16.09.2008 · In der CDU positionieren sich die Kandidaten für die beiden Frankfurter Bundestagswahlkreise. In der FDP dagegen ist das Rennen schon entschieden.
Von Tobias RösmannWer sich zuerst bewegt, hat es besonders nötig – oder rechnet sich besonders gute Chancen aus. Auf Matthias Zimmer könnte beides zutreffen; es kommt darauf an, wen man in der CDU zu Zimmers Plan befragt, sich für das Bundestagmandat im Frankfurter Westen zu bewerben. Die einen glauben, der Vorsitzende des linken Arbeitnehmerflügels CDA wäre genau der Richtige, um als Kandidat neben der konservativen Bundestagsabgeordneten Erika Steinbach am 27. September 2009 erfolgreich zu sein. Die anderen halten wenig von dem „Sozialdemokraten“ , der sich zu weit von der Mitte der Partei entfernt habe. Der 1961 geborene, promovierte Politologe wirbt mit dem Slogan „Erst der Mensch, dann der Markt“ für die Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft.
Zimmer trommelt in den Bezirksverbänden für sich
Zimmer jedenfalls hat sich als Erster gerührt im Mandats-Mikado für Berlin. „Ja, ich interessiere mich dafür“, sagt er. Zurzeit stellt sich der ehemalige Referent von Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) schon in den Bezirksverbänden vor, um für sich zu trommeln. Bis zum 7. November hat er dafür Zeit, dann wird ein Kreisparteitag der CDU über die wichtige Bewerberfrage entscheiden. Weil es immer auch um die Balance beider Parteiflügel geht, könnte Zimmer durchaus Chancen haben, denn an der Partei- und Fraktionsspitze stehen in Boris Rhein und Markus Frank zwei Vertreter der eher rechten Mittelstandsvereinigung MIT.
Als sehr wahrscheinlich hingegen gilt, dass Erika Steinbach abermals für die CDU im Frankfurter Osten kandidiert. Die 65 Jahre alte Präsidentin des Bundes der Vertriebenen sagt: „Ich trete noch mal an.“ Mit einem ernsthaften Gegenbewerber muss sie kaum rechnen. 2005 holte sie den Wahlkreis mit 37,3 Prozent vor Ulrike Nissen (SPD), die 33,8 Prozent der Stimmen erreichte.
Der Geschäftsführer der CDU, Christian Wernet, will sich an den Spekulationen gar nicht erst beteiligen. Er sagt bloß: „Ich weiß bisher nichts von weiteren Interessenten.“ Anders als vor einer Kommunalwahl gebe es für Berlin kein Nominierungsverfahren parteiinterner Gremien. „Der Kandidat muss mindestens 18 Jahre alt sein und deutscher Staatsbürger.“ Das sei alles. Noch am 7. November könnten also Interessenten aufstehen und die etwa 300 Delegierten überzeugen.
„Riesenkonsens“ bei der FDP für das Duo von 2005
Geraunt wird natürlich jetzt schon. So soll es für den Wahlkreis im Westen, den der jetzige Fraktionsvorsitzende Frank weder 2002 noch 2005 für die CDU holen konnte, wenigstens einen weiteren Liebhaber geben. Der verfolgt offenkundig eine andere Strategie als Zimmer, Leiter der Stabsstelle Wirtschaft im Dezernat von Rhein. Dabei muss dieser Konkurrent darauf achten, nicht zu spät in Erscheinung zu treten. Den Wahlkreis gewann 2005 Gregor Amann von der SPD mit 39,8 Prozent der Erststimmen vor Markus Frank, der auf 37,3 Prozent kam.
Während die CDU noch sondiert, hat die FDP ihre Kandidaten schon gefunden. „Das ist unumstritten. Da ist nichts geheim“, sagt der Parteivorsitzende Dirk Pfeil. Es gebe „einen Riesenkonsens“, dasselbe Duo wie 2005 antreten zu lassen: Hans-Joachim Otto im Westen und Christoph Schnurr im Osten der Stadt. Andere Kandidaten hätten sich laut Pfeil mittlerweile melden müssen, so aber würden der 55 Jahre alte Bundestagsabgeordnete Otto sowie der 24 Jahre alte Student und Stadtverordnete Schnurr von den Delegierten am 13. Oktober mit großer Sicherheit akzeptiert.
Pfeil rechnet außerdem damit, dass Otto, seit 2005 Vorsitzender des Ausschusses für Kultur und Medien des Bundestags, auch auf der Landesliste der Liberalen prominent plaziert sein werde. 2005 stand der Rechtsanwalt auf Platz vier und gelangte auf diesem Weg nach Berlin; bei den Erststimmen kam er auf 5,7 Prozent. „Otto soll seine Arbeit als Ausschussvorsitzender fortsetzen, und dazu ist er auch bereit“, sagt Pfeil. Schnurr (Erststimmen 2005: 4,3 Prozent) sei zwar noch jung, habe aber schon viel Erfahrung gesammelt. Für eine möglichst frühe Bekanntgabe der Bewerber hat sich der FDP-Vorsitzende übrigens eingesetzt, weil er Zeit für einen anderen Wahlkampf übrig behalten will: „Wer weiß, was wir im Land noch alles zu tun bekommen.“