Drei Strumpfhosen haben sich Katja und Laura angezogen. Und einen zusätzlichen Pullover unter ihr Cheerleader-Outfit. In den nächsten fünf Stunden werden die beiden jungen Turnerinnen von der Eintracht dem nasskalten Wetter trotzen müssen – ob sie wollen oder nicht. Zusammen mit ihren Kolleginnen positionieren sie sich gerade auf dem Untermainkai. Dort herrscht am Vormittag hektische Betriebsamkeit: Traktoren und Lastwagen mit bunten Aufbauten werden durch die Gegend manövriert, dazwischen schiebt sich eine Gruppe junger Männer mit Gießkannen auf dem Kopf. Gardetruppen und Musikgruppen mit durchsichtigen Regenponchos über den Uniformen beziehen Formation, von überallher dröhnt Musik.
In einer halben Stunde soll es losgehen und sich der Fastnachtszug in Bewegung setzen. Sechs Kilometer werden Katja, Laura und die anderen Teilnehmer durch die Frankfurter Innenstadt marschieren und den Zuschauern am Straßenrand dabei unzählige Male ihr „Helau“ und Unmengen Knollen entgegenschleudern. Insgesamt sind es 6630 Fastnachter verteilt auf mehr als 240 Zugnummern, die sich pünktlich um 13.11 Uhr auf den Weg machen. An den Straßen entlang der Zugstrecke warten rund 300.000 Zuschauer, wie die Polizei später mitteilt. Fast ein Viertel weniger als im vergangenen Jahr, aber da war das Wetter auch deutlich besser.
Asiatische Touristen blättern verwirrt in ihren Reiseführern
Als es dann tatsächlich zu tröpfeln beginnt, fragt sich mancher, ob er den mitgebrachten Schirm nun als Regenschutz oder doch lieber zum Knollenfangen verwenden soll. Der guten Stimmung tut das schaurige Wetter am Stoltze-Platz jedenfalls keinen Abbruch. Ebenso wenig wie der Alleinunterhalter, der einen Fastnachtsgassenhauer nach dem anderen in sein Mikrofon schmettert und doch nicht verbergen kann, dass seine Darbietung vom Band kommt. Nur ein paar asiatische Touristen stehen sichtlich verwirrt inmitten der kostümierten Menge und blättern in ihren Reiseführern.
Spätestens als sich der erste Knollenregen über das Publikum am Straßenrand ergießt, gibt es für viele Kinder kein Halten mehr. Zwischen den Füßen der Erwachsenen findet sich auf dem Boden immer noch irgendwo etwas zum Lutschen. Die Bandbreite dessen, was von den Wagen in die Menge geschleudert wird, ist groß: vom Schlüsselband über Shampoo und Taschentücher bis zum Notizblock ist alles dabei. Wer da nur Bonbons und Schokolade wirft, hat es schwer beim verwöhnten Publikum.
Besonders zahlreich ist dieses auf dem Römerberg erschienen, nur dort kommt es zu Gedränge um die besten Plätze. Natürlich ist auch das Fernsehen da und bringt mit seinem Kabelsalat so manchen Guggenmusiker ins Stolpern. Auf der Tribüne steht die Oberbürgermeisterin. Skeptisch mustert Petra Roth ihr Ebenbild auf einem der vorbeirollenden Motivwagen. Und auch der Moderator muss zugeben, dass die Beine des Pappmaché-Stadtoberhauptes vielleicht ein bisschen kurz geraten sind.
Etwa zwei Stunden und ein paar hundert „Helaus“ später beschließt das Prinzenpaar das Spektakel. Dann ist es vorbei mit der Narretei, und übrig bleiben vom Konfettiregen weiße Straßen, schmutzig braune Luftschlangen und ein Gemisch aus zertretenen Bonbons und Glasscherben. Darum kümmert sich die Zugnummer 243: die Straßenreinigung.

