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Frankfurt Von der Haustür zur U-Bahn

01.05.2010 ·  Alle sollen bei der Verkehrsgesellschaft Frankfurt mitfahren können. Auch Menschen, die krank sind oder sich nicht trauen. Fahrgastbegleiter holen sie von Montag an ab und bringen sie zur Haltestelle.

Von Hans Riebsamen, Frankfurt
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Gehbehindert, Gips am Fuß, Angst vor dem Weg zur Haltestelle: Alten und Kranken, die in Frankfurt Busse oder Bahnen benutzen wollen, sich aber nicht recht trauen, wird von Montag an geholfen. Ein Anruf unter der Nummer 21 32 31 88 einen Tag zuvor genügt.

Zum vereinbarten Zeitpunkt klingelt ein Mitarbeiter der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) an der Tür, holt die betreffende Person ab, begleitet sie zur Haltestelle oder Station, hilft beim Fahrkartenkauf und begleitet den Kunden bis zum Ziel und später gegebenenfalls wieder zurück. Der neue Service ist unentgeltlich, der Fahrgast muss lediglich ein reguläres Ticket kaufen. Für Rollstuhlfahrer sind allerdings weiterhin die regulären Behinderten-Fahrdienste zuständig.

20 Fahrgastbegleiter

Fahrgast-Begleitung heißt dieses Angebot der VGF, und es stellt eine kleine Revolution im öffentlichen Nahverkehr da. Ein "neues Kapitel in der Verkehrspolitik", wie Verkehrsdezernent Lutz Sikorski (Die Grünen) sagt. Der Slogan der VGF "Alle fahren mit" gewinnt damit ein Stück mehr Wahrheit. Alle, so der Gedanke hinter dem Projekt, sollen in Frankfurt ein Recht auf Mobilität haben. Deshalb arbeiten VGF und Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) seit Jahren daran, die Hürden bei Bussen und Bahnen abzubauen und mit Aufzügen, behindertengerechten Fahrzeugen und Haltestellen ihr Netz barrierefrei zu machen. Der neue Begleitservice ist ein weiterer Schritt hin zu diesem Ziel.

Für die 20 Fahrgastbegleiter, die den neuen Service anbieten, stellt das Projekt darüber hinaus einen Schritt in eine neue berufliche Zukunft dar. Sie waren arbeitslos und haben auf diese Weise einen durchaus anspruchsvollen Job gefunden. Vermittelt hat sie das Rhein-Main Jobcenter, das dieses Vorhaben mitträgt und während der nächsten zweieinhalb Jahre mit fast 800.000 Euro unterstützt.

Eventuell auch Angebot in anderen Städten

Fahrgastbegleiter Jürgen Hälterlein, ein gelernter Kraftfahrzeug-Mechaniker, und seine 19 Kollegen sind in den vergangenen vier Wochen für ihre Arbeit geschult werden. Von Montag an werden sie mit einem Halbjahresvertrag regulär eingesetzt, danach werden sie für zwei Jahre vom Beschäftigungsträger Biwag übernommen, wobei das Jobcenter 75 Prozent des Gehalts übernimmt. Von dem während des ersten halben Jahres gezahlten Lohn kann laut Claudia Czernohorsky vom Jobcenter ein Alleinstehender leben, von der Bezahlung in den folgenden zwei Jahren auch eine sogenannte Bedarfsgemeinschaft. Die Fahrgastbegleiter gelten als reguläre Beschäftigte der Verkehrsgesellschaft und können sich bei internen Ausschreibungen für Stellen bewerben. Man erwarte, unter ihnen gute Mitarbeiter für eine Dauerbeschäftigung zu finden, hieß es bei der VGF.

Die Idee für das Projekt hatte Verkehrsplaner Bernd Wilde, der sich von Vorbildern in Berlin und Leipzig hat anregen lassen. Im Verkehrsdezernat, bei der VGF und dem Jobcenter stieß er auf Interesse. Auch der RMV beteiligte sich und stellt gemeinsam mit der VGF 150.000 Euro zur Verfügung. Sollte das Vorhaben sich bewähren, will der Verbund auch an anderen Orten im Rhein-Main-Gebiet Möglichkeiten eines Begleitdienstes ausloten. RMV und VGF erhoffen sich von dem Projekt eine festere Bindung auch älterer Fahrgäste an den öffentlichen Nahverkehr und neue Kunden für Busse und Bahnen.

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Jahrgang 1954, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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