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Frankfurter Skyline Plaza Einkaufszentrum mit origineller Fassade

 ·  Das Einkaufszentrum Skyline Plaza, eines der wichtigsten Bauwerke im Frankfurter Europaviertel, nimmt Gestalt an. Der Architekturentwurf ist in den vergangenen Monaten noch einmal überarbeitet worden.

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Das Einkaufszentrum Skyline Plaza, eines der wichtigsten Bauwerke im Frankfurter Europaviertel, nimmt Gestalt an. Der Architekturentwurf ist in den vergangenen Monaten noch einmal überarbeitet worden: Wo heute noch eine Brachfläche klafft, soll ein ovales, fünfgeschossiges Gebäude mit wellenförmiger Fassade, die farbige Lamellen trägt, errichtet werden. Die originelle Farbgebung der Lamellen, die je nach Blickrichtung an einen Regenbogen erinnern, zielt auf ein Spiel mit der Wahrnehmung. Das Gebäude wird von einem gigantischen Dachgarten gekrönt, der öffentlich nutzbar sein soll.

Nach Angaben des Projektentwicklers Vivico, der das Skyline Plaza in einem Joint Venture mit dem Einkaufszentrumsbetreiber ECE errichtet, soll diese aktualisierte Architekturstudie „im Prinzip so umgesetzt werden“. Es sei beabsichtigt, noch in diesem Jahr den Bauantrag einzureichen, sagte Vivico-Sprecher Markus Diekow. Eine zügige Genehmigung vorausgesetzt, könnten die Bauarbeiten im nächsten Jahr beginnen.

Die drei Baukörper sollen parallel errichtet werden

Das Skyline Plaza ist Teil eines Komplexes, zu dem auch ein Hotelturm und ein Kongresszentrum gehören. Die Stadt hat die Genehmigung des Einkaufszentrums davon abhängig gemacht, dass ein Kongresszentrum für rund 3000 Besucher entsteht. Auf der Suche nach einem Betreiber des Kongresszentrums favorisiert Vivico eine Zusammenarbeit mit der Messe. Es soll in einem gesonderten Baukörper neben dem geplanten Hotelturm am Güterplatz entstehen. Zwischen Einkaufs- und Kongresszentrum befindet sich eine zirka zehn Meter breite Fuge. Diekow zufolge wird für das Kongresszentrum kein separater Architekturwettbewerb ausgeschrieben. Die drei Baukörper sollen parallel errichtet werden.

Der Entwurf zum Skyline Plaza stammt von dem Frankfurter Büro Jourdan & Müller, das den Architekturwettbewerb vor sechs Jahren gewonnen hatte. In dem Architekturbüro in Bockenheim türmen sich mehrere Modelle, an denen sich die Planungsgeschichte des Gebäudes ablesen lässt, das zunächst unter dem Namen „Urban Entertainment Center“ und später als „Skyline Plaza“ seit vielen Jahren die Frankfurter Stadtplanung beschäftigt. Waren zunächst ein Musical-Theater, ein Planetarium und ein Kinozentrum vorgesehen, präsentiert sich das Skyline Plaza heute als abgespeckte Version.

Immer hindurch

Das Skyline Plaza wird nicht in einem gewachsenen Viertel, sondern in einem Neubaugebiet errichtet, das durch unterschiedliche Baukörper, darunter Bürotürme und Geschäftsgebäude, aber auch Wohnhäuser, geprägt ist. Der Architekt Benjamin Jourdan, Sohn des bekannten Frankfurter Baumeisters Jochem Jourdan, geht mit seinem Entwurf auf diese heterogene Umgebung ein und beabsichtigt mit der wellenförmigen Fassade und ihrer Lamellenstruktur ein „Spiel mit der Perzeption“.

Die Grundform des Gebäudes ist ein großes Oval. Über dem als Parkfläche genutzten Tiefgeschoss werden das Erdgeschoss und das erste Obergeschoss durchgängig als Einkaufsfläche genutzt, im südlichen Abschnitt zieht sich die Verkaufsfläche bis ins vierte Obergeschoss. Im nördlichen Gebäudeteil sind Parkflächen auch im zweiten und dritten Obergeschoss untergebracht. Im Erdgeschoss ist eine Schaufensterfassade vorgesehen, die darüberliegenden wellenförmigen Ebenen kragen unterschiedlich weit aus und bilden in Höhe der vier Eingänge Überdachungen. Der Haupteingang befindet sich an der westlichen Seite in Höhe des Europaboulevards. Zwischen dem östlichen und dem westlichen Eingang ermöglicht eine Passage auch außerhalb der Öffnungszeiten eine Durchquerung.

Mehrere Gärten

Vor die innere, teilweise verglaste Fassade wird eine Gebäudehülle aus Streckmetall und Lamellen gestellt. Letztere folgen einem regelmäßigen Rhythmus, von Stockwerk zu Stockwerk sind die Abstände unterschiedlich breit. Die vordere Ansicht ist verspiegelt und reflektiert die Umgebung. Je nach Blickwinkel ändert sich die Anmutung des Gebäudes: Die eine Innenfläche der Lamelle ist koloriert, so dass ein Regenbogenfarbkreis das Gebäude einmal umläuft, die andere Innenseite wechselt von Weiß zu Schwarz. „Das Spiel mit Licht und Schatten unterstreicht zudem das Lebendige der Bauform“, sagt Jourdan.

Jourdan hat sich bei der Gestaltung der Fassade von Formen inspirieren lassen, die er in der gebauten Umwelt und in der Natur fand. Ähnlich wie beim Kolosseum in Rom habe das Skyline Plaza im Stadtraum eine Gelenkfunktion. Die Idee zur Tiefenschichtung der einzelnen Ebenen kam Jourdan bei der Betrachtung von Gesteinsschichten im Grand Canyon.

Um die innere Gestaltung des Einkaufszentrums kümmert sich ECE. Das Dach soll größtenteils begrünt werden. Hier entsteht eine 12.000 Quadratmeter große Grünfläche mit Zierkirschen, Blumenbeeten, Hecken und Wiesen. Durch Lichtöffnungen und einen über drei Geschosse reichenden vertikalen Garten werden die unteren Ebenen und die Rolltreppenhäuser beleuchtet. Ein öffentlich nutzbarer Dachgarten mit Restaurant im Zentrum ist aus baupolizeilichen Gründen nur für rund 800 Personen gleichzeitig zugelassen.

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