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Frankfurter Studentenrevolte : Widersprüchliches über Fischers „Putzgruppe"

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Die wilde Zeit der linken Proteste Bild: dpa

In einem Prozeß berichten Zeitzeugen über die Frankfurter Studentenrevolte: Jutta Ditfurth und Daniel Cohn-Bendit erinnern sich höchst unterschiedlich an das Rote Jahrzehnt.

          Der Europa-Abgeordnete Daniel Cohn-Bendit (Die Grünen) und die Frankfurter Stadtverordnete Jutta Ditfurth (Ökolinx) haben am Dienstag in einem presserechtlichen Prozeß vor der 3.Zivilkammer des Frankfurter Landgerichts als Zeitzeugen ausgesagt. In dem Verfahren wendet sich der Geschäftsführer des Musiklokals „Batschkapp“, Ralf Scheffler, gegen einen Bericht des Münchner Magazins „Focus“.

          Das Blatt hatte im Text unter einem Bild, das den Musikmanager als Trauergast bei der Beerdigung des Kabarettisten Matthias Beltz am 8.April 2002 zeigt, behauptet: „Ralf Scheffler...galt in der Putzgruppe als passionierter Schläger.“ Der so Bezeichnete klagt auf Unterlassung und Schmerzensgeld wegen Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte. Das Magazin hat in dem schon viele Monate dauernden Verfahren geltend gemacht, es habe lediglich wiederholt, was bekannt sei.

          „Mit Helmen gegen die Staatsmacht schützen“

          Einer größeren Öffentlichkeit ist der Begriff „Putzgruppe“ Ende 2000 während des Strafprozesses gegen den Terroristen Hans-Joachim Klein bekanntgeworden. Der Gruppe gehörten junge Männer der linken Szene an, die in den frühen siebziger Jahren bei Demonstrationen Polizisten mit körperlicher Gewalt attackierten. Bekanntestes ehemaliges Mitglied ist Bundesaußenminister Joseph Fischer. Er hatte zugegeben, einer der Männer zu sein, den eine wiederentdeckte Bilderserie der F.A.Z. aus den siebziger Jahren beim Verprügeln eines Polizeibeamten zeigt.

          Cohn-Bendit versuchte am Dienstag als Zeuge deutlich zu machen, daß die „Putzgruppe“ ein personell nicht genau einzugrenzender, von den Medien überschätzter und in seiner Wirkung eher marginaler Teil der linken Bewegung gewesen. Es entziehe sich seiner Kenntnis, ob Scheffler Mitglied gewesen sei. Eine feste Struktur habe die Gruppe nicht gehabt. Er selbst, sagte der Zeuge, habe nicht dazugehört. Die Protestierer haben sich nach seiner Kenntnis „mit Helmen gegen die Staatsmacht schützen wollen, die die Auseinandersetzung gesucht“ habe.

          Er habe nie gehört, daß Scheffler eine besondere Neigung zur Gewalt gezeigt habe. Nach seiner Kenntnis habe er als Organisator des Nachtlebens einen Weg in der Subkultur gesucht und gefunden. „Er war kein passionierter Schläger, er war ein leidenschaftlicher Liebhaber“, sagte Cohn-Bendit. Wie „Focus“ nannte er keine Quelle für seine Behauptung.

          „Commandante“ Fischer im innersten Zirkel

          Jutta Ditfurth, Mitbegründerin der Grünen und inzwischen aus der von Fischer geprägten Partei ausgetreten, hat ganz andere Erinnerungen. Sie legte mehrere Bücher als Beleg dafür auf den Zeugentisch, daß sie die Vergangenheit nicht ins weiche Tuch der Ahnungslosigkeit hüllen mag. Ende der siebziger Jahre habe sie Kontakt zur Sponti-Szene gehabt. Die Leute seien ihr nicht sonderlich sympathisch gewesen, aber sie habe erfahren, was die „Putzgruppe“ gewesen sei. Dem innersten Zirkel hätten neben „Commandante“ Fischer Hans-Joachim Klein, Johnny Klinke, Tom Koenigs, Georg Dick und Ralf Scheffler angehört. Er habe den Kampfnamen „Onkel Ralle“ gehabt und sei neben Raoul Campagna als besonders heftiger Schläger bekannt gewesen.

          Ditfurth sagte, sie wisse dies von Menschen aus dem unmittelbaren Umfeld der Genannten. Im übrigen hätten sich die Putzgruppenleute wie Weltkriegsveteranen in Kneipen ständig ihrer Gewalttaten gerühmt. Wenn Cohn-Bendit etwas anderes sage, so lüge er. Er habe als eine Art Propagandaminister selbst zum inneren Kreis gehört.

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