Die Bebauung der Frankfurter Altstadt soll bis Ende 2015 abgeschlossen sein. Das hat Michael Guntersdorf, Geschäftsführer der Dom-Römer-GmbH, am Mittwoch bei der Vorstellung der Siegerentwürfe für 27 Altstadtparzellen angekündigt. Das Preisgericht hat aus 190 Vorschlägen von Architekten 36 prämiert. Für 23 Parzellen gibt es eine eindeutige Empfehlung für einen einzelnen Entwurf, in zwei Fällen muss noch eine Entscheidung zwischen gleich eingestuften Entwürfen fallen. Laut Guntersdorf ist klar beabsichtigt, die Preisträger zum Zuge kommen zu lassen. Mit dem Bau der Häuser soll 2013 begonnen werden.
Allerdings sollen auf neun der 27 Parzellen historische Bauten rekonstruiert werden, falls sich ein Investor findet. Diese Rekonstruktionen haben nach dem Willen der schwarz-grünen Römerkoalition Vorrang vor den nun prämierten Neubauentwürfen. Für zwei Parzellen fand sich im Wettbewerb kein Entwurf, den die Jury für die Realisierung empfiehlt. Ob es in diesen beiden Fällen ein neues Verfahren geben werde, sei noch nicht klar, sagte Guntersdorf. Beide Parzellen sind prominent gelegen. Es handelt sich zum einen um das Haus „Drei Römer“, das eine Front zum Römerberg hin hat. Zum anderen geht es um das westliche Nachbargebäude der „Goldenen Waage“.
Oberbürgermeisterin zeigte sich begeistert
Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) zeigte sich bei der Vorstellung der ausgewählten Entwürfe darüber begeistert, dass es gelungen sei, Tradition und Moderne miteinander zu verbinden. Das Preisgericht habe darauf geachtet, dass sich die einzelnen Häuser zu Ensembles fügten. Erstmals gebe es nun eine klare Vorstellung davon, wie das Herzstück der Stadt aussehen könnte.
Nach Angaben von Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) wird der Sonderausschuss der Stadtverordnetenversammlung über das Wettbewerbsergebnis informiert werden. Anregungen aus diesem Gremium könnten bei der weiteren Bearbeitung aufgegriffen werden, ein formeller Beschluss der Stadtverordneten sei jedoch nicht vorgesehen. Die endgültige Entscheidung, welche Entwürfe ausgewählt würden, liege beim Aufsichtsrat der Dom-Römer-GmbH. Dem Preisgericht haben die Stadtverordneten Ulrich Baier (Die Grünen), Jochem Heumann (CDU), Brigitte Reifschneider-Groß (FDP) und Elke Sautner (SPD) angehört.
Hervorragendes Ergebnis
Die Käufer der Häuser, die im Lauf des Sommers ausgewählt werden sollen, könnten in Details möglicherweise Einfluss nehmen, sagte Guntersdorf. Das gelte jedoch nur, wenn sie ein ganzes Haus und nicht lediglich eine Wohnung erwürben. Die Grundlinien gebe die städtische Gesellschaft als Bauherr vor, stellte der Geschäftsführer klar. Durch die Überarbeitung der Entwürfe werde sich zudem noch einiges an deren Erscheinungsbild ändern. Laut Guntersdorf ist mit Preisen von rund 3300 Euro für den Quadratmeter Wohnfläche zu rechnen. Der zu zahlenden Erbbauzins werde moderat ausfallen.
Der Architekt Christoph Mäckler, der dem Preisgericht während der zweitägigen Sitzung vorgesessen hatte, sprach von einem hervorragenden Ergebnis. Für die Bewertung der Entwürfe habe die Gestaltung der Fassaden im Mittelpunkt gestanden, die Qualität der Grundrisse sei dahinter zurückgetreten. Weil die Teilnehmer sogenannte Reliefmodelle im Maßstab 1 : 20 hätten anfertigen müssen, sei die Qualität der Fassaden leicht zu überprüfen gewesen. Mäckler hob hervor, dass keine Retro-Architekturen entstanden seien, sondern zeitgenössische Entwürfe. Alle Teilnehmer hätten sich an die Vorgabe gehalten, einen Natursteinsockel vorzusehen. Nur ein Architekt habe nicht die geforderte Lochfassade geliefert.
Mäckler äußerte die Hoffnung, dass die Entwürfe für die Neubauten auch solche Kaufinteressenten für sich einnehmen könnten, die bisher mit einer der neun optionalen Rekonstruktionen geliebäugelt hätten. Dafür spreche auch, dass sie etwa hinsichtlich Belichtung und Deckenhöhe allen Komfort böten, den man heute von Wohngebäuden verlange. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Helmut Heuser hob dagegen hervor, dass die Rekonstruktion Vorrang haben werde.
27 von 35 Häusern modern = neue Altstadt?
Till Heinz (tillheinz)
- 24.03.2011, 15:56 Uhr

