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Frankfurter Roßmarkt : Wohnen, wo andere zur Arbeit gehen

Platz ist in der kleinsten Hütte: Jagoda Szmytkas Zuhause auf Zeit Bild: Helmut Fricke

Für das Kunstprojekt „Poesie des Wohnens“ ist Jagoda Szmytka nach Frankfurt gekommen. 14 Tage lang lebt die Künstlerin in einer kleinen Hütte auf dem Roßmarkt.

          An kaum einem anderen Ort ist Frankfurt so sehr Großstadt wie auf dem Roßmarkt in der Innenstadt. Der riesenhafte Platz liegt wie ein Scharnier zwischen dem Bankenviertel und den Einkaufsstraßen rund um die Hauptwache, die Hochhäuser in der Umgebung bieten eine dramatische Kulisse. Vor diesem Gebirge aus Glas, Stahl und Beton steht eine kleine Holzhütte. Sie ist nur 16 Quadratmeter groß, hat ein spitzes Dach, ein Bett und eine Bühne. Willkommen im Zuhause von Jagoda Szmytka.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Für das Kunstprojekt „Poesie des Wohnens“ ist die polnische Künstlerin aus Breslau hier eingezogen. 14 Tage lang lebt und performt sie inmitten der Betriebsamkeit des Roßmarkts: Wohnen, wo andere arbeiten und einkaufen. Szmytka ist heute etwas gereizt, denn gerade hat jemand nervtötend an die Fensterscheiben geklopft. Aber langsam taut sie auf. Nachts sei es hier ruhiger als erwartet, berichtet sie. Ihr Gesicht hat sie ganz weiß geschminkt, wie eine lebende Skulptur. Sie bespielt ihr Haus wie eine kleine Bühne und wohnt, arbeitet und komponiert mitten in der Fußgängerzone. „Die Kunst soll zu den Menschen kommen, nicht umgekehrt“, sagt sie.

          Was belebt und durchmischt Quartiere?

          Das Experiment ist Teil eines interdisziplinären Projekts, das sich kritisch mit den Wohnformen der Gegenwart auseinandersetzt. Ausgehend von einem beispielhaften Schweizer Projekt, dem genossenschaftlich bebauten Hunziker Areal in Zürich, hinterfragen Architekten und Künstler, welche Bedürfnisse heutzutage an das Wohnen gestellt werden. „Wir wollen keinen reinen fachlichen Diskurs führen, sondern das Thema emotional erfahrbar machen“, sagt Mitinitiatorin Aileen Treusch. Deshalb steht nun eine experimentelle Wohnbox auf dem Roßmarkt.

          Dort und gegenüber im „Zukunftspavillon“ wird in den nächsten Tagen über die Frage diskutiert, was belebte und durchmischte Quartiere auszeichnet und wie mehr interessante Wohnkonzepte verwirklicht werden können. Gerade die „kreative Klasse“ suche das pulsierende urbane Leben. Die Lebensqualität einer Stadt werde auch davon bestimmt, wie gut es gelinge, „kreativen Stadtnomaden“ ein attraktives Wohn- und Lebensumfeld zu bieten, meinen die Organisatoren.

          Kulturamt und Architekturmuseum fördert das Projekt

          „Wir wollen nicht zu einer reinen Bankenstadt werden, sondern, dass Frankfurt attraktiv für die Kreativszene bleibt“, sagt Treusch. Viele Vorschriften bremsten die Kreativität der Planer und Architekten im Wohnungsbau aus, meint der Architekt Jon Prengel – von der Stellplatzsatzung bis zum „Passivhaus-Dogma“. Auch seien Investoren anderswo offener für moderne und gemeinschaftliche Wohnformen.

          Das Projekt „Poesie des Wohnens“ wird unter anderen vom Kulturamt und vom Architekturmuseum gefördert und ist, wie auch der Zukunftspavillon, im Zusammenhang mit dem Architektursommer Rhein-Main entstanden. Zum Abschluss fasst am 2. September ein Symposion die Erfahrungen zusammen. Hamburgs Oberbaudirektor Jörn Walter, Frankfurts Planungsdezernent Mike Josef und der Leiter des Architekturmuseums, Peter Cachola Schmal, nehmen teil. Auch Szmytka wird dann von ihren Erlebnissen berichten. Nach zwei Wochen in einem Zimmer mit Aussicht auf die Stadt.

          Quelle: F.A.Z.

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