14.01.2010 · Zumindest im Internet ist der Widerstand gegen die Schließung des Frankfurter Turmpalastes bestens organisiert. 4000 Mitglieder haben sich auf Facebook zusammengeschlossen und fordern den Erhalt des Kinos. Auch das English Theatre fordert den Erhalt.
Von Rainer SchulzeZumindest im Internet ist der Widerstand gegen die Schließung des Turmpalastes bestens organisiert. Fast 4000 Mitglieder haben sich in dem Internetportal Facebook zu zwei Gruppen zusammengeschlossen, die für den Erhalt des Kinos und gegen den Abriss des Gebäudes eintreten, in dem der Turmpalast, der in seinen Sälen ausschließlich Filme in Originalfassung zeigt, untergebracht ist. Viele Einträge künden von Abschiedsschmerz und schönen Erinnerungen an Kinomomente. Aber es beherrscht nicht nur Nostalgie diese Internetseiten. Einigen Autoren geht es stadtplanerisch ums Prinzipielle. „Das ist Frankfurt. Das Alte zerstören und Wolkenkratzer bauen. Ich muss mich übergeben“, schreibt ein Nutzer.
Da Investoren und Stadt für den Block zwischen Große Eschenheimer Straße, Bleichstraße und Stiftstraße eine Neuordnung planen, droht dem Turmpalast der Abriss. Das Kino schließt schon Ende Juni, da es nicht mehr den Brandschutzbestimmungen genügt. Dem Eigentümer des Apartmenthauses, in dem sich der Eingang zum Kino befindet, erscheint es aus mehreren Gründen nicht lohnenswert, das Gebäude aufwendig zu sanieren: Sein Erbpachtvertrag für die angrenzenden Gebäude läuft aus. Ferner hofft er, von einer neuen Bebauung zu profitieren.
„Bildungsangebot und für die englischsprachige Community“
Der Eigentümer und die Stadt sehen sich mit einer Protestwelle konfrontiert, die langsam institutionelle Züge annimmt. Der Leiter des English Theatre, Daniel Nicolai, etwa wünscht den Erhalt des Fremdsprachen-Kinos „als Bildungsangebot und für die englischsprachige Community“. Kay Mack, der die Proteste im Internet organisiert, geht es nicht nur um das Kino, sondern um das Gebäude-Ensemble und die Atmosphäre am Eschenheimer Turm. Der Architekt sieht in den Abrissplänen für den Turmpalast ein Beispiel für den unsensiblen Umgang mit alter Bausubstanz in Frankfurt. Die Stadt werde „totsaniert“, sagt Mack, der beruflich Kneipen, Restaurants und Diskotheken gestaltet. Er wendet sich gegen den in Frankfurt angeblich verbreiteten Hang, durch umfangreiche Sanierungen oder Abriss gewachsene Quartiere derart „aufzuwerten“, dass sie ihren Charme und ihre kleinteiligen Nutzungen einbüßten. „Der Turmpalast ist eine liebenswerte Off-Location, die noch nicht aseptisch endbehandelt und keimfrei ist“, so Mack.
Der Architekt und seine Mitstreiter sehen im Turmpalast einen „Identifikationsort“, den die Stadt erhalten müsse. „Wir brauchen das Alte als Standortbestimmung. Das Neue kann nur wirken, wenn ich das Alte erhalte.“ Stadtplanungsamtsleiter Dieter von Lüpke ist die Debatte vertraut: „Es ist die Frage, ob die Stadt Nischennutzungen mit planungspolitischen Mitteln konservieren muss.“
Abriss des Nitribitt-Hauses nicht zwingend notwendig
Die Abrissgegner hoffen darauf, dass es gelingt, die aus den fünfziger Jahren stammende Architektur zu erhalten. Für die Neugestaltung des Blocks ist es tatsächlich nicht zwingend notwendig, das Apartmenthaus und das benachbarte Nitribitt-Haus abzureißen. Architekt Dieter Köhler, der sich seit Jahren mit dem Grundstück beschäftigt, zufolge ist es möglich, den Block von der anderen Seite neu zu erschließen. „Eine Bebauung im hinteren Teil ist möglich, ohne die Nachbarn zu treffen.“ Die Kinosäle könnten im Neubau untergebracht werden, das alte Eingangsgebäude bliebe erhalten.
Die Chancen, das Apartmenthaus unter Denkmalschutz zu stellen, sind jedoch gering. Zwar hat der Architekt des Gebäudes, Wilhelm Berentzen, auch Fünziger-Jahre-Ikonen wie das Junior-Haus entworfen. Für Landesdenkmalpfleger Christoph Mohr ließe sich ein Denkmalschutz aber nicht begründen. „Vom architektonischen Wert her sehe ich nichts Erhaltenswertes. Ein volkstümlicher Erinnerungswert genügt nicht.“
Ende des Turmpalastes
Frank Bennsen (FrankBennsen)
- 14.01.2010, 18:02 Uhr
Ende des Turmpalast
Raymond Hartenstein (raymondhartenstein)
- 14.01.2010, 18:09 Uhr
Es ist ganz einfach
Susanne Ruitenberg (SusanneRuitenberg)
- 15.01.2010, 10:37 Uhr
Gegen eine Schließung des Kinos!
Claudia Schüßler (felida)
- 15.01.2010, 14:58 Uhr
Denk mal....
frank schlindwein (kochjacke)
- 16.01.2010, 12:56 Uhr