01.07.2007 · Alles soll schöner werden: Nach der Evaluation des Frankfurter Zoos liegen Missstände offen. Doch kleine Verbesserungen sind schon zu sehen. Nun wird nach einer Vision für den traditionsreichen Tiergarten gesucht.
Von Eva-Maria MagelEigentlich schaut es aus wie eh und je: Seit Jahren wird im Zoo gebaut. An die merkwürdigen Betonstelen, die aus dem Weiher am Katzendschungel ragen, haben sich regelmäßige Zoobesucher in den vergangenen Monaten geradezu gewöhnt – frei nach Robert Gernhardt: „Dich will ich loben: Hässliches / Du hast so was Verlässliches“.
(Siehe: Mit Bernhard Grzimeks Erbe geht es bergab.)
Immerhin, es wird wieder gewerkelt – das neue Gibbonhaus soll noch in diesem Jahr fertig werden. Wie es um die Baustelle Zoo bestellt ist, hat der Interimsdirektor Bernd Schildger in den vergangenen Tagen ziemlich deutlich zum Ausdruck gebracht, unter anderem im Kulturausschuss. „Die Evaluation ist vernichtend“, sagt dessen Vorsitzende, Alexandra Prinzessin von Hannover (CDU), schlicht. Die Parole lautet: Nach vorn schauen, die Potentiale ausschöpfen und Missstände beseitigen.
Beliebter Katzendschungel
Potentiale gibt es durchaus, das sagt nicht nur Schildger, Direktor des Berner Tiergartens und früher in Frankfurt Zoo-Tierarzt. Die zentrale Lage, die Motivation der Mitarbeiter, die Nähe zur Zoologischen Gesellschaft werden dabei als Erstes genannt. Und neue Gehege wie der Katzendschungel, entstanden unter der Ägide von Zoodirektor Christian Schmidt, der im März das Handtuch geworfen hatte, sind bei den Besuchern überaus beliebt.
Nur muss überlegt werden, welche Schwerpunkte gesetzt werden sollen: Wissenschaft, Naturschutz, Erholung, Bildung? Die Mischung soll eine „Vision“ zeigen, die im September formuliert sein soll. Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) hat mehrfach auf die Nähe zur Zoologischen Gesellschaft hingewiesen, und Geschäftsführer Christoph Schenck kann sich durchaus vorstellen, mit dem Zoo noch enger zusammenzuarbeiten:
Aufklärung über Artenschutz und Biodiversität ist ein Teil der Aufgaben, die Zoo und Gesellschaft gemeinsam haben. Diese ist ebenso in die Neuausrichtung des Zoos involviert wie alle Mitarbeiter: Alle haben sie an der Evaluierung mitgearbeitet und Ziele formuliert. Es herrscht Aufbruchsstimmung.
Attraktive Flusspferde
Es gibt wieder einen Streichelzoo, und im nächsten Monat will eine der Projektgruppen, die sich im Zoo gebildet haben, das Konzept für ein Café vorlegen: Ein Umbau des leerstehenden Bauernhauses am Spielplatz soll für schnelle Linderung der gastronomischen Misere sorgen – mit Blick auf einen Spielplatz, der schon in diesem Jahr neu gestaltet werden soll. An der gesamten Gastronomie soll gearbeitet werden; derzeit gibt es gar eine juristische Auseinandersetzung der Stadt mit dem Pächter Kofler.
Demnächst werden alle Zoo-Mitarbeiter eine einheitliche Dienstkleidung haben, die hässlichen Mülltonnen sollen verschwinden. Kleine Schritte, aber es tut sich etwas. Gernhardts Vers kann dennoch für allerhand stehen, was man so sieht, wenn man an einem schulklassentauglichen Werktagmorgen durch den Zoo flaniert.
Kinder drängen sich vor dem badewannenkleinen Becken der Flusspferde, die immer eine Riesenattraktion sind – ob die Haltung der gemütlichen Dicken noch unter artgerecht fällt und wie das geändert werden kann, dürfte demnächst auch ein Thema werden. Mütter parken ihren Buggy in dem Pulk vor den Aquarien und hieven Kleinkinder die Treppenstufen zum Exotarium hoch, denn als der Bau entstand, war von „Barrierefreiheit“ noch nicht die Rede.
Geplantes Menschenaffengehege
Dass auch der erste Stock des Katzendschungels – noch – für Behinderte und Kinderwagen nicht erreichbar ist, erstaunt allerdings: Er wurde 2001 gebaut und ist eines der Vorzeigeprojekte des noch amtierenden Zoodirektors Schmidt gewesen. Was zu seiner Demission geführt hat, wird nicht gesagt – wie es zu der Evaluation durch Schildger kam, schon: „Hinweise aus dem Zoo“ hätten ihn dazu bewogen, so Semmelroth. Sehr zufrieden waren, das war stets ein offenes Geheimnis, nur wenige Mitarbeiter an ihrem Arbeitsplatz und mit der Leitung.
Seit 1999, Schmidt war seit 1994 im Amt, sind allerdings einige neue Gehege entstanden, die bei den Besuchern sehr beliebt sind – wie die Robbenanlage mit Sicht auf die Schwimmer. Hinter dem Spielplatz, den man dafür beinahe sang- und klanglos geopfert hätte, obwohl es der einzige im ganzen Zoo ist, wächst Schmidts Lieblingsprojekt, das neue Menschenaffengehege.
„Bonoboland“, wie geplant, werde es nicht mehr heißen, so erklärt Antje Runge, die Pressesprecherin des Zoos. Auch dort waren nur Treppen vorgesehen. Das ist geändert worden. Und auch sonst wird der Neubau deutlich anders ausfallen: Weniger Artenmischung, mehr Rücksicht auf die Bedürfnisse der Besucher.
„Gedeckelter“ Etat
Deren Zahl ist mit offiziell 903.000, tatsächlich wohl 750.000, viel zu gering im Vergleich mit ähnlichen Zoos. Das soll sich ändern, schließlich beteuert dieser Tage jeder, ob in der Politik oder unter Tierfreunden, welch große Tradition der Zoo habe und wie wichtig er für die Stadt sei. Da kommt mancher Dauerbesucher wohl nicht umhin, sich zu fragen, warum erst jetzt das jahrelange Schleifenlassen durch das zuständige Dezernat und die mangelnde Kontrolle der Leitung kritisiert werden.
Ein Kontrollgremium soll es künftig geben. Wie viel gute Ideen und Motivation ausmachen, ist schon an den winzigen Veränderungen im Zoo zu bemerken. Die größeren allerdings kosten Geld. Der Etat des Zoos ist derzeit bei 8,9 Millionen Euro „gedeckelt“ – um eine Million war er gesenkt worden. Bislang waren es die Besucher, die, trotz mancher Ärgernisse, mit höheren Eintrittspreisen für einen Ausgleich gesorgt haben.