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Freizeit Es grünt so grün am Main

 ·  Unsere Stadt soll schöner werden: Frankfurt hat gemeinsam mit Investoren in die Grünanlagen investiert, damit es zur Fußball-Weltmeisterschaft in freundlichen Farben blüht. Auch die Uferpromenade wurde saniert.

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Anemonen an der Stresemannallee, Schwertlilien und Glockenblumen in den Hochbeeten am Hauptbahnhof: Die Fußball-WM macht es möglich. Eine Million Euro hat die Stadt bereitgestellt, damit bis zum 10. Juni, wenn das erste Spiel in der Commerzbank-Arena stattfindet, Frankfurts Grünanlagen etwas hermachen - zumindest die, an denen die in die Stadt strömenden Fußballfans vorbeikommen. Investoren haben das Budget um eine Viertelmillion aufgestockt. „Wir müssen die Braut schmücken“, lautet die Parole, die Umweltdezernentin Jutta Ebeling (Die Grünen) zur Vorbereitung der Weltmeisterschaft ausgegeben hat.

Ein „gepflegtes Erscheinungsbild“ von Beeten und Wiesen, das ist auch das Ziel von Grünflächenamtsleiter Stephan Heldmann. Dazu ist nötig, daß das in den vergangenen Jahren aus Geldmangel häufig nur „so irgendwie“ am Leben gehaltene „Straßenbegleitgrün“ von verwahrlosten Sträuchern befreit wird und statt dessen Staudenbeete hergerichtet werden, damit es entlang den Straßen in freundlichen Farben blüht. Und zwar nicht nur in den paar Wochen der Weltmeisterschaft, sondern von nun an in jedem Sommer. Heldmann und seine Leute setzen auf Astern, Clematis, Salbei, auf die Rudbekie oder den Sonnenhut, die jedes Jahr wieder blühen, die Pflegekosten also kaum erhöhen. Ginge es nach Heldmann, würde man in allen Stadtteilen so verfahren. „Ich meine, wir müßten damit weitermachen.“

„Frankfurt entwickelt sich, Frankfurt blüht

Die nahende Ankunft der Kicker-Elite hat dem Grünflächenamt aber auch andernorts geholfen: „Das Höchster Mainufer wäre längst noch nicht fertig“, sagt der Behördenchef. Doch da Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) die Parole ausgegeben habe, dieser Abschnitt des Mainufers müsse bis zum Großereignis zum Flanieren einladen, standen Heldmann 1,8 Millionen Euro zur Verfügung. Mit denen machte er aus einem geteerten Parkplatz am Tiefufer eine attraktive Grünfläche. Am ersten Maiwochenende wurde sie eröffnet, Roth nannte das Ufer spontan „einen der schönsten Flecken Frankfurts“.

Auch das zentrale Grünprojekt Frankfurts hätte sich ohne Zeitdruck der Weltmeisterschaft noch um einiges hinausgezögert: die Sanierung und Verlängerung des kompletten innerstädtischen Mainufers. Heute mißt es stattliche sieben Kilometer - 3,5 Kilometer auf jeder Seite, eine Verdopplung im Vergleich zu 1996, als man mit den Arbeiten begann. „Wir hatten in den vergangenen Wochen drei Bauabschnitte gleichzeitig in Arbeit“, berichtet Heldmann stolz.

Am Samstag wurde mit einem Bürgerfest in Anwesenheit Roths der Abschluß aller Arbeiten gefeiert und das Ufer erstmals in einem Stück, als durchgängige Parkanlage präsentiert: vom Westhafen bis zur Ruhrorter Werft, vom Theodor-Stern-Kai bis zum Mainwasenweg an der Gerbermühle. Für Roth gibt die Kommune damit ihren Bürgern diesen Stadtraum zurück: „Frankfurt entwickelt sich, Frankfurt blüht.“

Der Main als Lebensraum

„Das ist schon einzigartig“, sagt Heldmann, und die Stärkung, die der weiche Standortfaktor Freizeit und Erholung durch das neue Mainufer erfahre, „sucht seinesgleichen“. Zwölf Millionen Euro sind in den vergangenen zehn Jahren in die Grünflächen am Main geflossen. Sechs Millionen aus der Stadtkasse, die andere Hälfte stammt von Investoren, die für die Erweiterung aufkamen, etwa am Deutschherrnufer, am Westhafen oder am Theodor-Stern-Kai.

Die Rückgewinnung des Mains als Lebensraum geht auf die achtziger Jahre zurück. Roth erinnerte am Samstag an ein Interview mit dem früheren Planungsdezernenten Martin Wentz (SPD). Dieser habe 1988 an der Westhafenmole gestanden, vor einem rein gewerblich-industriell genutzten Hafen, und von einer Meile des Wohnens, Flanierens und der Kommunikation gesprochen, die entlang dem Main entstehen solle. Der Gedanke wurde durch die geplante Olympia-Bewerbung vertieft. Im 1991 erarbeiteten „Consilium Stadtraum Main“ entwickelten Architekten und Planer endgültig die Idee des Wohnens am Fluß mit vorgelagerten Grünanlagen. Die Erweiterung des Mainufers war beschlossen, 1996 ging es los.

Doch auch die bestehenden Grünflächen waren in desolatem Zustand. „Die waren in den siebziger Jahren zum letzten Mal überarbeitet worden“, berichtet Heldmann. Im Jahr 2000 legte die Stadt das Programm „Grüne Räume für Frankfurt“ auf. Die Sanierung der alten Mainuferflächen wurde Teil des Vorhabens. Abschnitt für Abschnitt überarbeitete man das Grün, legte durchgehend einen ein bis eineinhalb Meter breiten Grünstreifen direkt am Wasser an, neben dem der fünf Meter breite Mainuferweg aus Asphalt verläuft. Rund um die Brückenköpfe wurden Pflastersteine verlegt, auf Blumen verzichtete man, um das Mainufer auch nach Großveranstaltungen oder einem Hochwasser schnell wieder in Schuß zu bekommen.

Neue Bars und Cafés

Vor allem die Beseitigung des letzten Nadelöhrs am nördlichen Ufer, dort, wo einst die legendäre Frankfurter Rollschuhbahn war, auf der Marika Kilius trainierte, kostete Politik und Verwaltung in den vergangenen drei Jahren Zeit und Kraft. Jetzt erinnert nur noch ein am Ufer angebrachtes Foto daran, wo die längst marode Anlage stand. Roth erzählte, daß die Rollschuhbahn 1964, als sie nach Frankfurt kam, der zentrale Treffpunkt am Mainufer gewesen sei. Heute könne man sich ja im Nizza verabreden, inmitten der nach Angaben Heldmanns „größten Ansammlung mediterraner Pflanzen nördlich der Alpen, die zugänglich ist“.

Den Frankfurtern muß man das Mainufer nicht mehr ans Herz legen. Sie kommen an den Wochenenden, aber auch an warmen Sommerabenden zu Tausenden zum Flanieren, Joggen, Skaten, Picknicken, betreiben „Rasen-Lounging“, wie man das Phänomen nennt. War früher das nördliche Mainufer das beliebtere, ist es heute die Sachsenhäuser Seite, deren Rasenflächen zum Sonnenbaden einladen und den Blick auf die Skyline eröffnen. Zum Lebensgefühl am Main gehören auch neue Cafes und Bars, wie „Hafenbar“, „Strandperle“, „Maincafe“, „Pflasterstrand“ und „Nizza am Main“. Geht es nach Heldmann, werden es vorerst aber nicht mehr: „Wir wollen jetzt den Bestand wahren.“

Probleme mit der „Vermüllung“

Schwierigkeiten macht der Stadt jedoch die „Vermüllung“ der Ufer. Nach chaotischen Zuständen hat der Leiter der Stabsstelle „Sauberes Frankfurt“, Peter Postleb, die FES für die Zeit bis zur WM mit Sonderleerungen an den Wochenenden beauftragt. „Es geht scheinbar nicht anders.“ Die Leute schleppten kistenweise Getränke und Lebensmittel an den Main, bestellten Pizzadienste ans Ufer und „lassen dann alles rücksichtslos stehen und liegen“, kritisiert Postleb.

Die eigentliche Bewährungsprobe für das sanierte Mainufer wird allerdings die Weltmeisterschaft selbst sein. Zwischen 20.000 und 30.000 Fans sollen während des Turniers von beiden Ufern aus auf zwei schwimmenden Riesen-Leinwänden alle Spiele unentgeltlich verfolgen können. Daß dadurch Schäden an den Grünflächen entstehen, ist unvermeidlich. Doch Heldmann hofft, daß sich für 50.000 bis 100.000 Euro alles wieder in den jetzigen Zustand bringen läßt. Vorausgesetzt, sagt er, „es läuft alles einigermaßen normal“.

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Jahrgang 1961, Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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