Kleine, mit Stoffkissen bestückte Holzfässer stehen als Hocker um ein großes Fass herum, das, mit einer Glasplatte versehen, als Tisch dient. Hinter der Sitzgruppe schmückt eine Schatzkiste die Zimmerecke. Das Piratenzimmer des Kinderhotels in Niederrad besticht durch seine Liebe zum Detail. In der anderen Zimmerhälfte stehen zwei Einzelbetten, die wie kleine Segelschiffe aussehen. Über ihnen hängen blau-weiße Rettungsringe. „Die Rettungsringe hat sich mein achtjähriger Sohn gewünscht. Er half bei der Gestaltung des Zimmers mit und wählte auch die Betten aus“, berichtet Christiana Seimetz, Projektleiterin des Kinderhotels. Sie gestaltete zusammen mit Monika Maida die drei Hotelzimmer. Monika Maida leitet das Kinderhotel zusammen mit ihrem Ehemann Dieter. Außer dem Piratenzimmer bietet das Hotel seinen jungen Gästen noch ein Prinzessinnen- und ein Dschungelzimmer zum Übernachten an. Insgesamt stehen zwölf Betten bereit.
Die Idee für das Kinderhotel hatte Christiana Seimetz als sie – Mutter von vier Kindern – an einem Flughafen festhing und ihr Ehemann auch auf Geschäftsreise war. Sie überlegte, wie man solche Notsituationen für Eltern lösen könnte, und kam auf die Idee, ein Hotel für Kinder zu eröffnen. „Ich kenne solche Situationen zu Genüge“, sagt sie. „Ich komme ursprünglich aus Köln, und in großen Städten ist meist keine Oma da, die man mal schnell um die Beaufsichtigung der Kinder bitten kann.“ Es gebe zwar schon viele Hilfen für Familien, aber man könne noch mehr tun.
Auch für Privatpersonen
Christiana Seimetz arbeitet seit mehr als fünf Jahren bei der pme-Familienservice GmbH als Verantwortliche für die Notfallbetreuung. Der Familienservice bietet an 30 Standorten im deutschsprachigen Raum Einrichtungen und Programme für Mitarbeiter von Kundenfirmen, aber auch für Privatpersonen an, damit sie Familie und Beruf besser miteinander verbinden können und um im Notfall die Kinderbetreuung sicherzustellen.
„Wir haben zum Beispiel momentan drei Geschwister hier im Kinderhotel, deren Vater von seiner Firma nach Rumänien versetzt wurde“, berichtet Christiana Seimetz. „Und um der Mutter den Umzug zu erleichtern, sind die Kinder nun im Kinderhotel untergebracht.“
Nur für den Notfall
Die Übernachtung mit Abendessen und Frühstück kostet für ein Kind 85 Euro, für das zweite Kind müssen 55 Euro gezahlt werden, alle weiteren Kinder übernachten kostenfrei. „Damit Familien nicht mehr als 140 Euro pro Nacht zahlen müssen“, sagt die Projektleiterin. „Wir wollen kinderreiche Familien nicht bestrafen.“ Im Preis enthalten ist ein Shuttle-Service, der die Kinder abholt und auch wieder nach Hause bringt oder in den Kindergarten oder die Schule fährt. „Unser Ziel war es, eine Betreuung ohne Lücke zu schaffen, damit die Kinder zwischen ihrer Tageseinrichtung und dem Hotel nicht noch zwei, drei Stunden alleine sind.“
Am 26. Juni fand die offizielle Eröffnungsfeier statt. Aber schon am 1. Mai begann der Betrieb der Einrichtung mit der Fertigstellung des Piratenzimmers. Seitdem seien fünf bis sechs Kinder am Wochenende dort untergebracht. Das Kinderhotel solle laut Christiana Seimetz „keine riesengroße Sache“ werden, es solle nur für den Notfall bereitstehen. Deshalb hat es auch das ganze Jahr über geöffnet, auch an Feiertagen. Vier Mitarbeiter kümmern sich um die jungen Gäste, die im Alter von acht Wochen bis 14 Jahren kommen dürfen. „Die Realität zeigt aber, dass die Eltern ihre Kinder erst mit einem Alter von ungefähr viereinhalb Jahren hier abgeben“, sagt die Projektleiterin.
Käsekuchen schmeckt
Die Kinder seien immer erst einmal „überwältigt“ von den Zimmern des Hotels, erzählt Hotelleiterin Monika Maida. Zwei Stunden lang bekomme sie die jungen Gäste nach dem Einchecken nicht mehr zu Gesicht, weil diese auf Entdeckungstour gingen. „Wir setzen uns dann in die Nähe der Kinder und warten, bis sie uns brauchen.“ Die Räume, in denen das Kinderhotel untergebracht ist, waren früher Büros. Direkt an das Hotel angeschlossen ist eine Kindertagesstätte des pme-Familienservice, dessen Räume die jungen Gäste nutzen können. „Die Lage des Hotels ist sehr praktisch“, sagt Christiana Seimetz. „Von hier aus ist man mit Auto und öffentlichen Verkehrsmitteln sehr schnell in Frankfurt, und der Flughafen ist auch nicht weit.“
Ziel des Familienhotels sei es, den berufstätigen Eltern das Leben zu erleichtern, sagt Christiana Seimetz, damit sie Kinder und Beruf miteinander vereinbaren können. Den fünf Kindern, die sich gerade zusammen mit den Hotelangestellten zum Kaffeetrinken zusammengesetzt haben, scheint es im Hotel zu gefallen. Auf jeden Fall schmeckt der Käsekuchen.

