24.11.2009 · Der Riedberg, Deutschlands größtes Neubaugebiet für Wohnzwecke, wird die Stadt Frankfurt mehr Geld kosten als geplant. Aber ein Besuch dort zeigt, dass die Erschließung langsam Früchte trägt.
Von Martin GroppWährend sich draußen die Novemberwolken ausregnen, werden in der Sporthalle der Grundschule am Riedberg bunte Eier verteilt. Punkt 14.30 Uhr hat das Rugby-Training begonnen, und 26 Mädchen und Jungen rennen auf das Kommando ihres Trainers los, um sich ovale Rugby-Bälle zu schnappen. „Den Ball werft ihr jetzt hoch und klatscht dann mindestens fünfmal, bevor ihr ihn wieder auffangt“, ruft der Trainer gegen das Kindergeschrei an. Dann fliegen 26 Eier immer wieder in die Luft, drehen sich und fallen wieder runter. Dazwischen ist nur das Klatschen der Kinderhände zu hören.
Das Rugby-Training ist nur ein Anzeichen dafür, dass sich rund um den Riedberg in vielerlei Hinsicht etwas tut. Erst Ende vergangener Woche teilte der Magistrat mit, dass für die Erschließung des neuen Frankfurter Stadtteils nachträglich Mehrkosten von bis zu 150 Millionen Euro auf die Stadt zukommen könnten. Jenseits der Zahlen wird bei einem Rundgang über den Riedberg allerdings deutlich, dass dort langsam ein Stadtteil wächst und die derzeit rund 3000 Einwohner sich einrichten. Es gibt sogar schon eine Initiative „Kultur am Riedberg“, die Kabarettabende veranstaltet: Am nächsten Freitag besuchen „Die Superzwei“ das neue Stadtviertel, wie auf Plakaten an der Altenhöferallee zu lesen ist. Die „hessischen Musikkomödianten live und zum Anfassen“ werden dann die Aula der Riedberggrundschule bespielen.
Wohnungen im „Skyline 1“ verkauft
Nimmt man die Turnhalle der Grundschule als Gradmesser für diese fortschreitende Erschließung von innen, dann ist Riedberg schon ausgebucht: Dienstagabends veranstaltet die Niederurseler TSG Nordwest ihr Gymnastikprogramm „Body Conditioning für Frauen“ und direkt im Anschluss Fitness für Männer. Seit Ende Oktober läuft in der Turnhalle außerdem Skigymnastik und seit Mitte November Judo für Mädchen und Jungen ab acht Jahren.
Bei der Hessen Agentur Stadtentwicklungsgesellschaft heißt es, dass alle Hallenzeiten außerhalb des Unterrichts vergeben seien. „Und für die geplante Drei-Feld-Halle des Gymnasiums laufen die ersten Anfragen, wie die Halle auch von Vereinen genutzt werden kann“, sagt Norbert Landshut, der bei der Hessen Agentur das Projekt Riedberg leitet. Dabei wird die Sporthalle des Gymnasiums an der Altenhöferallee frühestens im Sommer 2011 fertiggestellt sein.
In einem der zahlreichen Informationsbüros der verschiedenen Bauträger ist es im Vergleich zum Gewusel in der Turnhalle recht ruhig. Zwar bläst der Herbststurm so heftig, dass er hin und wieder die Tür des Pavillons aufweht. Aber ansonsten hatte Verkaufsberater Franz Lindmaier einen ruhigen Vormittag. Obwohl die Listen an der Wand eine andere Sprache sprechen: Die Eigentumswohnungen im Haus mit dem verheißungsvollen Namen „Skyline 1“ sind verkauft, im „Skyline 2“ ist nur noch eine Wohnung frei. Das „Take 5“ wiederum ist auch schon voll besetzt. „Dieses Jahr lief es bei uns besser als im letzten“, sagt Lindmaier.
Unverbauter Blick auf die Skyline
Eine der Mieterinnen im „Take 5“ ist Petra Schoele. Sie war zuerst gar nicht begeistert von der Idee, auf den Riedberg zu ziehen. „Als es anfing mit der Bebauung, dachte ich: Hier ziehe ich nie im Leben hoch“, sagt die Frau, die bis Juni vergangenen Jahres in Bockenheim lebte. Sie und ihr Mann suchten erst einmal weiter in Innenstadtnähe nach einer Eigentumswohnung oder einem Haus. Als sie aber auch nach drei Jahren unentwegter Suche nichts fanden, fuhren sie doch noch auf den Riedberg.
„Es war Liebe auf den ersten Blick“, sagt Schoele. Besonders die Aussicht vom Berg hat es ihr angetan. „Einen unverbauten Blick auf die Frankfurter Skyline kriegt man nirgendwo sonst.“ So richtig lebenswert wurde der Stadtteil für die 57 Jahre alte Buchhändlerin aber erst im vergangenen Dezember, als das Riedberg-Zentrum mit zwei Supermärkten, einem Drogeriemarkt und mehreren Einzelhändlern eröffnete. „Seitdem ist der Stadtteil komplett“, findet Schoele. Auch für sie persönlich: Sie arbeitet in der Buchhandlung des Zentrums und kann jetzt zur Arbeit laufen.