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Veröffentlicht: 16.07.2010, 09:04 Uhr

Frankfurter Innenstadt Wegen vieler Feste bleiben Brunnen trocken

Statt kühles Nass zu spenden, bleibt der Lucae-Brunnen vor der Alten Oper trocken. Die Reparatur zieht sich hin, weil sich ein Fest an das andere reiht. Anlieger der Frankfurter Innenstadtplätze beklagen sich.

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© Anna Jockisch So schön wie im vergangenen Sommer könnte es sein...

Am Mittwochabend stand im Becken des Lucae-Brunnens vor der Frankfurter Alten Oper endlich etwas Wasser. Allerdings stammte die dünne Schicht nicht aus der Fontäne des Brunnens, denn die ist schon vor Monaten versiegt. Der Himmel hatte seine Schleusen geöffnet.

Rainer Schulze Folgen:

Seit Wochen liegt der Brunnen trocken unter der Sonne und trägt gemeinsam mit den schon völlig vergilbten Mainuferwiesen dazu bei, dass sich mancher Frankfurter in diesen Tagen eher in der Wüsten-Metropole Abu Dhabi wähnt. Der 1985 nach einer Skizze des Opern-Architekten Richard Lucae errichtete Lucae-Brunnen ist undicht. Der Frost hat im Laufe der Jahre große Schäden hinterlassen, so dass das Wasserbecken für rund 75.000 Euro komplett neu abgedichtet werden muss.

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Veranstaltungen erschweren die Arbeit

Erst Ende September, wenn der Sommer schon vorbei ist, wird die Fontäne wieder sprudeln. Dass sich die Arbeiten so lange hinziehen, hängt nicht mit der Arbeitsmoral der Handwerker zusammen. „Die Veranstaltungen auf dem Opernplatz erschweren für uns die Arbeit“, sagt der stellvertretende Leiter des Hochbauamts, Gerhard Altmeyer. Die Buden stehen dann so eng, dass man den Platz nur noch im Slalom überqueren kann.

Lucae-Brunnen - Der Brunnen vor der Alten Oper ist seit Monaten defekt. © Frank Röth Vergrößern ...aber leider sprudelt der Brunnen vor der Alten Oper in Frankfurt derzeit nicht, der vielen Feste wegen

Weil auf dem Opernplatz ständig Feste gefeiert werden, können die Arbeiter keine dauerhafte Baustelle einrichten. Während des Opernplatzfestes ruhten vom 23. Juni bis 2. Juli die Abdichtungsarbeiten. In zehn Tagen, wenn das Kinderfest „Opernspiele“ beginnt, müssen die Handwerker schon wieder die Arbeit einstellen. Erst nach dem Ende der Veranstaltung können sie in der zweiten Augusthälfte die Arbeit fortsetzen. Das Hochbauamt schätzt den Aufwand auf „noch mindestens 15 Arbeitstage“.

Nicht nur auf dem Opernplatz müssen die Passanten zurzeit auf Wasserspiele verzichten. Auch der neue Sprudelbrunnen, der zu einer Hauptattraktion auf dem neu gestalteten, aber grauen Rathenauplatz in der Innenstadt werden sollte, wurde in diesem Jahr noch nicht eingeschaltet. Auf dem Platz jagt eine Veranstaltung die andere. Zunächst warb das „Null-Energie-Haus“ mehrere Wochen lang für den Umweltschutz. Anschließend blockierte die City-Arena, in der die WM-Spiele als Fußball-Kino übertragen wurden, die Öffnungen des Sprudelbrunnens. Aus dem für die Brunnen zuständigen Kulturdezernat heißt es, man werde den Brunnen nach der WM einschalten. Bislang ist der Rathenauplatz aber noch trocken.

„Stattdessen haben wir die Bierbörse“

Die hohe Frequenz, mit der die Innenstadtplätze blockiert werden, ist vor allem den Anwohnern ein Ärgernis. Besonders die Vielzahl von Veranstaltungen auf dem an den Rathenau- und den Goetheplatz grenzenden Roßmarkt steht in der Kritik: Bierbörse, Beach-Volleyball, Grüne-Soße-Festival, Fußball-Kino – die Liste ließe sich fortsetzen. Der Einzelhändler Christoph Andreas, der eine Kunsthandlung am Roßmarkt betreibt, hat sich gemeinsam mit 30 weiteren Anliegern mit einem Brief an die Oberbürgermeisterin gewandt, um für anspruchsvolle Veranstaltungen wie Konzerte oder Theateraufführungen zu werben. „Die schriftliche Antwort lautete sinngemäß, dafür finden wir keinen Sponsor. Stattdessen haben wir die Bierbörse“, sagt Andreas.

Die Anlieger wehren sich nicht gegen eine Belebung des öffentlichen Raums, haben allerdings Bedenken gegen Veranstaltungen mit allzu kommerziellem Charakter. Sie leiden unter dem Lärm und fürchten, dass die Publikumsströme für den Einzelhandel abreißen. „Es muss sich etwas ändern, sonst geht die gesamte Einzelhandelsstruktur in die Brüche“, sagt Kunsthändler Andreas.

Anzahl der Feste stark gestiegen

Das Konzept, das die Stadt zur Nutzung der Innenstadtplätze vor fünf Jahren erstellt hat, scheint längst überholt. Der zuständige Ortsbeirat hat jedenfalls den Eindruck, dass die Anzahl der Feste stark zugenommen hat, und berichtet von hohen Einbußen bei Gastronomen. Der Ortsbeirat möchte, dass der Magistrat das Konzept überarbeitet und Nachbarschaftsfesten, gemeinnützigen, kulturellen und sportlichen Veranstaltungen gegenüber kommerziellen Angeboten Vorrang gibt. „Eine Vielzahl von Festen, die sich trotz unterschiedlichen Mottos kaum unterscheiden, erwecken lediglich den Anschein von Beliebigkeit und sind nicht mehr anziehend“, schreibt der Ortsbeirat.

Verkehrsdezernent Lutz Sikorski (Die Grünen) bestätigt, dass die Zahl der Veranstaltungen auf dem Roßmarkt zugenommen hat und erklärt dies damit, dass die Zeil auf Wunsch der Stadtverordneten nicht mehr zur Verfügung stehe. „Wir wollen zwischen den Veranstaltungen mindestens einen Monat Pause haben, doch dann kam die Fußball-WM.“ Es sei ein steter Abwägungsprozess, welche Veranstaltungen genehmigt werden: „Das kann man nicht durch eine Satzung regeln.“

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Von Helmut Schwan

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