Home
http://www.faz.net/-gzh-6k282
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Frankfurter Römer im Urlaub Der Berg ruft und einige folgen

12.07.2010 ·  Im Frankfurter Römer bereiten sich die meisten erst noch auf den Sommerurlaub vor. Die Stadträte lieben es klassisch: Segeln, Wandern, Kultur.

Von Mechthild Harting, Frankfurt
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Sommerzeit ist Urlaubszeit. Eine Woche nach Ferienbeginn in Hessen herrscht im Frankfurter Römer immer noch eine gewisse Geschäftigkeit. Die meisten Stadträte räumen derzeit die Schreibtische auf. Die Mitarbeiter in den Vorzimmern kommen noch nicht zum Verschnaufen. Erst gegen Ende des Monats sollen sich deutlich die Reihen lichten.

Ende nächster Woche sticht zumindest Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) mit seiner Lebensgefährtin, der CDU-Stadtverordneten Sybill Meister, in See. In Venedig besteigen sie einen englischen Großsegler, den „Wind of Spirit“, wie Schwarz stolz berichtet. Ziel ist die kroatisch-istrische Küste zu erkunden.

Achtstündige Touren keine Seltenheit

Um Spekulationen über seine Segelkünste zu unterbinden, fügt er rasch hinzu: „Ich werde dort gesegelt – ich schaff‘ da nichts“. Dabei ist der frühere Sportlehrer, wenn man es ihm auch nicht unbedingt ansehen mag, durchaus ein Freund der Bewegung: Das holt er Ende des Monats mit seiner Wandergruppe im Tannheimer Tal nach.

Dem Ruf der Berge folgt auch Frankfurts CDU-Chef Boris Rhein, der allerdings erst in den letzten Ferienwochen an der Grenze von Steiermark und Salzburger Land gemeinsam mit seiner Ehefrau klettern und wandern will. Achtstündige Touren seien dabei keine Seltenheit, sagt der Staatssekretär und zeigt sich erleichtert, dass er in dieser Sommer nicht mehr aus Rücksicht auf seinen sieben Jahre alten Sohn Bruno ans Meer zum Buddeln fahren müsse. Die Schwiegereltern führen mit und übernähme die Betreuung. Denn „ich würde jeden Berg gegen das Meer eintauschen“, bekennt Rhein.

Nicht so gerne in die Hitze

Weniger die Alpen als vielmehr reizvolle Städtenamen, die sie bisher nur von der Landkarte sowie aus Romanen und Filmen kennt, ziehen Umweltdezernentin Manuela Rottmann (Die Grünen) diesmal in die Schweiz. „Ich war noch nie länger dort“, sagt sie, dabei klänge es doch alles so vielversprechend: „Davos oder Arosa“. Und es sei alles ohne Auto gut und schnell vom Rhein-Main-Gebiet aus zu erreichen, rührt die Radlerin die touristische Werbetrommel für die Steueroase Schweiz.

Auch der Norden findet im Frankfurter Römer seine Liebhaber. Da die „Hitze nicht mein Ding ist“, wird Bürgermeisterin Jutta Ebeling (Die Grünen), allerdings erst im August Richtung Meer aufbrechen. Der Norden sei ohnehin ihre „familiäre Heimat“. Das gilt auch für Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU). Die gebürtige Bremerin wird für einige Tage ihre Mutter besuchen, ansonsten in Frankfurt verweilen, ehe der Koffer für Bayreuth und den Lohengrin gepackt wird.

„Es gibt Schlimmeres, als seine eigenen Pläne über den Haufen zu schmeißen“

Durchweg in Frankfurt bleibt Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU), er will sich ausführlich der Familie, dabei insbesondere seinen beiden kleinen Töchtern widmen. Doch Frank verbindet den Heimaturlaub natürlich mit dem Nützlichen: Als Chef des städtischen Tourismus will er sich die Fremdenverkehrsangebote genauer ansehen: Für zwei Nächte hat er ein Hotelzimmer gebucht und will das Programm so mitmachen, als kenne er Frankfurt nicht, inklusive Stadtrundfahrt. Grünen-Fraktionschef Olaf Cunitz verweilt ebenfalls in der Stadt: Mit seiner schwangeren Partnerin will er keine großen Reise mehr unternehmen, einzig Ausflüge ins Umland sind geplant.

A propos Norden: Ganz hoch in Skandinavien ist bereits seit einer Woche der designierte CDU-Fraktionschef Helmut Heuser unterwegs. Heuser hatte die dreiwöchige Fahrt mit dem Wohnmobil zu einer Zeit gemietet, als er noch davon ausging, seinen im Januar vergangenen Jahres begonnen Ruhestand genießen zu können. Er wollte sein politische Engagement zu einem schönen Hobby machen. Durch den plötzliche Tod des bisherigen CDU-Fraktionsvorsitzenden Horst Kraushaar ist Heuser nun plötzlich gefordert. „Es gibt Schlimmeres, als seine eigenen Pläne über den Haufen zu schmeißen“, sagte er und ergänzte: Er habe das große Glück, dass seine Frau und seine Familie die neue Entwicklung akzeptierten.

Erholung muss schließlich auch mal sein

Doch ehe er für seine Fraktion in den Kommunalwahlkampf einsteigt, hat seine Frau ihn nun drei Wochen für sich in einem Land, das die Heusers bisher nur vom Wasser her kannten. Das Ehepaar hatte einmal eine Schifffahrt entlang der Hurtigruten gebucht. Nun, mit dem Wohnmobil, erhoffen sie sich, Land und vor allem Leute in Norwegen näher kennenzulernen. „Das ist Bestandteil unseres Traums“, sagte Heuser vor der Abfahrt, „über den Kontakt mit den Leute ein bisschen das Land kennenzulernen.“

Das Meer, allerdings die Ostsee, ist auch Reiseziel der Steins. Zunächst nimmt Ordnungsdezernent Volker Stein (FDP) jedoch als „Landeskommandeur Hessens“ an einer Wehrübung teil. Alle Kraft wird auch bei dem anschließenden Familienurlaub mit seinen elfjährigen Zwillingen gefordert sein. Anschließend reist Stein mit seiner Frau, der FDP-Stadtverordneten Elke Tafel-Stein, dann noch nach Schottland. Erholung muss schließlich auch mal sein.

Die Spitze der Stadt sei handlungsfähig, zu jeder Zeit

Das hat sich auch Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) gesagt, der unerschrocken von allen Temperaturvorhersagen auf den Peloponnes gereist ist. Dem Vernehmen nach ist es die Kunst, die ihn dazu ermutigt hat und nicht der europäische Gedanke, die griechische Wirtschaft zu stärken.

Auf die Nachfrage im Frankfurter Rathaus, ob es Tage in diesem Sommer gebe, wo der Römer völlig verwaist sei, zeigt sich die Verwaltung fast empört: „Vom Magistrat ist immer einer da“, heißt es. Die Spitze der Stadt sei handlungsfähig, zu jeder Zeit.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1961, Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

Jüngste Beiträge

Perspektivlosigkeit ist Gift

Von Rainer Schulze

Die Zukunft der Wohnungsbaugesellschaft Nassauische Heimstätte ist unklar. Das Land will sich von der Beteiligung trennen - Frankfurt hat die Hand gehoben. Eine Entscheidung tut not. Mehr