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Frankfurt Nach Messerattacke auf Rabbiner: Belohnung verdoppelt

10.09.2007 ·  Nach dem Messerangriff auf einen Rabbiner in Frankfurt, der weltweit Wellen schlägt, sucht die Polizei weiter den Täter. Die Staatsanwaltschaft hat derweil die Belohnung für Hinweise auf den Messerstecher auf 4000 Euro verdoppelt.

Von Sonja Hartwig und Thorsten Winter
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Nach dem Messerangriff auf einen Rabbiner am Freitagabend in Frankfurt sucht die Polizei weiter nach dem Täter. Der Messerstecher war direkt nach der Attacke auf den Geistlichen der Jüdischen Gemeinde, der Verletzungen am erlitt und operiert werden musste, geflüchtet. Wie ein Polizeisprecher sagte, ist das Motiv des Messerstechers weiter unklar. „Scheiß-Jude, ich bringe dich um“, habe der Angreifer gerufen, bevor er dem jüdischen Geistlichen am Freitagabend ein Messer in den Bauch stieß, sagte Polizeisprecher Manfred Feist am Montag. Die Staatsanwaltschaft hat derweil die Belohnung für Hinweise auf den Täter auf 4000 Euro verdoppelt.

Allerdings gehe die Polizei nach den bisher ausgewerteten Zeugenaussagen von einer „spontanen, impulsiven Tat“ aus und nicht von einem länger geplanten Angriff auf den Rabbiner, der die traditionelle Kopfbedeckung jüdischer Männer, eine Kippa, trug. Die Tat hat am Wochenende in Deutschland und auch im Ausland große Bestürzung hervorgerufen.

Auch die „New York Times“ hakt nach

Nach Beschreibungen durch Zeugen hat die Frankfurter Polizei mit Unterstützung des Bundeskriminalamts ein Phantombild des Angreifers (siehe Foto) erstellt. Dieser soll etwa 20 bis 25 Jahre alt, schlank und 1,70 bis 1,75 Meter groß sein. Er trug eine Bluejeans, eine helle Jacke und einen gleichfarbigen Schal. Den Geistlichen soll er mit arabisch klingenden Worten angesprochen haben. Als der Geistliche freundlich nachgefragt habe, sei der 20 bis 30 Jahre alte Mann aggressiv geworden und habe „in Sekundenschnelle“ ein Messer gezogen und zugestochen, sagte Polizeisprecher Feist.

Die Polizei sucht außerdem die zwei Begleiterinnen des Täters, die schon während des Wortwechsels in verschiedene Richtungen weggelaufen waren. Über sie ist allerdings nur bekannt, dass eine von ihnen dunkelhaarig und die andere blond ist. Beide Frauen werden gebeten, sich als Zeuginnen zu melden. Wie der Sprecher weiter sagte, schlägt der Fall weltweit Wellen. So habe sich unter anderem die „New York Times“ nach dem Stand der Ermittlungen erkundigt.

„Täter darf nicht mit Bewährung davonkommen“

Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrats der Juden, bezeichnete den Überfall auf den Rabbiner, als besonders feige Tat: „Ich war schockiert und entsetzt.“ Sie forderte die Politiker aller Parteien auf, nicht nur Sonntagsreden zu halten, sondern zu handeln. „Es muss endlich Schluss mit Vorfällen dieser Art sein. Wenn man Juden hier haben will, dann muss man sie auch unterstützen.“ Knobloch verlangte, künftige potentielle Angreifer durch harte Strafen abzuschrecken. Der Täter dürfe nicht mit Bewährung davonkommen.

„Ich war sehr erschrocken, als ich von dem Überfall gehört habe“, sagte Salomon Korn, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Frankfurt. Bei seinem Besuch im Krankenhaus habe ihm der Rabbiner gesagt: „Nicht meine Wunde schmerzt mich, sondern dass ich mich 17 Jahre in Frankfurt wohl gefühlt habe.“ Der Überfall werde aber weder seine Einstellung zu Frankfurt noch die des Rabbiners ändern.

Korn verlangt Signal von islamischer Gemeinschaft

Die Tat sei das Ergebnis einer jahrelangen antisemitischen Propaganda, „das Produkt der Hassprediger“. Eine pauschale Schuldzuweisung wäre jedoch unfair: „Es war die Tat eines Einzelnen.“ Nach dem Stand der Ermittlungen deute alles auf eine zufällige Tat hin. Gleichwohl fordert Korn ein Signal von der islamischen Gemeinschaft. Sie dürfe „nicht das Wasser sein, in dem sich diese Fische bewegen, sonst besteht die Gefahr, dass es ganz schnell ein trübes Wasser wird“. Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) verurteilte die „verabscheuungswürdige Gewalttat“. Sie sei erschüttert, dass die Sicherheit auf der Straße gefährdet sei. Ministerpräsident Roland Koch (CDU) sprach von einer perfiden Tat. Die Frankfurter SPD äußerte ihre Bestürzung und ihr Entsetzen. Sie tritt dafür ein, besonders Anlass und Hintergrund der Tat zu klären.

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Jahrgang 1967, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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