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Frankfurter Altstadt Möglichst viele Bürger sollen Bauherren werden

08.05.2007 ·  Die schwarz-grüne Koalition will für die Neubebauung des Altstadt-Areals möglichst viele Bürger als Bauherren gewinnen. Das bedeutet, dass ein einzelner Großinvestor ausdrücklich nicht erwünscht ist.

Von Matthias Alexander
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Die schwarz-grüne Koalition in Frankfurt will für die Neubebauung des Altstadt-Areals möglichst viele Bürger als Bauherren gewinnen. Das geht aus dem detaillierten Konzept hervor, das die planungspolitischen Experten von CDU und Grünen in den vergangenen Wochen ausgehandelt haben. Wie der CDU-Fraktionsvorsitzende Markus Frank gestern ankündigte, sollen die Vorstellungen der Fraktionen nun in den Entwurf einer Magistratsvorlage eingearbeitet werden. Diese könnte demnach noch vor der Sommerpause den Stadtverordneten zugehen.

Der Beschluss von CDU und Grüne bedeutet, dass ein einzelner Großinvestor ausdrücklich nicht erwünscht ist. Der historische Grundriss solle bei der geplanten kleinteiligen Parzellierung nach Möglichkeit wiederhergestellt werden, so Frank. Aus praktischen Erwägungen könne es aber notwendig sein, zwei Parzellen zusammenzulegen.

Vorbehalte im Fall des Rebstocks

Wie berichtet, sollen von der Stadt als Bauherrin nunmehr sieben Häuser originalgetreu rekonstruiert werden. Bisher waren die Goldene Waage, das Rote Haus, der Junge Esslinger und das Goldene Lämmchen ausersehen.

(Siehe: Sieben Altstadthäuser sollen rekonstruiert werden)

Nun sind noch der Alte Esslinger, das Haus Klein Nürnberg und der Rebstock hinzugekommen. Im Fall des Rebstocks steht der Beschluss allerdings noch unter Vorbehalt. Zunächst müsse geklärt werden, ob die Zufahrt zur Tiefgarage Römer umgebaut werden könne. Bisher führt sie von der Domstraße durch das Haus am Dom hindurch und dann an dessen Westseite entlang. Nur wenn es möglich sei, die Autos schon unter dem Haus am Dom unter der Erde verschwinden zu lassen, sei eine Rekonstruktion des Hauses Rebstock sinnvoll, heißt es aus Koalitionskreisen.

Auf den übrigen Parzellen sollen Neubauten entstehen, für die aber eine strenge Gestaltungssatzung gelten wird. Das bedeutet, dass den Architekten klare Vorgaben zu Materialien, Dachformen und Geschosszahlen gemacht werden. Um eine qualitativ anspruchsvolle Bebauung sicherzustellen, müssen für jede Parzelle mindestens zwei Entwürfe vorgelegt werden. Bewerben sich mehrere potentielle Bauherren um ein Grundstück, so kommt es automatisch zu einem „konkurrierenden Verfahren“. Interessiert sich nur ein Bauherr für eine Parzelle, so muss er mindestens zwei Vorschläge erarbeiten lassen. Ausdrücklich zulässig ist es auch für private Bauherren, historische Häuser zu rekonstruieren. Allerdings wird auch an sie der Anspruch gestellt, diese möglichst originalgetreu zu gestalten.

Altstadtbeirat soll Bebauung überwachen

Die Bebauung soll von einem Altstadtbeirat überwacht werden. Über die Frage, wer ihm angehören wird, ist noch nicht entschieden. Der Magistrat soll Vorschläge machen, über die dann die Stadtverordnetenversammlung entscheidet. Über den Umgang mit dem Archäologischen Garten soll ein Architektenwettbewerb entscheiden. Festgelegt wurde, dass die historischen Mauerreste öffentlich zugänglich bleiben sollen.

Was die Nutzung ihrer Erdgeschossflächen angeht, werden sich die Bauherren einem Quartiersmanagement fügen müssen. Die Koalition will für eine ansprechende Mischung aus Läden und Restaurants sorgen. „Die Einmaligkeit der Bebauung soll sich in den Geschäften spiegeln“, meinte Frank. Dem Vernehmen nach haben sich CDU und Grüne aber von der Vorstellung distanziert, möglichst nur inhabergeführte Läden zuzulassen und Ketten auszuschließen. „Wir haben auf allzu präzise Vorgaben verzichtet und wollen abwarten, was erfahrene Quartiersmanager vorschlagen“, hieß es aus den Fraktionen.

Kritik der SPD, Lob der Freien Wähler

Die Koalition habe immer noch kein klares Konzept für die Altstadt-Bebauung, bemängelte der SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus Oesterling. Darauf deute die Ankündigung hin, dass auch einzelne Bauherren Häuser originalgetreu rekonstruieren dürften – über jene sieben Gebäude hinaus, die die Stadt selbst wiederherstellen will. Bei dieser Regelung handele es sich offensichtlich um eine „Öffnungsklausel“, die die CDU den Grünen abgehandelt habe. Oesterling sagte voraus, dass die Debatte in dieser Frage weitergehen werde.

Die Freien Wähler (BFF) lobten dagegen den schwarz-grünen Kompromiss in einer Mitteilung. Mit diesem würden die eigenen Vorstellungen zur Gestaltung des Dom-Römer-Areals weitestgehend erfüllt. Nicht zuletzt der BFF-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Hübner hatte vor knapp zwei Jahren mit seinem Antrag, die ehemalige Altstadt möglichst weitgehend zu rekonstruieren, den Anstoß zu der seither geführten Debatte gegeben. Man werde wachsam verfolgen, wie die nicht für eine Rekonstruktion vorgesehenen Gebäude gestaltet würden, kündigten die Freien Wähler gestern an.

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Jahrgang 1968, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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