Der Gesamtverkehrsplan, der in den nächsten Wochen von den Stadtverordneten beschlossen werden soll, ist ein ambitioniertes und weit vorausschauendes Werk. In ihm werden die Projekte aufgelistet, die bis zum Jahr 2015 die Verkehrslage in der Stadt verbessern sollen. Zählte man die Kosten für die Verwirklichung all der schönen Pläne für neue Straßen, Schienen-, Rad- und Fußwege zusammen, käme man auf eine Summe von deutlich mehr als einer Milliarde Euro. Betrachtet man dann die Haushaltslage in Frankfurt, Hessen und im Bund, so läßt sich leicht ausrechnen, daß nur wenige der vorgesehenen Vorhaben in den nächsten Jahren begonnen werden können.
Gleichwohl nutzen die Fraktionen im Römer die Gelegenheit, sich kurz vor der Kommunalwahl ein verkehrspolitisches Profil zu geben. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Uwe Becker hob gestern bei der Präsentation eines Antrags seiner Fraktion zum Entwurf des Gesamtverkehrsplans hervor, daß man sich dem Thema als einzige Partei ohne ideologische Scheuklappen genähert habe. Alle Verkehrsmittel würden ausschließlich nach ihrem Nutzen für die Bevölkerung beurteilt. Er spielte damit auf die oftmals verhärteten Positionen früherer Jahre an, als die CDU sich vor allem als Verfechter der U-Bahn-Baus profiliert hatte, während sich Grüne und SPD insbesondere für die Straßenbahnen einsetzten.
Der Entwurf für den Verkehrsplan, der von den Gutachtern Hartmut Topp und Uwe Köhler in Zusammenarbeit mit dem Stadtplanungsamt entwickelt worden ist, werde von der CDU in seinen Grundzügen gutgeheißen, sagte Becker. Helmut Heuser, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, äußerte, die Attraktivität des öffentlichen Nahverkehrs solle gesteigert werden. Ziel sei es, daß mindestens ein Viertel der Pendler mit Bussen und Bahnen nach Frankfurt fahre statt derzeit 18 Prozent. Als wichtige Aufgabe nannte Becker, den Zugang zu Bussen und Bahnen durchweg barrierefrei zu gestalten, um Behinderten, Alten und Menschen mit Kindern die Fortbewegung zu erleichtern. Auch der Anteil des Fußgänger- und Fahrradverkehrs soll nach Ansicht der CDU gesteigert werden. Bisher werden fünf Prozent der Fahrten mit dem Fahrrad erledigt, in zehn Jahren sollen es laut Heuser schon 15 Prozent sein. Außerdem kündigte er an, dem unterschiedlichen Verkehrsverhalten von Männern und Frauen mehr Beachtung zu schenken. Viele Frauen wünschten eine dichtere Abfolge von Haltestellen im Nahverkehr.
Was die einzelnen Projekte des Plans angeht, so stimmt die CDU, wie berichtet, der Planung einer Straßenbahnringlinie zu. Priorität wird dem Bau des Abschnitts zwischen Louisa und Stresemannallee zugemessen, da es hier ein hohes Potential von zusätzlich 12 000 Passagieren gebe. Heuser und Becker hoben hervor, daß die jetzige Linie 14 auch nach dem möglichen Bau der neuen Strecke nicht entfallen solle. Entsprechende Befürchtungen sind gestern noch einmal in der CDU-Fraktion des zuständigen Ortsbeirats laut geworden. Nach Ansicht des Vorsitzenden Kai-Sören Kehrmann ist die Diskussion über die neue Linie "überflüssig wie ein Kropf".
Im Fall der geplanten Verlängerung der Straßenbahn in Höchst will die CDU einen eigenen Vorschlag prüfen lassen. Die Idee ist, die Stecke entlang dem Bahndamm bis zur Königsteiner Straße zu verlängern und dann durch die Fußgängerzone nach Süden bis zur Bolongarostraße zu führen, um auch die Altstadt anzubinden. Eine Verlängerung bis zum Bahnhof ist laut Heuser schwierig, da die Bruno-Asch-Anlage unter Denkmalschutz steht. Auch eine Verlängerung der Linie 15 in die Bürostadt Niederrad und der Straßenbahn zur Friedberger Warte bis zur Stadtgrenze von Bad Vilbel sei zu prüfen. Dort könnte ein großer Park-and-Ride-Parkplatz entstehen und die Stadt von Autopendlern entlasten.
Auch an der Autobahn 5 soll, verbunden mit der neuen Rastanlage Taunusblick, ein großer Parkplatz entstehen, der mit einer verlängerten U 6 zu erschließen sei. Im Osten soll die U 6 vom Ostbahnhof bis Fechenheim verlängert werden. Den Plan einer Untertunnelung der Hanauer Landstraße hält die CDU für nicht finanzierbar. Sie fordert nur einen Tunnel unter dem Ratswegkreisel.
Beim Straßenbau hat für die Union laut Heuser die sogenannte Alleenspange, also die Verbindung von Alleenring und A 661 zwischen Friedberger Landstraße und Seckbach, Vorrang. Sie soll komplett in einem Tunnel geführt werden. Heuser wies auf die enorme Entlastung des Frankfurter Ostens vom Verkehr hin, die damit verbunden wäre. Die CDU will außerdem die Anbindung der Leunastraße an den Schwanheimer Knoten verbessern. Bisher ist nur ein Zubringer auf die B 40 in Richtung Frankfurt vorgesehen, nicht aber in Richtung Flughafen. Das sei im Interesse von Höchst und des dortigen Industrieparks aber dringend geboten.
Die CDU hofft, daß der Bund eine Funktionstrennung des Verkehrs auf der A 5 genehmigen wird. Demnach sollen zwei Fahrstreifen für den überregionalen Verkehr reserviert werden, die beiden äußeren Streifen sollen abgetrennt und für den Zielverkehr innerhalb Frankfurts genutzt werden. Für diesen könnten zusätzliche Anschlußstellen geschaffen werden. Falls sich dieser Plan als nicht realisierbar erweisen sollte, fordert die CDU den Bau eines "Stadtrings West", der die Straße Am Römerhof mit der Gutleutstraße und der Mainzer Landstraße verbinden und mit einer neuen Brücke über den Main geführt werden soll, um auf Höhe der Lyoner Straße in die Bürostadt Niederrad zu münden.
Heuser und Becker hoben hervor, daß der Wirtschaftsverkehr funktionsfähig bleiben müsse. Das unterscheide die Haltung der CDU von der anderer Fraktionen. In der Tat gibt es einige Differenzen zu den Forderungen der SPD, die ihre Stellungnahme zum Entwurf des Gesamtverkehrsplans in der vorigen Woche präsentiert hat. Die SPD ist beispielsweise gegen den Bau der Alleenspange. Sie hält an den Planungen für die Regionaltangente West fest, mit der insbesondere der Taunus und die westlichen Frankfurter Stadtteile direkt an den Flughafen angebunden werden sollen. Die CDU befürwortet dagegen den Vorschlag der Planer, statt der Regionaltangente, deren Realisierung zu langwierig und für Frankfurt mit einem hohen Kostenrisiko verbunden sei, eine Citytangente einzurichten. Diese würde von Bad Homburg über den Hauptbahnhof und den Flughafen weiter nach Höchst und Bad Soden führen und könnte stärker auf vorhandene Gleise zurückgreifen. MATTHIAS ALEXANDER

