19.05.2006 · Hooligans, Neonazis, Islamisten und wütende Studenten könnten der Polizei während der WM zu schaffen machen. In Frankfurt fühlt man sich dennoch gerüstet.
Von Katharina IskandarHooligans, Rechtsextremisten, Islamisten, neuerdings auch aufgebrachte Studenten - die Zahl derer, die zur Fußball-WM als Störenfriede auftauchen könnten, wird immer größer. Innenminister Volker Bouffier (CDU) gibt sich gelassen. „Das Sicherheitskonzept, das wir entwickelt haben, hält den Herausforderungen stand“, sagte er, als er gemeinsam mit Oberbürgermeisterin Petra Roth und Polizeipräsident Achim Thiel die Sicherheitsstrategie zur WM vorgestellt hat.
Noch nie habe es in Deutschland eine Veranstaltung gegeben, die so sorgfältig vorbereitet worden sei, sagte der Minister. Ob Stadionsicherheit, Überwachung der Mannschaftsquartiere, „Public Viewing“, Kleinkriminalität oder Zwangsprostitution - man sei auf alles vorbereitet. Natürlich könne niemand garantieren, daß nicht doch etwas passieren werde, meinte Bouffier und sprach damit terroristische Aktionen an. Er sei jedoch zuversichtlich, daß die WM ohne größere Zwischenfälle ablaufen werde.
15.000 Polizisten im Einsatz
Das Innenministerium setzt vor allem auf Polizeipräsenz. 15.000 Polizisten seien während der gesamten Dauer der WM in Frankfurt im Einsatz, berichtete Bouffier. Hinzu kämen rund zwei Dutzend britische Gesetzeshüter, die die erwarteten 25.000 englischen Fußballfans „betreuten“, die zum Spiel gegen Paraguay am 10. Juni anreisen würden. „Wir wollen die Stadt nicht zu einer Festung ausbauen“, sagte Bouffier. Doch die Tatsache, daß in Frankfurt fünf Spiele ausgetragen würden und die meisten der Gäste über den Frankfurter Flughafen einreisten, mache eine Aufstockung des Personals unumgänglich.
Bei gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den Fanlagern kündigte Bouffier an, sofort einzuschreiten, „damit sich die Gewalt nicht hochschaukelt“. „Wer sich als Gast verhält, der ist willkommen. Wer das nicht tut, der wird schnell aus dem Verkehr gezogen“, sagte er und lobte die Zusammenarbeit mit den britischen Sicherheitsbehörden, die bislang rund 3500 Hooligans die Ausreise verweigert hätten. In Deutschland seien rund 10.500 sogenannter Problemfans bekannt. Gegen mehr als 2800 sei schon ein Stadionverbot verhängt worden - darunter seien auch Personen aus 111 hessischen Vereinen.
Verkehrchaos erwartet
Sorgen bereitet der Polizei die Ankündigung rechtsextremistischer Gruppen, nach der sie am 17. Juni - wenn die iranische Mannschaft gegen Portugal spielt - in einem Demonstrationszug durch Frankfurt ziehen wollen, um sich mit dem iranischen Präsidenten Ahmadineschad, der den Holocaust geleugnet hatte, zu solidarisieren. Auch iranische Exilgruppen könnten die WM nutzen, um ihre „Bruderschaft im Geiste“ zu demonstrieren, sagte Bouffier: „Das Thema verlangt viel Sensibilität und Entschlossenheit.“
Die WM dürfe nicht zu einer Veranstaltung mit weltpolitischem Charakter werden. Auch die angekündigten Studentenproteste gegen Studiengebühren will der Innenminister nicht außer acht lassen. Notfalls werde man dagegen vorgehen. „Mir wäre es lieber“, sagte er, „wir hätten diese Aufgabe nicht.“
Zuversichtlich zeigte sich Oberbürgermeisterin Petra Roth, sich den ausländischen Gästen „als Freunde“ zu präsentieren. Bei den 180 Nationen, die in Frankfurt lebten, werde jeder Besucher einen Landsmann finden, der seine Sprache spreche, meinte sie. Auch die erwarteten 1,5 Millionen Besucher, die an einem Spieltag durch Frankfurt strömten, seien kein Problem. Die Stadt habe mit Menschenmassen hinreichend Erfahrung. Zum Museumsuferfest kämen jedes Jahr rund 2,8 Millionen Besucher. Bei aller Spekulation über mögliche Gewalt und Kriminalität bleibt nach Ansicht von Polizeipräsident Thiel doch ein Szenario, das schon jetzt vorhersehbar ist: „Daß es auf den Autobahnen und in der Stadt zu einem Verkehrschaos kommt.“