12.04.2010 · Insgesamt hat der Anteil der Radfahrer seit 1998 von sechs auf heute 14 Prozent des Gesamtverkehrs zugenommen, während der Autoverkehr in den vergangenen zehn Jahren um sieben Prozent zurückging. Das birgt Chancen für die Stadtentwicklung.
Von Rainer Schulze, FrankfurtVor der Alten Oper wird es eng auf dem Frankfurter Asphalt. An der Einmündung der Bockenheimer Landstraße auf die Taunusanlage stauen sich im Feierabendverkehr mitunter 20 Radfahrer vor der Fahrradampel. Auch auf anderen Frankfurter Straßen wird gestrampelt und geklingelt, was das Zeug hält. Es kann passieren, dass auf den rettenden Verkehrsinseln kaum ein Platz mehr frei ist. Es ist nicht nur eine Frühjahrserscheinung, dass mit den Temperaturen das Aufkommen der Radfahrer steigt.
Insgesamt hat der Anteil der Radfahrer seit 1998 von sechs auf heute 14 Prozent des Gesamtverkehrs zugenommen, während der Autoverkehr in den vergangenen zehn Jahren um sieben Prozent zurückging. Die regelmäßigen Verkehrszählung an Orten wie den Brückenköpfen am Mainkai, am Polizeipräsidium oder an der Kreuzung von Berger und Höhenstraße haben ergeben, dass sich die Anzahl der Radfahrer zwischen 2004 und 2006 sogar verdoppelt hat.
„Für die Nutzung der öffentlichen Räume ergibt sich Potential“
Das von der Stadtverordneten für 2012 vorgegebene Ziel von 15 Prozent Fahrradanteil sei früher zu erreichen, glaubt Verkehrsdezernent Lutz Sikorski (Die Grünen). „Unser langfristiges Ziel lautet 20 Prozent“, sagt er. Sikorski spricht von einem seit vielen Jahren anhaltenden Trend: „Der Binnenverkehr mit dem Automobil nimmt kontinuierlich ab.“
Die Änderung der Verkehrsgewohnheiten wird nicht ohne Wirkung auf die Stadtentwicklung bleiben, glaubt Stadtplanungsamtsleiter Dieter von Lüpke. „Für die Nutzung der öffentlichen Räume ergibt sich Potential“, sagt er. Während andere Stadtplaner und Architekten aber schon von der Umwidmung von Parkflächen in öffentliche Plätze träumen, warnt Lüpke vor übereilten Schlüssen. „Ersatzlos Parkraum wegzunehmen, ist problematisch“, sagt er.
Fußgänger sollen neue Wege bekommen
Der Trend wirkt sich nämlich bislang nicht auf die Zahl der Zulassungen aus. Die Kraftfahrzeugdichte hat nicht im selben Maße abgenommen wie die Nutzung des Autos. „Da die Verfügbarkeit höher ist als die Inanspruchnahme, kann man nicht an den Parkraum gehen“, meint auch Sikorski. Im Jahr 2008 wurden 621 Kraftfahrzeuge je 1000 Einwohner gezählt. Durch den Anstieg der Einpersonenhaushalte verfügen 40 Prozent der Einwohner und 55 Prozent der Haushalte über ein Auto. Allerdings wird das Auto nur noch selten bewegt. Besonders im Nordend herrscht Parkplatzmangel. Lüpke erwägt daher, nur im Zusammenhang mit neu entstehenen Parkhäusern Parkraum umzuwidmen.
Im Rahmen des Innenstadtkonzepts, das derzeit erarbeitet wird, beschäftigt sich die Stadtplanung auch mit neuen Wegebeziehungen für Fußgänger. Lüpke möchte die schlecht ausgebauten Nord-Süd-Verbindungen zwischen der Innenstadt und dem Mainufer stärken. „Wir werden über neue Wege für Fußgänger nachdenken“, sagt er. Um eine bequemere Verbindung zwischen Katharinenkirche und Main zu schaffen, sollen die beiden mehrspurigen Kreuzungen von Kornmarkt mit Berliner Straße und Bethmannstraße zu einfachen rechtwinkligen Kreuzungen umgebaut werden. Lüpke ist wichtig, dass die Innenstadt weiterhin gut mit dem Auto erreichbar bleibt und er spricht sich gegen die Sperrungen von Straßen für den motorisierten Verkehr aus. Vor allem kleine, inhabergeführte Geschäfte profitierten von der guten Erreichbarkeit. „Es kommt darauf an, dass wir mit dem Straßenverkehr leben. Die Sperrung der Hauptwache bleibt eine Ausnahme.“
Realistisch und nicht ideologisch
Sikroski ist hingegen der Ansicht, dass nicht jede Innenstadtstraße für den Autoverkehr freigehalten werden muss. „Die Innenstadt sollte zunehmend als Stadtraum für Fußgänger erlebbar sein.“ Der Dezernent fühlt sich durch die reibungslose Sperrung der Hauptwache bestätigt. Vor allem die Seiten- und Querstraßen zur Zeil will er aufwerten. „Der reine Verkehr hat dort nichts zu suchen.“ Die Andienung müsse aber weiter problemlos möglich sein. Sikorski regt an, bestimmte Straßen etwa nur vormittags für den Verkehr zu öffnen.
Der Verkehrsdezernent wirbt dafür, die Verkehrsentwicklung „realistisch und nicht ideologisch“ zu betrachten. „Das ist kein Kreuzzug gegen Autofahrer“, sagt er. Auch Lüpke ist der Ansicht, dass sich die Gewohnheiten langsam ändern. „Die Verkehrsmittelwahl ändert sich, ohne dass darüber geredet wird. Das ist nicht gesteuert von der Politik.“
Sikorski ist sich sicher, dass es perspektivisch auch separate Radfahrstraßen im Stadtgebiet geben wird. Die Einrichtung eines neuen Fahrradweges sei jüngst nahezu unbemerkt geblieben. Auf der Flößerbrücke ist vor einigen Wochen eine Spur des Autoverkehrs weggenommen worden und eine Spur für Radfahrer hinzugekommen. „Es hat funktioniert“, sagt der Dezernent.
Radfahren auf der Zeil verbieten!
Zeh Haans (sonderhai)
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Dream in green
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Problem Berliner Straße
Claudia Schüßler (felida)
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