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Trotz der Klimaschutzziele : Frankfurt setzt bis 2030 auf ein Kohlekraftwerk

Wird noch gebraucht: Heizwerk West in Frankfurt, betrieben mit Kohle Bild: Helmut Fricke

Trotz ihrer Klimaschutzziele hält die Stadt Frankfurt an einer alten Kohle-Anlage fest. Fossile Brennstoffe werden auch in Offenbach weiter genutzt.

          Alle reden über Kohlekraftwerke. Auch Frankfurt hat eines mitten in der Stadt, ebenso Offenbach. Beide Kraftwerke, die ihre Städte mit Strom, aber vor allem auch mit Wärme versorgen, werden noch über das Jahr 2020 hinaus den fossilen Brennstoff einsetzen. 2030 ist nach Ansicht der Frankfurter Stadtregierung und des städtischen Energieversorgers Mainova die erste Gelegenheit zum Ausstieg aus der Kohleverbrennung in der Mainmetropole. Dann läuft die Betriebsgenehmigung für das 1989 in der heutigen Form in Betrieb gegangene Heizkraftwerk West an der Gutleutstraße aus.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          In Offenbach könnte nach Angaben von Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) eine 2019 anstehende Grundrevision des Heizkraftwerks der Energieversorgung Offenbach Anlass geben, den Betrieb mit Kohle im nächsten Jahrzehnt „austrudeln zu lassen“, wie er sagt. Dabei sind es in Offenbach nicht nur klimapolitische Argumente, die die Stadt zum Handeln bewegen könnten, sondern Aspekte der Stadtentwicklung. Das für das Heizkraftwerk erforderliche Kohlelager mit seinem historischen Kran befindet sich am Hafen, also dort, wo gerade eines der attraktivsten Neubaugebiete Offenbachs entsteht. Der Umbau zum Beispiel zu einem mit Erdgas befeuerten Kraftwerk würde Grundstücke in exzellenter Lage freimachen. Für Schneider ist die Kohleverbrennung ohnehin eine „Technologie des vorletzten Jahrhunderts“. Wolle man den Planeten retten, so müsse „in einem Hightech-Land“ dieser Brennstoff ersetzt werden.

          „Wir brauchen ein kluges Szenario“

          „Man kann nicht mal schnell den Schalter so umlegen“, warnt dagegen der Frankfurter Stadtkämmerer Uwe Becker (CDU), der dem Aufsichtsrat der Mainova vorsitzt. Das Heizkraftwerk West mit seinen beiden turmhohen Blöcken sei eine hocheffiziente Anlage, die dem Industrie- und Wirtschaftsstandort Frankfurt Versorgungssicherheit biete und den Frankfurter Bürgern günstigen Strom und bezahlbare Wärme. Allein der Umbau von einem Kohle- auf ein Gaskraftwerk würde nach Angaben von Fachleuten die Mainova jährlich 20 Millionen Euro kosten. Becker rät deshalb, die Zeit bis 2030 zu nutzen, um zu Beginn des nächsten Jahrzehnts „unter Berücksichtigung aller Komponenten“ den Entscheidungsprozess für eine Umstellung zu beginnen. „Wir brauchen ein kluges Szenario“, sagt er, „und nicht blinde Eile“.

          Die Stadt Frankfurt hat allerdings mit dem Masterplan „100 Prozent Klimaschutz“ beschlossen, sich bis 2050 ausschließlich mit erneuerbaren Energien zu versorgen und Treibhausgase wie CO2 um 95 Prozent zu reduzieren. „Frankfurt setzt auf regenerative Energiequellen“, bekräftigt Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Die Grünen). Die Mainova müsse ihr Kohlekraftwerk „so schnell wie möglich, spätestens jedoch bis 2030 abschalten“, sagt sie.

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          „Es gibt noch keinen Stein der Weisen, wie es funktionieren kann“, heißt es beim Bund für Umwelt und Naturschutz. Der frühere Frankfurter Energiereferatsleiter Werner Neumann, heute Sprecher des Bundesarbeitskreises Energie des BUND, rät, „jetzt anzufangen nachzudenken“ und einen Stufenplan zu erarbeiten. Die Umstellung auf Erdgas könnte ein erster Schritt sein. „Das Kraftwerk zu ersetzen ist nicht einfach.“ Dabei ist die Stromversorgung Frankfurts, anders als man aufgrund der Stromausfälle in Wiesbaden meinen könnte, aus Sicht der Fachleute kein Thema. Strom könne über weite Entfernungen transportiert werden, anders als Wärme. Deshalb setzen alle Städte vermehrt auf Fernwärme, die aber dann möglichst nicht mit fossilen Brennstoffen erzeugt wird. Denn nur ein effektives Fernwärmenetz bietet langfristig die Möglichkeit, die Öl- und Gas-Heizungen in den Bestandsgebäuden zu ersetzt.

          In Frankfurt ist erst in diesem Spätsommer aus dem 290 Kilometer langen Fernwärmenetz ein Verbundsystem entstanden. Erzeugt wird die Wärme durch das Müllheizkraftwerk an der Grenze zur Nordweststadt, das Gaskraftwerk in Niederrad und eben das Kohlekraftwerk an der Gutleutstraße. Das Heizkraftwerk West produziert allein 40 Prozent der Frankfurter Fernwärme und damit, zumindest im Winter, mehr als das Müllheizkraftwerk. 20 000 Liegenschaften sind in Frankfurt ans Fernwärmenetz angeschlossen, darunter der Flughafen, die Goethe-Universität und die Stadtteile Riedberg und Nordweststadt.

          Auch mit heißem Dampf versorgt

          Das Besondere des Heizkraftwerks West ist, dass es nicht heißes Wasser für das Fernwärmenetz liefert, sondern die Innenstadt und damit die viel Wärme verbrauchenden Hochhäuser auch mit heißem Dampf versorgt. All dies müsste auch das neue Kraftwerk leisten.

          Mit Blick auf den Klimaschutz sei das Kohlekraftwerk „schon länger ein Dorn im Auge“, sagt Paul Fay vom Energiereferat. Allein die Umstellung auf Gas würde den CO2-Ausstoß der Stadt um fünf Prozent oder mehr als 400.000 Tonnen verringern. Das entspreche dem CO2-Aufkommen einer Kleinstadt mit 40.000 Einwohnern. Doch Fay weiß, dass dies nur einer von vielen Schritten ist, mit denen sich Frankfurt seinen Klimaschutzzielen nähert. Gleichzeitig dürfen die Kosten für Wärme nicht explodieren, damit die Stadt die Bürger bei der Energiewende weiter an ihrer Seite hat.

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