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Städtische Bühnen : Viel billiger als ein Neubau

Städtische Bühnen: Der ehemalige Frankfurter Baudezernent Hans-Erhard Haverkampf sagt, dass die Bühnen deutlich billiger zu sanieren seien. Bild: Frank Röth

Frankfurts früherer Baudezernent Hans-Erhard Haverkampf hat ein Konzept für die Sanierung der Städtischen Bühnen erstellt. Teil seiner Vorschläge ist ein Umzug der Technik in die Tiefgarage.

          Die Theaterdoppelanlage ist keineswegs marode, ihre Sanierung für etwa 130 Millionen Euro zu bewerkstelligen, die jüngst von einem Gremium aus Fachleuten vorgelegte Machbarkeitsstudie über die Städtischen Bühnen hingegen in vielen Punkten fehlerhaft: Zu diesen Schlussfolgerungen gelangt Hans-Erhard Haverkampf, der als Frankfurter Baudezernent von 1977 bis 1989 beispielsweise für den Wiederaufbau der Alten Oper und die Gestaltung des Museumsufers verantwortlich war. Er hat sich das vom Kulturdezernat in Auftrag gegebene Gutachten genau angeschaut und es in einer detaillierten Stellungnahme, die dieser Zeitung vorliegt, in vielerlei Hinsicht kommentiert, kritisiert und zu einzelnen Punkten Gegenvorschläge entwickelt. Die Fachleute waren zu dem Ergebnis gekommen, dass das Gebäude am Willy-Brandt-Platz, Domizil für die beiden Sparten Oper und Schauspiel, für etwa 900 Millionen Euro saniert werden muss. Oder aber abgerissen, um einem Neubau zu weichen, was ungefähr dasselbe kosten würde.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          Haverkampf nennt dies ein „Scheinszenario“, das dem Leser des Gutachtens die Neubauvariante letztlich als die einzig plausible nahelege. Der frühere Stadtrat schlägt dagegen eine Variante vor, bei der die Theaterdoppelanlage erhalten bleibt und nur die nach seiner Sicht wirklich notwendigen Sanierungsschritte unternommen werden, wobei er sich an der ursprünglichen Kostenprojektion der Kämmerei orientiert. Sie hatte vor ein paar Jahren 123 Millionen Euro für die Sanierung der Theaterdoppelanlage veranschlagt. Haverkampf hat seine Kompetenz etwa als Bauleiter bei der Errichtung der Musik- und Theaterhochschule in Rostock, des Deutschen Architekturzentrums in Berlin und als technischer Projektleiter beim Neubau des Bundeskanzleramts in der Hauptstadt unter Beweis gestellt. Seine Einschätzung der baulichen Situation der Städtischen Bühnen, so heißt es, habe er nicht aus freien Stücken verfasst, sondern im Auftrag eines Berufsverbandes.

          Die Verwaltung könnte ausgelagert werden

          In dem Papier führt er nicht nur aus, wie eine Erneuerung der Theater aussehen könnte, ohne die in der Machbarkeitsstudie genannten immensen Summen aufzuwenden, sondern auch, wie dies möglich wäre, ohne den Spielbetrieb nennenswert zu stören. Zum einen empfiehlt er, die Tiefgarage am Theater zu nutzen, um dort die gesamte zentrale Technik unterzubringen. Dafür müsste dort etwa ein Drittel der Parkplätze geopfert werden, für die aber in umliegenden Bürogebäuden Ersatz geschaffen werden könnte. Eine andere Überlegung ist, am Abend nur noch Theaterbesuchern die Einfahrt zu erlauben. Für sie wären dann genügend Parkmöglichkeiten vorhanden. Für die Technik wäre entweder das obere Geschoss reserviert oder aber ein abgeschlossener Teil der Tiefgarage über die bestehenden drei Geschosse hinweg. Über schon existierende Schächte könnte unter anderem die Klimatisierung der Theater von außen erfolgen.

          Hans-Erhard Haverkampf: Baudezernent in Frankfurt von 1977 bis 1989.
          Hans-Erhard Haverkampf: Baudezernent in Frankfurt von 1977 bis 1989. : Bild: Frank Röth

          Die Räume, die jetzt dafür gebraucht werden, fänden, würde dieses Modell realisiert, anderweitige Verwendung. Der Zugewinn an Fläche wäre immens, mit der Auslagerung der Technik würde ein allseits als unbefriedigend empfundener, unübersichtlicher und verschachtelter Zustand beendet. Der zweite Eckpfeiler in Haverkampfs Sanierungskonzept ist das Mieten oder der Kauf eines Teils des Gebäudes gegenüber der Südseite der Doppelanlage. Darin hat derzeit das Regionalcenter der Nassauischen Heimstätte seinen Sitz, an der die Stadt Frankfurt beteiligt ist. Dort soll nach Haverkampfs Vorstellungen die Verwaltung der Städtischen Bühnen einziehen. Eine Brücke über die Hofstraße, so die Idee, könnte die Theaterdoppelanlage mit dem Verwaltungsbau verbinden. Alternativ, heißt es in der Stellungnahme, könne man auch erwägen, die nach der Verlegung der Technik frei gewordenen Räume sowie solche, die durch einen Dachaufbau unterhalb der Hochhausgrenze entstehen könnten, für die verwaltungstechnischen Bedürfnisse der Bühnen bereitzustellen.

          Unnötige Vergrößerung der Bühnen

          Zu der mittlerweile auch von vielen Kommunalpolitikern als gegeben angenommenen „Bröckeligkeit“ der Theaterdoppelanlage bemerkt Haverkampf, nachdem er sich eingehend mit dem Gutachten auseinandergesetzt hat: „Die tragende Konstruktion der Theaterdoppelanlage weist insgesamt keine wesentlichen Mängel auf.“ Nicht mehr aufzuschieben sei allerdings die Neudeckung des Dachs. Die Nordfassade mit ihrer Verglasung könne in weitaus kürzerer Zeit als den in der Machbarkeitsstudie genannten zwölf Monaten saniert werden, dies sei auch während der Spielzeit möglich. Zahlreichen anderen von dem Gutachten als unbedingt nötig deklarierten Veränderungen erteilt Haverkampf eine Absage.

          So sei es nicht einzusehen, die Probenräume innerhalb der Theaterdoppelanlage einzurichten, statt sie an anderen Standorten in der Stadt zu belassen, wie dies bislang in Frankfurt und etlichen vergleichbaren Städten der Fall ist. Und warum der Flächenbedarf der Bühnentechnik laut Gutachten um 1032 Quadratmeter wachsen solle, sei schlicht nicht zu verstehen. Ebenso wenig bedürfe es einer Größenanpassung von Theatersälen und Bühnen.

          Quelle: F.A.Z.

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