26.10.2011 · Mit dem Ausbau der Ostumgehung soll auch der Lärmschutz für die Stadtteile Bornheim, Seckbach und Riederwald verbessert werden. Anwohner nennen die Maßnahmen aber unzureichend.
Von Bernd GüntherUm die Belastungen durch den Verkehrslärm der Autobahn 661 zu verringern, soll diese zwischen der Anschlussstelle Ost und der Anschlussstelle Friedberger Landstraße mit Flüsterasphalt versehen werden. Der offenporige Asphalt, der Abrollgeräusche der Fahrzeuge deutlich mindern soll, ist ein wesentlicher Teil des nachgebesserten Lärmschutzes im Rahmen des Ausbaus der A 661. Diese soll künftig acht Spuren und Anschluss an den zu bauenden Riederwaldtunnel bieten. Der Bund hat das sieben Millionen Euro teure Maßnahmenpaket bewilligt. Vertreter des Amts für Straßen und Verkehrswesen Frankfurt (ASV) stellten es nun im Ortsbeirat 11 (Fechenheim, Riederwald, Seckbach) vor; es umfasst zudem den Bau weiterer sowie die Erhöhung bestehender Lärmschutzwände.
Dieter Langer, der für den Lärmschutz zuständige Planer, sagte, am "Autobahndreieck Erlenbruch" sollten die Schutzwände der Verbindungsrampen zwischen der A 661 und A 66 nun vier statt 2,50 Meter hoch werden. Im Abschnitt des Autobahndreiecks solle die A 661 eine sechs Meter hohe und 350 Meter lange Wand erhalten, die den Riederwald vor Verkehrslärm schützen soll. Sechs statt drei Meter hoch werde auch der Lärmschutz am westlichen Portal des Riederwaldtunnels reichen. Zudem soll die Talbrücke der A 661 auf Bornheimer Seite eine 450 Meter lange und bis zur bestehenden Einhausung reichende Lärmschutzwand bekommen. Die 6,50 Meter hohe Wand werde ebenso über die Fahrbahn gekrümmt sein wie das Pendant auf Seckbacher Seite. Da auch die zwei auf dem Mittelstreifen der Talbrücke zu errichtenden Schutzwände über die Fahrbahnen ragen sollen, würden diese quasi eingehaust, sagte Langer.
Auf Bornheimer Seite in Richtung Norden soll bis zur Querung der Seckbacher Landstraße eine acht Meter hohe und 260 Meter lange Wand errichtet werden, die der Bund bezahlt. Wie auf Bornheimer Seite die Wohnsiedlung Atterberry vor dem Lärm geschützt werde, sei hingegen Sache der Stadt, sagte Langer. Er betonte, dass deren Planung für eine totale Einhausung der Autobahn mit großem Interesse verfolgt würde. Dass bis zur Anschlussstelle Friedberger Landstraße, also über die Seckbacher Landstraße hinaus, Flüsterasphalt vorgesehen ist, wurde von Bewohnern aus Atterberry gelobt.
Langer wies auf die Wirkung der geplanten Schutzmaßnahmen hin: Die Zahl von 1356 Wohnungen, für die in Bornheim und Seckbach mit dem bisherigen Schutz die Grenzwerte für die Lärmbelastung nicht hätten eingehalten werden können, würde auf 96 reduziert. Diese lägen vor allem in den oberen Stockwerken von Hochhäusern und seien schwer zu schützen. Im Riederwald wiederum wären statt 940 nur noch 370 Wohnungen von Grenzwertüberschreitungen betroffen.
Bewohner des Stadtteils bemängelten, dass die Zahl immer noch zu hoch sei; dabei merkten sie kritisch an, dass die stets als Ostumgehung bezeichnete A 661 tatsächlich eine Durchfahrung des Frankfurter Ostens sei. Mit dem Hinweis, "kein Tunnelgegner" zu sein, forderte der Sprecher des "Aktionsbündnisses Unmenschliche Autobahn", Friedhelm Ardelt-Theek, die vollständige Einhausung der Autobahn. Dass dies ein effektiver Schutz für die Stadtteile wäre, stellte der Vertreter des ASV nicht in Frage. Das Vorhaben sei jedoch wohl zu teuer.
Unterdessen ist für den Bau des Riederwaldtunnels mit Grundwasseruntersuchungen begonnen worden. Der Tunnel soll um sechs Meter nach Süden an die Häuser gerückt werden, um im Norden den Grünzug des Erlenbruchs zu erhalten. Der Hessische Verwaltungsgerichtshof hatte hier einer Klage des Bundes für Umwelt und Naturschutz stattgegeben.
Um zu verhindern, dass durch den bis zu zehn Meter tief liegenden Tunnel während und nach den Bauarbeiten der Grundwasserpegel verändert werde und es in der Folge zu Schäden an Gebäuden komme, werde ein Grundwassermodell erstellt, sagte Heiko Schmitt vom Amt für Straßen und Verkehrswesen. Erst dann könnte festgelegt werden, in welcher Reihenfolge die Abschnitte des 1,1 Kilometer langen Tunnels in offener Bauweise errichtet würden. Während der mehrjährigen Bauzeit werde der Bahn- und Autoverkehr nördlich der Tunnelbaustelle dort verlaufen, wo jetzt noch eine Kleingartenanlage ist. Die Baustraße werde entlang der Wohnbebauung des Erlenbruchs geführt. Die Ein- und Ausfahrt des Stadtteils Riederwald werde voraussichtlich im Osten nur über die Lahmeyerstraße und im Westen über die Rümelinstraße möglich sein, sagte Schmitt.
Nach seinen Angaben soll der Bau des Autobahndreiecks Erlenbruch Anfang 2013 beginnen und 2018 abgeschlossen sein. Der Riederwaldtunnel soll von 2014 und die Anschlussstelle Borsigallee von 2016 an errichtet werden. Im Jahr 2019 soll der Bau beendet sein. Schmitt wollte sich nicht darauf festlegen, in welchem Umfang eine neue Planfeststellung erforderlich sei. Dies werde derzeit geklärt. Zudem seien noch weitere Klagen vor dem Verwaltungsgerichtshof anhängig.
Lärmschutz an der A661 im Bereich der Siedlung Atterberry
Karl - Heinz Steiner (astilbe2003)
- 27.10.2011, 14:46 Uhr