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Frankfurter Großprojekte Bekenntnisse der Bauherren in Zeiten der Krise

10.03.2009 ·  Die Wirtschaftskrise stellt Projektentwickler und andere Bauherren in Frankfurt vor enorme Herausforderungen. Stichwort: Kreditklemme. Doch es gibt auch Hoffnungsschimmer: Projekte wie der Büroturm T 185 zählen dazu.

Von Rainer Schulze
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Die Wirtschaftskrise stellt Projektentwickler und andere Bauherren in Frankfurt vor enorme Herausforderungen. Wegen der Kreditklemme auf dem Finanzmarkt droht bei einer Reihe von Bauvorhaben die schon sicher geglaubte Finanzierung wegzubrechen, die Investoren halten sich dieser Tage deshalb spürbar zurück. Doch es gibt auch Hoffnungsschimmer: Projekte wie der Büroturm T185 zählen dazu. Seine Finanzierung ist gesichert, und die Baugrube am Eingang zum Europaviertel ist schon ausgehoben. Nun hat der Bauherr, die Projektentwicklungsgesellschaft Vivico, auch einen Investor für den Hochbau gefunden. Bei anderen Bauvorhaben, die das Gesicht der Stadt maßgeblich verändern werden, geht es dagegen nur noch stockend voran.

T 185

Der Bauherr, die Projektentwicklungsgesellschaft Vivico, hat die kompletten Rohbauarbeiten an den Baukonzern Hochtief Construction vergeben. Der Essener Baukonzern baut den 185 Meter hohen Turm mit 50 Stockwerken an der Friedrich-Ebert-Anlage, er ist schon zu rund 60 Prozent an die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PriceWaterhouseCoopers vermietet. Ein Bankenkonsortium unter der Führung der Eurohypo AG investiert 254 Millionen Euro in den Bau. Außerdem sind die Finanzinstitute DG Hyp, Deutsche Hypo und RZB involviert. „Für Vivico zahlt sich die auf Nachhaltigkeit und Solidität ausgerichtete Projektentwicklung aus, denn solch hohe Finanzierungsaussagen sind heute nicht alltäglich“, sagt der Vorsitzende der Geschäftsführung, Bernhard Hansen. Mit dem Bau der Bodenplatte wird noch in dieser Woche begonnen. Ende 2011 soll der Bau des Turmes, der in dem umweltfreundlichen Standard „Leed“ gebaut wird, abgeschlossen sein.

Skyline Plaza

Nur wenige Meter vom T185 entfernt, plant die Vivico das sogenannte Skyline Plaza, ein Einkaufs- und Kongresszentrum im Europaviertel. Teil des Großprojekts ist ein 160 Meter hoher Hotelturm, für dessen Gestaltung in Kürze einige Büros zu einem Architekturwettbewerb eingeladen werden. Vivico wird in den nächsten Monaten aber noch nicht mit dem Bau beginnen. „Ich glaube nicht, dass wir in diesem Jahr anfangen können“, sagte ein Sprecher. Auch die Suche nach einem Betreiber des Kongresszentrums ist bisher erfolglos geblieben.

Mehrzweckhalle am Stadion

Der Bau der geplanten Mehrzweckhalle am Stadion droht ein Opfer der Wirtschaftskrise zu werden. Die Frist für die Abgabe der Angebote zur Errichtung der Multifunktionsarena endet am 31. März, doch Liegenschaftsamtsleiter Alfred Gangekl sagte auf Anfrage, er rechne nicht mehr damit, dass überhaupt ein Angebot eingehen werde. Bisher waren vier Unternehmen an Bau und Betrieb einer solchen, rund 12.000 Zuschauer fassenden Halle interessiert, unter anderen war die Commerzbank-Tochter Commerz Real dem 100-Millionen-Euro-Projekt zugeneigt. In der Immobilienbranche war jedoch immer wieder darauf hingewiesen worden, dass eine solche Halle kaum wirtschaftlich zu betreiben sei. Damit wird offenbar auch die Architektur des Büros Coop Himmelb(l)au in der Schublade verschwinden: Die Wiener hatten für Commerz Real und den Projektentwickler Rüdiger Schreiber einen Entwurf erarbeitet.

Hotel an der Alten Oper

Der Projektentwickler Joachim Stiller steht zum geplanten Fünf-Sterne-Hotel an der Alten Oper. Stiller Immobilien und ING Real Estate wollen auf dem Areal des bisherigen Umspannwerks der Mainova an der Hochstraße ein Luxushotel der obersten Kategorie errichten, das von der Kette Mandarin Oriental betrieben werden soll. Das neue Umspannwerk, das derzeit unter der Liesel-Christ-Anlage errichten wird, soll 2011 in Betrieb gehen. Mit der Mainova und der Stadt ist verhandelt, dass Stiller am 30. September 2011 das Grundstück bekommt. Dann wird das alte Umspannwerk zunächst abgebrochen. Am 1. April 2012 will der Projektentwickler frühestens mit dem Neubau beginnen, Ende 2014 soll er fertig sein. Die lange Planungszeit, die erst von Nachteil zu sein schien, gibt dem Projektentwickler nun die nötige Sicherheit. „Jetzt spricht die lange Zeitspanne eher für den Erfolg dieses Projekts. Ich gehe davon aus, dass sich die Wirtschaft bis dahin wieder berappelt hat“, sagte Stiller. Eine Bauvoranfrage sei im vergangenen Jahr postitiv beschieden worden.

Degussa-Gelände

Der Baubeginn zu dem Büro- und Wohnquartier Maintor, das auf der als Degussa-Gelände bekannten Fläche zwischen Karmeliterkloster und Schauspielhaus entsteht, verzögert sich um zwei bis drei Monate, da der Bebauungsplan später als beabsichtigt fertig geworden ist. Der Projektentwickler DIC kann erst mit dem Abriss der alten Gebäude beginnen, wenn im Spätherbst das Baurecht vorliegt. Sein Unternehmen stehe auch in Zeiten der Krise zu dem Vorhaben, sagte der Vorstandsvorsitzende Ulrich Höller. „Wenn die ersten Flächen auf den Markt kommen werden wir ein besseres Marktumfeld vorfinden.“ Dies wird voraussichtlich 2012 der Fall sein.

Kaiserkarree

Das geplante Hochhaus Taunusturm an dem als Kaiserkarree bekannten Standort im Bankenviertel gilt als heißer Zuwachskandidat für die Skyline. Die jüngste Äußerung des Planungsdezernenten, wonach es schon einen potentiellen Hauptmieter gibt, wollte der Leiter der Deutschland-Niederlassung des Bauherrn Tishman Speyer nicht kommentieren. Ihm zufolge sollen im Planungsausschuss der Stadtverordnetenversammlung am nächsten Montag die überabeiteten Pläne für den Büroturm vorgestellt werden. Der von dem Architekturbüro Gruber Kleine-Kraneburg entworfene Bau solle vor allem schlanker werden.

Museum der Weltkulturen

Nachdem sich die Fraktionen von CDU und Grünen darauf geeinigt haben, dass das Museum der Weltkulturen nun doch im Garten des bisherigen Standorts erweitert wird, soll nach Auskunft des Kulturdezernats Ende des Jahres ein begrenzt offener, einstufiger Realisierungswettbewerb ausgelobt werden. Die Teilnehmerzahl soll auf 50 Büros begrenzt werden. Frühestens 2015 wird der Neubau fertig sein.

Historisches Museum

Die derzeit andauernde Altbausanierung des Historischen Museums soll 2011 fertig sein. Anschließend soll auf Grundlage des Siegerentwurfs der Neubau errichtet werden, dessen Fertigstellung für 2012 bis 2013 vorgesehen ist.

Alte Brücke

Die für dieses Jahr geplante Sanierung und Verbreiterung der Alten Brücke von vier auf fünf Fahrspuren verzögert sich. Frühestens 2010 werde man mit der Grundsanierung beginnen können, sagte Verkehrsdezernent Lutz Sikorski (Die Grünen) gestern. Er begründet die Verzögerung mit der fehlenden Zusage über den Landeszuschuss. Die Sanierung der Pfeiler solle daher vorgezogen werden. Die voraussichtlichen Kosten für den Umbau der Alten Brücke sind auf 35 Millionen Euro gestiegen. Die Stadt hofft, dass die Landesregierung 60 Prozent der Kosten übernimmt. Noch in dieser Woche rechnet Sikorski mit einer Zusage aus Wiesbaden. Der Bau eines zweiten Brückenturms gegenüber der Kunsthalle Portikus soll mit der Sanierung verzahnt werden.

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Jahrgang 1978, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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