wir schon sehr zufrieden.“ Für Rottmann allerdings „ist das nur der halbe Weg“, wie sie am Vormittag geäußert hatte. Ihr Ziel sei es, eine dauerhafte gesetzliche Regelung und eine finanzielle Beteiligung der Krankenkassen zu erreichen.

Nun sollte die Stadträtin nicht allzu ungeduldig sein. Denn falls sich die Erfolge der Diamorphinvergabe bei einem bestimmten Kreis Schwerstabhängiger auch in den nächsten drei Jahren bestätigen und diese Behandlung sich als Ausstiegshilfe bewährt, wird sie sich auch etablieren. Allerdings muss die psychosoziale Betreuung dann weiterhin auf dem jetzigen hohen Niveau bleiben, die Droge darf nicht leichtfertig und großzügig unter Rauschgiftsüchtigen verteilt werden.

Muster für die anderen Städte

Rottmann versicherte, die für das Bundesmodellprojekt gültigen Zugangskriterien blieben bestehen: Die Teilnehmer müssten mindestens 21 Jahre alt und seit mindestens drei Jahren süchtig sein, mindestens zwei abgebrochene Therapieversuche hinter sich haben und unter schweren psychischen oder körperlichen Erkrankungen leiden. Einen „flächendeckenden Bedarf für solche Ambulanzen in der gesamten Bundesrepublik“ gebe es nicht.

Der in Aussicht gestellte Bescheid für Frankfurt sei eine Art Muster für die anderen am Bundesmodellversuch beteiligten Städte, aber für diese nicht rechtswirksam, sagte Rottmann weiter. Auch fürchteten die anderen Städte, dass Landesmittel ausbleiben könnten. Das Land Hessen jedoch habe für dieses Jahr eine Unterstützung von 100.000 Euro zugesagt, im städtischen Haushalt 2007 seien 1,5 Millionen Euro eingestellt. Das reicht nach Einschätzung Rottmanns, um den Originalstoff an 150 Süchtige abzugeben. Die Dezernentin glaubt, dass die meisten der 100 Patienten, die derzeit an der Grünen Straße Methadon bekommen, zu Heroin wechseln werden.

Für Frankfurts Bürger wird das vermutlich von Vorteil sein. Viele Süchtige erklären es mit einer „Nadelgeilheit“ und dem Wunsch nach einem „Kick“, warum sie sich trotz Methadon, das die Entzugserscheinungen eindämmt, weiterhin illegale Drogen beschaffen. Das wiederum geht meist mit Beschaffungskriminalität einher. Auch eine verantwortungsvoll gehandhabte Heroinvergabe kann weder die schätzungsweise 4000 Rauschgiftsüchtigen aus Frankfurts Stadtbild verschwinden lassen noch garantieren, dass sich alle Teilnehmer gesetzestreu verhalten. Doch lassen die Studienergebnisse die Hoffnung zu, dass die zusätzliche Behandlungsmöglichkeit einigen Menschen den letzten Ausweg aus der Sucht eröffnet.

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