13.04.2010 · Nach dem Abriss des Technischen Rathauses in Frankfurt soll zuerst der Archäologische Garten überbaut werden. Es steht in Rede, zwei oder drei Häuser zu rekonstruieren, die bisher nicht genannt wurden. Nach jetzigem Planungsstand sollen sieben Häuser rekonstruiert werden.
Von Matthias AlexanderVon einem großen historischen Tag hat Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) gesprochen, nachdem sie gestern den symbolischen ersten Baggerbiss am Technischen Rathaus vorgenommen hat (Roth setzt „Baggerbiss“ in Technisches Rathaus: „Großer historischer Tag für Frankfurt“). Damit wird das Anfang der siebziger Jahre fertiggestellte Betongebäude an der Braubachstraße, das in den vergangenen Monaten entkernt wurde, nun auch äußerlich abgerissen. Bis November werden sich die Abbrucharbeiten nach Angaben der Dom-Römer GmbH hinziehen.
Roth hob in ihrer Rede hervor, dass der Abriss nicht als Kritik an den Politikern und Architekten der Nachkriegszeit verstanden werden solle. Die Bauten jener Zeit auf dem Gebiet der Altstadt seien als Reaktion auf die Zeit des Nationalsozialismus und auf die herrschende Wohnungsnot zu verstehen. Die heutige Generation, die in Wohlstand, Frieden und Demokratie aufgewachsen sei, habe nun einen anderen Blick auf die Geschichte. Das historische Herz Frankfurts, das die älteren Frankfurter vermisst hätten, versorgten die Jungen nun mit frischem Blut.
Grundwasser drückt nach oben
Das Technische Rathaus wird zunächst bis auf die Ebene des Haupteingangs abgetragen. Die Reste können beseitigt werden, sobald Klarheit über die künftige Bebauung besteht. Zwischen dem vollständigen Abriss und dem Beginn der Neubauarbeiten dürfen nur einige Monate liegen, da das Areal andernfalls vom Grundwasser aufgeschwemmt würde. Roth wollte sich nicht festlegen, wann die Neubebauung abgeschlossen werde. Sie wies darauf hin, dass man sich auf historischem Boden bewege. Da könne man immer auf Mauerreste stoßen, was zu Verzögerungen führe. Einer Aufstellung der Dom-Römer GmbH ist jedoch zu entnehmen, dass im März 2013 mit der Bebauung der 29 Parzellen begonnen werden soll, die durch den Abriss des Technischen Rathauses frei werden. Die Arbeiten sollen im Dezember 2015 abgeschlossen sein.
Zuvor soll der Archäologische Garten überbaut werden. Der Beginn der Arbeiten ist auf September 2011 terminiert. Das sogenannte Stadthaus, das dort entstehen soll, wird demnach im März 2013 eröffnet. Zur Überbauung des Archäologischen Gartens gehört auch die Häuserzeile, die südlich an den Krönungsweg anschließt. Sie wird im Osten, also zum Dom hin, von der Goldenen Waage beschlossen, im Westen, zum Römer hin, vom Roten Haus.
Zwei bis drei Rekonstruktionen mehr möglich
Michael Guntersdorf, Geschäftsführer der Dom-Römer GmbH, sagte, die künftige Position des Roten Hauses bereite den Planern noch einiges Kopfzerbrechen. Historisch sei es nach Süden und nach Osten in Häuserreihen eingebunden gewesen, die nun nicht wiederhergestellt würden. Dadurch gerate das Haus in eine exponierte Lage, die es nie gehabt habe. Die überarbeiteten Pläne für das Stadthaus sollen noch vor der Sommerpause vorliegen. Wie berichtet, sind die vier Preisträger des Wettbewerbs von der Stadt mit einer Überarbeitung beauftragt worden. Der Dom-Römer GmbH wurde inzwischen auch die Zuständigkeit für das Stadthausprojekt übertragen.
Wie Guntersdorf weiter mitteilte, wird der östliche Ausgang der U-Bahn-Station nicht in der Goldenen Waage plaziert. Man habe vielmehr beschlossen, Treppe und Rolltreppe im Erdgeschoss des gegenüberliegenden Hauses - also des Nachbargebäudes des Hauses am Dom - enden zu lassen. Der Geschäftsführer äußerte die Erwartung, dass zwei oder drei Häuser rekonstruiert werden könnten, die bisher noch nicht genannt worden seien. Nach jetzigem Planungsstand sollen sieben Häuser rekonstruiert werden. Für sechs Häuser liegt ein entsprechender Beschluss der Stadtverordneten vor, für das Haus Rebstock gibt es eine Absichtserklärung von Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU). In den Unterlagen der Dom-Römer GmbH ist das Haus Braubachstraße 21, der nördliche Nachbar des Hauses Rebstock, als weiterer Kandidat genannt. Fänden sich Investoren, könnten auch an der Zeile zwischen Rotem Haus und Goldener Waage weitere Häuser originalgetreu wieder aufgebaut werden.
Beton-Brutalismus als Antithese zur Architektur der NS-Zeit?
TOBIAS RÜGER (t.ruger)
- 13.04.2010, 21:48 Uhr
Matthias Alexander Jahrgang 1968, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
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