10.05.2007 · Die Frankfurter Skyline gehört zu den beliebtesten Fotomotiven in Deutschland, unter Amateurfotografen genauso wie bei den Profis. Das Wolkenkratzer-Festival 2007 bietet besondere Einblicke.
Von Matthias AlexanderFür diejenigen, die kein Ticket für den Besuch der Türme erhalten haben, stehen andere Wege in die Höhe offen. Man muss nur ein wenig Mut, Geduld oder Glück haben.
Die 80.000 Karten für die Fahrt auf die 15 teilnehmenden Hochhäuser waren in wenigen Stunden vergeben. Wer leer ausgegangen ist und dennoch hoch hinaus will, könnte sich beispielsweise zum Marriott-Hotel an der Messe aufmachen. Dort steht ein Aufzug des Unternehmens Alimak, der bis vor kurzem für Arbeiten auf dem Dach des 162-Meter-Turms genutzt wurde. An beiden Festival-Tagen steht der Lift mit Freiluftambiente den Besuchern zur Verfügung.
Seilbahn in der Nähe des Messeturms
Nicht ganz so hoch ist die Skyscraper-Seilbahn von Hit Radio FFH und Fraport am Hochhaus Kastor befestigt, ganz in der Nähe des Messeturms. Dafür müssen die Fahrgäste eine kleine Portion Mut mitbringen. Im einundzwanzigsten Stockwerk des Hochhauses beginnt die Fahrt in einer Gondel, die an einem 300 Meter langen Spezialstahlseil befestigt ist. Das Gefährt beschleunigt auf mehr als 100 Kilometer in der Stunde. Es ist die Premiere dieser neu entwickelten Seilbahn, die vom TÜV in einem Probelauf überprüft wurde. Sie ist dem Prinzip nach den Seilbahnen auf Kinderspielplätzen ähnlich. Fahrberechtigt sind in diesem Fall aber nur Erwachsene.
Den anstregendsten Weg auf eine Hochhausspitze bietet die GLL Property Management an, die den Messeturm betreibt. Am 13. Mai werden sich Einzelläufer und Unternehmensteams darin messen, wer die 61 Etagen des Messeturms zu Fuß am schnellsten bewältigt. 1344 Stufen oder 222 Höhenmeter sind zu bewältigen. Anmeldungen sind bis zum 10. Mai möglich. Die Startgebühren - 50 Euro für Einzelläufer, 500 Euro für Unternehmensteams mit jeweils fünf Athleten - kommen der Arbeitsgemeinschaft für Querschnittsgelähmte mit Spina bifida Rhein-Main-Nahe zugute.
Eigene Muskelkraft müssen auch die Benutzer des Vertibikes einsetzen. Am Gallileo, dem gläsernen Turm der Dresdner Bank an der Gallusanlage, geht es bis zu 30 Meter in die Höhe - wenn die Kräfte reichen. Mit einem Helium-Ballon können sich Besucher am Westend-Duo an der Bockenheimer Landstraße in die Höhe ziehen lassen.
Mit dem Kran in die Luft
Dem Himmel entgegen heißt die Devise auch für die Gäste des „Dinner in the sky“. Das amerikanische Immobilienunternehmen Tishman Speyer hat diese Attraktion zum ersten Mal nach Deutschland geholt. Dabei werden jeweils 22 Restaurantgäste in Spezialstühlen an einem großen Tisch Platz nehmen, der von einem Kran in luftige Höhen gezogen wird. Dort werden sie speisen und schon einmal den Ausblick genießen, der sich den Mietern des Opernturms in wenigen Jahren bieten wird. Denn auf der Baustelle des Opernturms gegenüber der Alten Oper findet die Aktion statt.
Auch an zwei Kränen können sich schwindelfreie Besucher des Wolkenkratzer-Festivals in die Höhe ziehen lassen. Auf dem Opernplatz steht ein Kran der BAM Service GmbH bereit. Der Verband Fenster und Fassade und das Unternehmen Express Interfracht laden zur Fahrt in einer Gondel zwischen Messeturm und Festhalle. Am Haken des siebenteiligen Teleskopauslegers eines fahrbaren 200-Tonnen-Krans wird es auf rund 70 Meter hinauf gehen - immerhin höher als die höchsten Häuser in den meisten deutschen Städten. In der Nähe wird auch ein Riesenrad stehen, für die Liebhaber traditionellerer Attraktionen.
Rund 800.000 Besucher, die den Parcours entlang der teilnehmenden Häuser vor sechs Jahren besuchten, sind Zeugen: Das Wolkenkratzer-Festival ist auch am Boden ein großes Volksfest. Ein Höhepunkt, den sich niemand entgehen lassen sollte, ist der Weltrekordversuch, den die Fallschirmspringer-Gruppe Hannes Kraft & Friends an beiden Tagen unternehmen will, günstige Witterungsbedingungen vorausgesetzt.
Springen können die Festival-Besucher an der Hauptwache. Dort wird mit 30 Tonnen Naturschnee eine Skisprungschanze aufgebaut. Mutige können sich spezielle Anzüge, Schuhe und Helme ausleihen, bevor sie ihr Talent auf der neun Meter hohen Anlage ausprobieren. Sie müssen sich zwar nicht dem Urteil einer Jury stellen, die Haltungsnoten vergibt, doch wird FFH-Moderator Kai Fischer die Sprünge kommentieren. Auch sonst herrscht kein Mangel an sportlichen Herausforderungen. Im „Bungee-Running“ gilt es die eigene Kraft gegen ein Gummiseil zu beweisen, im Hochseilgarten können die eigenen Kletterkünste erprobt werden. Wer es eher beschaulich mag, kann sich am Abbild der Skyline erfreuen, das auf dem Goetheplatz aus 120 Tonnen Sand hergestellt wird. Im Deutschen Filmmuseum am Schaumainkai werden die besten Wolkenkratzer-Filme gezeigt, am Messeturm werden Bilder von den schönsten Hochhäusern der Welt gezeigt.
Wer technisches Interesse mitbringt, kann sich in der Nähe des Trianon darüber informieren, wie Hochhäuser gebaut werden. Das Unternehmen Grund + Pfahlbau hat dort eine riesige Drehbohranlage aufgebaut. Besonders spektakulär werden die Einsätze eines SEK, dessen Mitglieder sich an beiden Tagen jeweils um 17 Uhr aus Hubschraubern auf den Turm A der Deutschen Bank abseilen werden.
Auch für Kinder wird einiges geboten. So kann sich der Nachwuchs an der Einmündung der Kaiserstraße in die Taunusanlage im Papierschwalben-Wettfliegen messen. Ebenfalls in der Taunusanlage, aber in Nähe des Opernplatzes, präsentiert der Abenteuerspielplatz Riederwald ein Spieleparadies für Kinder. Dass entlang des Wolkenkratzer-Parcours, der die 15 Hochhäuser miteinander verbindet, für Speisen und Getränke gesorgt ist, versteht sich von selbst. Streetbands werden auf dem Parcours für musikalische Unterhaltung sorgen. (ale.)
Matthias Alexander Jahrgang 1968, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
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