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Veröffentlicht: 13.06.2017, 16:07 Uhr

Frankfurt braucht Wohnraum Viele Hürden für neuen Stadtteil

Der Stadt Frankfurt mangelt es an Wohnungen. Deshalb will sich gen Westen ausdehnen. Dazu muss sich die Römer-Koalition aber mit den Nachbar-Kommunen einigen.

© F.A.Z.-Karte

Der neue Frankfurter Stadtteil, der nach einer Einigung der Römer-Koalition im Nordwesten zwischen dem Stadtteil Niederursel und der Nachbargemeinde Steinbach geplant wird, muss noch einige Hindernisse nehmen. Die Umwandlung in ein Neubaugebiet ist nach Einschätzung von Planungsfachleuten „kein Leichtläufer“. Andere sprechen von einem „herausfordernden Projekt“, zumal in der Region bisher der Planungsgrundsatz gegolten habe, keinen „Siedlungsbrei“ entstehen zu lassen, sondern planerisch darauf zu achten, jede einzelne Kommune optisch erkennbar zu halten.

Um für den neuen Stadtteil die planungsrechtlichen Grundlagen zu schaffen, sind Regionalverband und Regionalversammlung Südhessen gefordert. Denn der derzeit geltende Regionale Flächennutzungsplan sieht das Areal als regionalen Grünzug vor, und die Flächen sind als sogenannte Vorranggebiete Landwirtschaft ausgewiesen. Darüber hinaus gilt ein Teil der Flächen als Vorbehaltsgebiet für den Grundwasserschutz. Dem gesamten Areal werden zudem besondere Klimaschutzfunktionen bestätigt.

Erfahrene Kommunalpolitiker weisen darauf hin, dass die Entwicklung eines solchen Stadtteils nur im Konsens mit den Nachbarn möglich sei. Thomas Horn (CDU), Beigeordneter im Regionalverband, nennt die Verständigung mit den Nachbarn eine „Grundvoraussetzung“, um den Regionalen Flächennutzungsplan zu ändern, schließlich handele es sich um ein Vorhaben in einer seit langem nicht dagewesenen Dimension.

Gleichzeitig erkennt die Region allerdings auch an, dass Frankfurt einen neuen Stadtteil, ein Baugebiet auf der grünen Wiese braucht. „Das Projekt ist eine echte Herausforderung, aber auch ein notwendiges Projekt“, heißt es. Langfristig dürfte der neue Stadtteil daher nicht an der Zustimmung der regionalen Gremien scheitern, zumal der Regionalverband wie auch die Regionalversammlung derzeit von einer großen Koalition geführt werden.

Unterdessen ist der Vorschlag der schwarz-rot-grünen Koalition von der Opposition im Römer überwiegend wohlwollend aufgenommen worden. Die FDP-Fraktionsvorsitzende Annette Rinn hält den Plan für den neuen Stadtteil „grundsätzlich für keine dumme Idee“. Und Eyup Yilmaz, planungspolitischer Sprecher der Linkspartei, hob hervor, dass es wichtig sei, günstigen Wohnraum zu schaffen und die Bürger am Entwicklungsprozess zu beteiligen.

Wie die FDP will die Linke nicht, dass der neue Stadtteil ein zweiter Riedberg wird. Yilmaz sagte, die Stadt solle die Erfahrungen aus diesem Quartier nutzen, um Fehler bei der Gestaltung des neuen Gebiets zu vermeiden. So befürwortet er etwa die Idee des Planungsdezernenten, zuerst die Infrastruktur zu bauen, bevor die Menschen in den Stadtteil ziehen. Nur die BFF-Fraktion teilte gestern mit, sie halte die Fläche, die in der Mitte von der Autobahn 5 geteilt wird, für unpassend. Zum einen würden fruchtbare Böden versiegelt. Zum anderen werde die Bebauung des Areals die Verbindungslinie zwischen Taunusrücken und Stadtmitte unterbrechen und so die Frischluftzufuhr für die Stadt verschlechtern.

Als Problem werten FDP und Linke den Lärmschutz – die A 5 ist eine der meistbefahrenen Autobahnen in Deutschland. Als die Koalition das Projekt vorstellte, war sie noch unsicher, wie die Autobahn, die auf acht Spuren ausgebaut werden soll, in den neuen Stadtteil eingebunden und zugleich eine zu hohe Lärmbelastung vermieden wird. Eine Einhausung sei keine Option, sagte Planungsdezernent Mike Josef (SPD).

Auch Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Die Grünen) lobte die Wahl des Standorts für den neuen Stadtteil. Auf dieser Fläche die Bebauung weiterzuentwickeln sei „eine gute Idee“. Zwar rücke die Stadt damit bis dicht an die Vordertaunuskommunen heran, doch langfristig gebe es ohnehin nur noch die Möglichkeit, gemeinsam mit den Nachbarn Wohn- und Gewerbegebiete zu entwickeln, Frankfurt habe zu wenig Fläche, das Stadtgebiet sei so groß wie das Erfurts.

Eine stärkere Verdichtung innerhalb der vorhandenen Bebauung brächte die wichtigen innerstädtischen Grünflächen „in Bedrängnis“, so Heilig. Langfristig werde ohnehin nicht mehr von Frankfurt und einzelnen Kommunen die Rede sein, vielmehr werde man von einer einzigen Region Frankfurt/Rhein-Main sprechen, „auch wenn die Bürgermeister dies so nicht gerne hören“.

Große Bedenken wegen der sich ergebenden Verkehrsfragen äußerten die Vorsteher der unmittelbar an das potentielle Neubaugebiet angrenzenden Frankfurter Ortsbezirke. Um zu verhindern, dass die bestehenden Stadtteile durch weitere Autofahrten belastet würden, sollte ihrer Meinung nach die Autobahn 5 in Höhe des geplanten Baugebiets eine neue Anschlussstelle erhalten. Die A 5 werde ohnehin ausgebaut, dann könne dies gleich mit realisiert werden, meint der für Praunheim zuständige stellvertretende Ortsvorsteher Veljko Vuksanovic (CDU).

Klaus Nattrodt (CDU) vom Ortsbeirat Niederursel favorisiert den „vollständigen Bau“ der Ortsumfahrung Praunheim als Erschließungsstraße für das neue Viertel. Allerdings müsste die Straße dann, wie in den siebziger Jahren geplant, durch die Nordweststadt bis zur Rosa-Luxemburg-Straße geführt werden. Dem stünde aber entgegen, dass die dafür einst vorgesehene Trasse mittlerweile mit der Europäischen Schule bebaut sei.

Beide Ortsvorsteher halten neue Fahrgastprognosen für die Regionaltangente West für notwendig. Nattrodt meint, womöglich könnte mit dem neuen Stadtteil der Bau weiterer Haltestellen doch wirtschaftlich bewertet werden.

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Von Jacqueline Vogt

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