19.04.2011 · Eine für Mittwoch angekündigte Kundgebung des umstrittenen Predigers Pierre Vogel beschäftigt Stadt und Sicherheitsbehörden. Der Konvertit will am Abend an der Hauptwache eine Veranstaltung zum Thema „Islam, die missverstandene Religion“ abhalten.
Von Katharina Iskandar und Stefan ToepferEine für Mittwoch angekündigte Kundgebung des umstrittenen Predigers Pierre Vogel beschäftigt Stadt und Sicherheitsbehörden. Der Konvertit, der für seine islamistischen Ansichten bekannt ist, will am Abend an der Hauptwache eine Veranstaltung zum Thema „Islam, die missverstandene Religion“ abhalten. Als Gastredner ist der Jamaikaner Bilal Philips angekündigt, der in mehreren Ländern Einreiseverbot hat, weil er unter anderem die Todesstrafe für Homosexuelle rechtfertigt. Erwartet werden bis zu tausend Menschen – darunter radikale Muslime, aber auch zahlreiche Gegendemonstranten. Ob die Veranstaltung aber überhaupt stattfinden kann, blieb bis gestern Abend fraglich.
Wie aus dem Frankfurter Ordnungsamt zu hören war, wird der Antrag zur Kundgebung noch geprüft. Es habe ausführliche Gespräche zwischen Stadt, Polizei und Anmelder gegeben, die aber am späten Nachmittag ohne Ergebnis beendet worden seien, sagte ein Sprecher. Frühestens heute Mittag will die Behörde über den Antrag entscheiden. Falls kein Verbot zustande kommt, sind Auflagen denkbar, etwa eine Änderung des Demonstrationsortes. Statt der Hauptwache käme unter anderem das Rebstockgelände in Frage.
Veranstaltung würde genau beobachtet werden
Grundlage eines Verbots könnten die zu erwartenden Auseinandersetzungen zwischen den Islamisten und ihren Gegnern sein. Inzwischen haben sich mehrere Gruppierungen gemeldet, die sich ebenfalls beteiligen wollen, was die Polizei zusätzlich vor schwierige Aufgaben stellt. So will die NPD die Kundgebung Vogels nutzen, um generell gegen den Islam zu protestieren. Und auch die Autonome Antifa hat ihre Beteiligung angekündigt, weil sie „Kritik am religiösen Fundamentalismus“ üben will. Obwohl sowohl Rechts- als auch Linksextremisten in diesem Fall als Gegendemonstranten auftreten, schließt die Polizei nicht aus, dass es zwischen NPD und Antifa zu schweren Auseinandersetzungen am Rande der eigentlichen Kundgebung kommen kann. Für zusätzliches Konfliktpotential sorgen iranische Gruppen, die sich gegen die von Vogel und Philips tolerierte Steinigung von Frauen wenden. Ein Polizeisprecher sprach gestern von einer „ungewöhnlichen Gemengelage von sehr unterschiedlichen Gruppen, die es so noch nicht gegeben hat“.
Sollte unabhängig davon Vogel tatsächlich seine Kundgebung abhalten können, wäre das vor allem aus Sicht der Sicherheitsbehörden bedenklich. Innenminister Boris Rhein (CDU) kündigte an, die Veranstaltung genau zu beobachten. Salafistische Prediger wie Vogel trügen wesentlich zur Radikalisierung junger Muslime bei. Nach Angaben des Landesamtes für Verfassungsschutz wird Vogels Verein „Einladung zum Paradies“ verdächtigt, sich gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung zu richten, indem er diese zugunsten der Errichtung eines islamischen Gottesstaates in Deutschland beseitigen will.
Gefahr für den sozialen Frieden
Die Frankfurter Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg (Die Grünen) sagte, die islamistischen Missionsbestrebungen der Bewegung um Pierre Vogel und die von ihr verbreiteten Vorstellungen seien undemokratisch, frauenverachtend „und in ihrem Weltbild darauf angelegt, unsere Bevölkerung zu spalten“. Es gebe das Grundrecht auf Versammlungs- und Demonstrationsfreiheit, aber auch die Pflicht, „uns denen entgegenzustellen, die sich gegen unsere Werte und gegen unsere Demokratie wenden, gleich welcher Religion, Weltanschauung oder Nationalität“. Der CDU-Stadtverordnete Thomas Kirchner sagte, „unsere Innenstadt ist kein Aufmarschgebiet für religiöse Extremisten, die Unfrieden in unsere Gesellschaft tragen und damit die Integration der hier lebenden Muslime erheblich erschweren“. Philips sei nicht willkommen. Die Union behalte sich eine Anzeige wegen Volksverhetzung vor.
Der Frankfurter Rat der Religionen hat keine eigene Stellungnahme erarbeitet. Wie deren stellvertretender Vorsitzender Ünal Kaymakci jedoch sagte, gefährden Männer wie Vogel den sozialen Frieden, „weil sie bewusst polarisieren“. Laienprediger wie er stellten den Islam verzerrt dar. Vogel habe in den Moscheegemeinden aber keine Basis. Den Gemeinden hielt Kaymakci eine mangelhafte Jugendarbeit vor. Zu bedenken sei aber auch, dass eine Islamfeindlichkeit in Deutschland Gruppen wie denen um Vogel Zulauf verschaffe. Selcuk Dogruer, für den Ditib-Verband im Rat, äußerte, Männer wie Vogel seien nicht willkommen. Dogruer, Beauftragter des hessischen Ditib-Verbands für interreligiösen und -kulturellen Dialog, sagte, ein Islamischer Religionsunterricht an Schulen sei ein fruchtbringender Schritt, die Religion transparent zu vermitteln.
Wulff predigt doch immer, der Islam gehöre zu Deutschland.
Wilhelm Friedrich (WillyF)
- 19.04.2011, 09:25 Uhr
Toleranz
Günter Bedessem (chemieguenter)
- 19.04.2011, 10:39 Uhr
Salafisten
Ellen Wild (paultheodor)
- 19.04.2011, 11:14 Uhr
Islamische Hassprediger sind unerwunscht !!!
Peter Slater (Wales-Rhondda)
- 19.04.2011, 11:48 Uhr
Hier sind die Moscheengemeinden von Frankfurt gefragt, dagegen zu demonstrieren
Samuel Freund (Freund0123)
- 19.04.2011, 11:50 Uhr