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Frankfurter Kneipenrunden : Von wegen Stammtischniveau

Rollenspieler, Kneipe, Bier - fertig ist der Stammtisch: Larper tauschen sich über ihr Hobby aus. Bild: Max Kesberger

Gibt es in einer Großstadt heute noch Stammtische? Eine ganze Menge. Und die wenigsten entsprechen den Klischees. Fünf Besuche in Frankfurt.

          Die Atheisten

          Leonie Feuerbach

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft.

          „Gottlosen-Stammtisch“, jeden zweiten Mittwoch um 19.30 Uhr im Restaurant des Saalbaus Bornheim

          Wie hält es ein Atheist, der sich für Flüchtlinge einsetzt, mit dem Kirchenasyl? Das fragen sich Martin Wagner und seine Mitstreiter an einem Mittwochabend im Restaurant des Saalbaus Bornheim. Wenn es darum gehe, Schwache zu schützen, müsse man auch einmal auf der Seite der Kirche sein, meint einer der Teilnehmer des „Gottlosen-Stammtischs“: „Das ist eine kleine Tür für die Menschlichkeit: Lasst die doch offen!“ Wagner hingegen findet, dass die Kirche sich lieber dafür einsetzen sollte, das Asylrecht zu reformieren.

          „Bei der Scharia sagen wir: Wir wollen keine Juristerei außerhalb unseres Rechtssystems. Wieso nicht beim Kirchenrecht?“ Aber die Scharia sei eine Art des Zivilrechts, es gebe ja in Deutschland auch eine Sportgerichtsbarkeit, die den Rechtsstaat nicht bedrohe, wendet jemand ein. Es entbrennt eine Diskussion über Sportrecht, die sich weit über Stammtischniveau erhebt. Auch das Restaurant, in dem der Kellner im weißen Hemd Salat mit Avocado- und Orangenstückchen serviert, hat kein Stammtisch-Ambiente. Die fünf Männer am Tisch tragen Hemden, die drei Frauen Kurzhaarfrisuren.

          Außenseiterrolle als Atheist

          Christopher ist mit seinen 29 Jahren mit Abstand der Jüngste. Er komme aus einem „erzkatholischen Dörfchen“, erzählt er. Irgendwann habe er erkannt: „Ich glaube das alles eigentlich gar nicht.“ Seine Mutter habe ihn gebeten, mit dem Kirchenaustritt bis nach dem Tod seines Großvaters zu warten. Der Geschichts- und Politikstudent möchte seinen Nachnamen nicht in der Zeitung lesen. Er sagt, die Rolle der Kirche im Arbeitsrecht sei „unter aller Kanone“.

          Martin Wagner hingegen wäre fast Priester geworden. „Dann kamen die Frauen dazwischen“, sagt er und lacht. Erst mit 40 Jahren sei er aus der Kirche ausgetreten. Auch wenn er nach eigenen Worten keine schlechten Erfahrungen gemacht hat in seiner Zeit als religiöser Mensch, kritisiert er die Bedeutung der Kirche in Deutschland. Er kenne kein anderes westliches Land, in dem der Staat die Kirchensteuer einziehe oder in dem es bekenntnisorientierten Religionsunterricht gebe.

          Gleichzeitig engagierten sich in der Entwicklungs- und Flüchtlingspolitik vor allem kirchliche Vereine. „Wieso sollen denn immer nur die Kirchen die Guten sein?“ Seine Tischnachbarin Charlotte Bender war nie religiös, schon als Kind nahm die 67 Jahre alte Rentnerin nicht am Religionsunterricht teil. Ihre Eltern ließen sie nicht taufen, damit sie selbst entscheiden könne, ob sie einer Religion beitreten wolle. Sie wollte nicht. Das war nicht immer leicht, wie sie sagt. „Man wird schon oft zum Außenseiter, wenn das zur Sprache kommt.“

          Die Apfelweinliebhaber

          „Frankfurter Drogenszene“, freitags um 18.30 Uhr in Apfelweinkneipen

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