30.04.2011 · Die umstrittene Diskothek U 60311 ist am Freitag vom Ordnungsamt vorübergehend geschlossen worden. Sicherheitsdezernent Volker Stein (FDP) begründete die Entscheidung unter anderem mit hygienerechtlichen Verstößen.
Von Katharina Iskandar und Matthias Alexander, FrankfurtDie umstrittene Frankfurter Diskothek U 60311, in der am Ostermontag ein Mann von Türstehern zu Tode geprügelt worden war, ist am Freitag vom Ordnungsamt vorübergehend geschlossen worden. Sicherheitsdezernent Volker Stein (FDP) begründete die Entscheidung mit hygienerechtlichen Verstößen sowie Verstößen gegen das Jugendschutz- und Nichtrauchergesetz. Bei einer Razzia, die Ordnungsamt und Polizei in der Nacht auf Freitag vornahmen, haben Lebensmittelkontrolleure unter anderem Rattenbefall festgestellt. Der Ausschank von Getränken wurde untersagt, die Besucher mussten das Lokal verlassen. Zudem sei entgegen den Bestimmungen des Nichtraucherschutzgesetzes in allen Räumen der Diskothek das Rauchen gestattet gewesen, hieß es weiter. Unter den rund 100 Gästen seien überdies mehrere Minderjährige angetroffen worden.
Der Betreiber reagierte noch am Freitag auf die festgestellten Mängel und ließ die Lokalität von einer professionellen Firma „reinigen“. Am späten Nachmittag wurde der Betrieb nach einer Kontrolle durch das Ordnungsamt wieder gestattet. „Die festgestellten Mängel werden sich sicherlich nicht positiv auf die Einschätzung der Zuverlässigkeit des Betreibers auswirken“, sagte Stein. In der nächsten Woche werde es ein weiteres Gespräch mit dem Betreiber geben. Darin soll geklärt werden, ob und gegebenenfalls unter welchen Auflagen die Konzession aufrecht erhalten werden könne.
Zwei Tage nach dem Tötungsdelikt wieder geöffnet
Stein will sich zudem mit der Landespolizei in Verbindung setzen, „um abzuklären, ob die in der Presse dargestellten Zustände in und um das U 60311 im Hinblick auf Gewalt und Drogen zutreffen“. Falls sich dies bestätigen sollte, will er neben den ordnungsrechtlichen Sanktionen in der Dezernentenrunde klären, ob der Vertrag des Liegenschaftsamtes mit dem Betreiber der Diskothek „nicht besser aufgehoben werden sollte“.
Unterdessen wird auch die Kritik aus der Bevölkerung an die Betreiber des U 60311 immer größer. Vor dem Eingang, an dem der bewusstlose Brite nach der Tat von den Türstehern einfach abgelegt worden war, haben Menschen Kerzen aufgestellt. Auf einem Zettel steht: „Gedenken sieht anders aus.“ Der Betreiber, die U 60311 Veranstaltungs- und Gastronomie GmbH, hatte schon zwei Tage nach dem Tötungsdelikt den Betrieb wieder aufgenommen.
Mehr Sorgfalt bei der Auswahl von Sicherheitskräften gefordert
Unverständnis äußerte auch der Bundesverband Deutscher Wach- und Sicherheitsunternehmen mit Sitz in Bad Homburg. „Es ist pietätlos, wenn ein Betrieb nach einer solchen Tat gleich wieder die Party steigen lässt“, sagte ein Sprecher. Der Verband fordert schon seit Jahren mehr Transparenz bei Sicherheitskräften, insbesondere in der Diskotheken-Szene. In allen anderen „konfliktgeneigten Arbeitsfeldern“ müsse das dienstleistende Personal eine Sachkundeprüfung der Industrie- und Handelskammer sowie eine einfache Ausführung des Bundeszentralregisters vorlegen, so der Sprecher. In der Club- und Diskotheken-Szene scheine es hingegen so, „dass sich das Sicherheitspersonal aus der Szene selbst heraus rekrutiert“. Der Verein fordere eine stärkere Sorgfalt bei der Auswahl von Sicherheitskräften. Ansonsten könne auch der Betreiber für Straftaten seines Personals haftbar gemacht werden. Es gebe viele seriöse Anbieter, die durch Vorfälle wie im U 60311 zu Unrecht ebenfalls in die Kritik gerieten.
Frank Albrecht, Präsident der Frankfurter Einzelhandelsverbands, hat am Freitag vorgeschlagen, die Diskothek zu einem Parkhaus für Fahrräder umzubauen. Es werde immer schwieriger, in der Innenstadt ein Fahrrad diebstahlsicher abzustellen. Dass diesem Missstand abgeholfen werde, sei auch im Interesse des Einzelhandelsverbandes. Wenn das unterirdische Gebäude als Fahrrad-Parkhaus genutzt werde, sei womöglich nur noch ein Zugangsgebäude notwendig. Umweltdezernentin Manuela Rottmann (Die Grünen) solle sich der Sache annehmen.
Matthias Alexander Jahrgang 1968, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
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