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Frankfurter Zoo Ein Platz für „Oskar“ und Co.

13.01.2009 ·  Die Tierpfleger im Frankfurter Zoo sind rund um die Uhr beschäftigt. Ihre Schützlinge wollen gefüttert und gepäppelt werden, die einen mögen es warm, die anderen kalt, die einen trocken, die anderen feucht.

Von Katharina Iskandar
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Die Küche von Gerd Fuchs ist klein. Sehr klein. Auf der Ablage an der Wand stapeln sich Möhren, Kohlrabi und Blumenkohl. Fuchs steht in dem schmalen Durchgang im Giraffenhaus und schimpft. Das sei eigentlich gar keine Küche, sagt er. Eher ein Abstellraum. Und wie immer, wenn er das sagt, tröstet ihn Zoodirektor Manfred Niekisch auch diesmal mit der Aussicht, dass er doch bald eine größere Küche bekommen werde.

Es ist halb zwölf: Mittagszeit. Fuchs, der als Revierpfleger für die Giraffen zuständig ist, rührt das Futter an. Es gibt Kleie mit Mineralstoffen, dazu wird geschnippeltes Gemüse gereicht. Etwa 25 Kilogramm Futter bekommt jedes Tier. In großen Säcken lagert es eingefroren in der Futterkammer. Bloß nicht zu viele Pellets, sagt Fuchs, „denn dann bekommen die Tiere die Scheißerei“. In sanftem Galopp nähern sich „Atari“, „Chira“, „Shani“ und „Monique“, recken ihre langen Hälse über den Zaun. Mit ihren großen Augen mit den langen Wimpern sehen sie auf einmal ganz sanftmütig aus.

Streng riechende Flüssigkeit

So gut wie Gerd Fuchs seine Giraffen kennt jeder Tierpfleger im Zoo seine Schützlinge – und sorgt entsprechend für sie. Während die Besucher die verschiedensten Lebensräume der Bewohner erkunden, sind die Tierpfleger fast pausenlos im Einsatz. Jeden Morgen reinigen sie die Gehege, bereiten dann das Futter vor oder kümmern sich um Nachwuchs, der von Hand aufgezogen werden muss. Viele Besucher wüssten gar nicht, wie viel Arbeit hinter den Kulissen eines Zoos verrichtet werde, meint Zoodirektor Niekisch. „Aber es ist enorm.“

So hat auch im Grzimek-Haus die Tierpflegerin Astrid Parys alle Hände voll zu tun. Sie ist die Ziehmutter des Faultiers „Oskar“, das nach der Geburt von seiner Mutter nicht aufgezogen werden konnte und deshalb die ersten Monate in einem etwa vier Quadratmeter großen Verschlag ganz in der Nähe von Parys’ Büro verbringt. Im Gehege gegenüber sind Kaisertamarine untergebracht. Astrid Parys nimmt eine Schale mit gekochtem Gemüse aus der Küche mit. Bevor sie das Gehege betritt, streift sie ihre Schuhsohlen gründlich auf einer Art Fußmatte ab, die in einer Wanne mit streng riechender Flüssigkeit liegt. „Zum Desinfizieren“, sagt Parys. „Damit hier keine unerwünschten Keime eingeschleppt werden.“

Einer Höhle nachempfunden

Hinter den Kulissen ist das Grzimek-Haus eine merkwürdige Konstruktion. Unter den Schauräumen laufen lange schmale Gänge in die Erde hinab, wie ein Labyrinth. Praktikanten verirrten sich hier regelmäßig, erzählt Parys. An den Wänden sind deshalb Zahlen angebracht – zur Orientierung. Auch die Heizung des Hauses ist hier untergebracht, für jeden Abschnitt gibt es ein eigenes System, und am tiefsten Punkt steht das Herzstück: ein 30 Jahre alter Kessel, der dafür sorgt, dass in den Schauräumen mit ihren zum Teil sehr empfindlichen Bewohnern immer die richtige Temperatur herrscht. „Der Kessel ist eigentlich reif für das Museum“, meint Parys. Auf dem neusten Stand der Technik ist er jedenfalls nicht: Er wärmt die einströmende Luft auf, dann kühlt er sie wieder ab. Im neuen Nachttierhaus soll das alles viel ökonomischer ablaufen – „das ist schon mal klar“, sagt Direktor Niekisch.

Als „Oskar“ wieder eingeschlafen ist, kommen die Fledermäuse an die Reihe. Im Vorraum riecht es leicht säuerlich. Das sei der Kot, sagt Parys. Er gäre, das sei Fledermäusen normal. Geruchsempfindlich dürfe man als Tierpfleger eben nicht sein. Im Gehege selbst, das einer Höhle nachempfunden ist, ist die Luft klar, dafür ist es dunkel und feucht. Unentwegt schwirren Fledermäuse um den Kopf der Revierpflegerin, während sie die Futternäpfe auf einen Ast stellt. Zielsicher steuern die Tiere die Schalen an und picken sich im Flug kleine Gemüsestücke heraus.

Australische Süßwasserkrokodile

Fledermäuse mögen nicht jedermans Fall sein – gefährlich aber sind sie ebenso wenig wie die anderen Tiere im Grzimek-Haus. Ganz im Gegensatz zu jenen im Exotarium. Dort hängt an einer Wand ein kleiner Kasten mit einem Schlüssel und der Aufschrift: „Bei Giftschlangenbiss“, darunter eine Notrufnummer. Giftige Schlangen gibt es im Exotarium genug, darunter sind auch Exemplare aus China, die vor kurzem vom Zoll am Flughafen beschlagnahmt wurden und nun vorübergehend im Zoo untergebracht sind.

Aktivieren mussten die Pfleger den Notruf noch nie. Sie kennen sich mit den Reptilien aus – allen voran Rudolf Wicker, der als Kurator für die Tiere im Exotarium zuständig ist. Eine schmale Wendeltreppe führt hinauf in sein Reich. Vorbei geht es an Terrarien mit Vogelspinnen, Stabheuschrecken und Echsen. Auch einen Brutschrank gibt es, dort lagern Eier der australischen Süßwasserkrokodile, die der Reptilienfachmann züchtet. Warm ist es in der Reptilienhalle, bis zu 30 Grad. Das mag vor allem der Waran, der seit kurzem ein Terrarium neben Wickers Büro bewohnt, weil er sich mit seinem Artgenossen im Schauraum nicht mehr vertragen hat.

Kein einfacher Beruf

Die richtige Temperatur sei für die Tiere sehr wichtig, sagt Wicker. Ist es zu kalt, fühlen sie sich nicht wohl. Ist es zu warm, leiden sie. Außerdem muss die Luftfeuchtigkeit stimmen. Dort, wo die Krokodile untergebracht sind, herrschen etwa 80 Prozent. Empfindlich sind aber nicht nur die Reptilien, sondern auch die Tiere im Aquarium. In den sogenannten Eingewöhnungsräumen sind unter anderem tropische Fische, Schwämme und ein Oktopus untergebracht und werden von der Tierpflegerin Yvonne Jahnel versorgt. Die Temperatur wird mit Hilfe von großen Reglern reguliert, die einer bestimmten Gruppe zugeordnet sind: „Gruppe 10“ steht für die Nordsee-Becken, „Gruppe 12“ für die Seewasseraquarien und „Gruppe 4“ für die Tropikaquarien. Dort beträgt die Wassertemperatur auch schon mal 25 Grad. Da ist es für Yvonne Jahnel mitunter ein richtiger Schock, wenn sie raus zu einem Außeneinsatz muss.

Das Schicksal, mit jeder Witterung zu jeder Jahreszeit zurechtkommen zu müssen, teilen sich Gerd Fuchs, Astrid Parys, Rudolf Wicker und Yvonne Jahnel – ganz gleich, ob sie im Giraffengehege, im Grzimek-Haus oder im Exotarium tätig sind. Tierpfleger, sagen sie, sei kein einfacher Beruf. Alles sei erst dann in bester Ordnung, wenn die Tiere versorgt seien – und sich am späten Abend das Gatter hinter den Pflegern schließt.

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