15.04.2010 · Die Anmeldezahlen für den gymnasialen Bildungsgang sind abermals auf einen Rekord gestiegen. Die Schulen müssen immer mehr fünfte Klassen bilden. Ein zusätzliches Gymnasium ist trotzdem nicht geplant.
Von Matthias TrautschAls Thomas Mausbach Direktor des Heinrich-von-Gagern-Gymnasiums wurde, war die Schule dreizügig. Je Jahrgang drei Klassen - das war vor zehn Jahren eine normale Größe für ein Gymnasium. Doch die Beliebtheit der Schulform wuchs stetig, und dementsprechend entwickelte sich das altsprachliche Gymnasium am Zoo zur „stabilen Vierzügigkeit“, wie Mausbach sagt. Doch auch das reicht nun nicht mehr aus: Zum nächsten Schuljahr sollen das Gagern-Gymnasium und acht weitere Schulen mit gymnasialem Bildungsgang insgesamt neun zusätzliche Eingangsklassen bilden.
Schon in den vergangenen Jahren war die Zahl der Anmeldungen für die fünften Klassen auf Höchststände gestiegen. Das Staatliche Schulamt erwartet, dass die Übergangsquote von den Grundschulen auf die Gymnasien und die Gymnasialzweige der Kooperativen Gesamtschulen nun erstmals über 50 Prozent liegen wird. Schätzungsweise 2400 Frankfurter Viertklässler, mehr als je zuvor, sollen nach den Sommerferien auf eine dieser Schulen wechseln.
Um Plätze für alle zu schaffen, haben Staatliches Schulamt und Stadtschulamt entschieden, je eine zusätzliche fünfte Klasse am Heinrich-von-Gagern-Gymnasium, an der Bettinaschule, der Helene-Lange-Schule, der Liebigschule, der Wöhlerschule, der Otto-Hahn-Schule und der Schule am Ried einzurichten. Das Gymnasium Riedberg, das erst in diesem Schuljahr seinen Betrieb aufgenommen hat, soll zwei zusätzliche Klassen bilden. Dort wird dann, ebenso wie an der Liebig- und der Wöhlerschule, eine Stufe mit sechs Klassen geführt. Insgesamt gibt es in der Stadt vom nächsten Schuljahr an 86 Gymnasialklassen des fünften Jahrgangs.
Nach den Worten Dieter Sauerhoffs, der im Staatlichen Schulamt den Übergang in die fünften Klassen koordiniert, wird jedes Kind, dessen Eltern sich für den gymnasialen Bildungsgang entschieden haben, auch einen Platz an einem Gymnasium oder einer Kooperativen Gesamtschule bekommen. Dies bedeute jedoch keinen Anspruch auf eine bestimmte Schule.
„An Kapazität können wir nichts ändern“
Unter Umständen könne weder der Erst- noch der Zweit- oder Drittwunsch der Familie erfüllt werden, so Sauerhoff. Auch sei es möglich, dass Kinder trotz der Wahl eines Gymnasiums einen Platz im Gymnasialzweig einer Gesamtschule erhielten. Schulamtsleiterin Silvia Bouffier-Spindler wirbt um Verständnis: „Jedes Gymnasium hat nur eine bestimmte Kapazität, daran können wir nichts ändern.“ Im Übrigen gebe es in Frankfurt eine gute Verkehrsinfrastruktur, so dass auch Schulen zu erreichen seien, die nicht in nächster Nähe des Wohnort lägen.
In den nächsten Wochen wird darüber beraten, welche Schulen welche Kinder aufnehmen. Mitte Mai treffen die Schulen und die beteiligten Behörden die endgültige Entscheidung, danach werden die Eltern informiert. Dass es für die zusätzlichen Klassen nicht genügend Lehrer geben könnte, fürchtet Sauerhoff nicht. Er sei zuversichtlich, dass es dem Schulamt gelinge, die benötigten Pädagogen einzustellen.
„Das wäre ein Ding der Unmöglichkeit“
Um alle Schüler unterzubringen, müssen am Riedberg-Gymnasium zusätzliche Container aufgestellt werden. An den übrigen Schulen reiche der Platz für die zusätzlichen Klassen aber aus, sagt Martin Müller-Bialon, Referent von Bildungsdezernentin Jutta Ebeling (Die Grünen). Forderungen nach einem neuen Gymnasium wies er zurück. Die Stadt nehme an, dass durch die gymnasiale Schulzeitverkürzung in absehbarer Zeit eine Entspannung eintreten werde. Nachdem der letzte G9-Jahrgang 2014 Abitur gemacht habe, werde jedes Gymnasium eine Stufe weniger haben. Die freien Kapazitäten könnten dann für die stärkeren Jahrgänge genutzt werden.
Durchgehend fünf parallele Klassen kann sich Gagern-Direktor Mausbach für seine Schule aber nicht vorstellen: „Das wäre ein Ding der Unmöglichkeit.“ Schon die jetzige Erweiterung stelle die Schule vor „echte Raumprobleme“. So fehlten naturwissenschaftliche Fachräume. Zudem müssten für mehr Schüler auch mehr Lernmittel angeschafft werden, was im Budget nicht vorgesehen sei.
Mausbach stellt auch die grundsätzliche Frage, ob alle Schüler, die aufs Gymnasium geschickt würden, dafür geeignet seien. In Hessen können Eltern ihre Kinder auch gegen die Empfehlung der Grundschule an Gymnasien anmelden. Am Gagern-Gymnasium, das als anspruchsvoll gilt, ist der Anteil dieser Fälle gering, aber im Frankfurter Schnitt beträgt er acht, an einigen Gymnasien sogar 15 Prozent.