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Frankfurt Banken mit neuen Heimatgefühlen

29.05.2008 ·  Kreditinstitute bekennen sich wieder zu Frankfurt. Sie stellen Mitarbeiter ein oder übernehmen Patenschaften für Hörsäle. Außerdem wird jetzt das House of Finance eröffnet.

Von Tim Kanning
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Die Liste der Förderer ist lang, sie liest sich wie ein Who’s who der Frankfurter Finanzwelt. Die Europäische Zentralbank und die Deutsche Börse stellen Mitarbeiter bereit, die DZ-Bank und die Commerzbank haben Patenschaften für Hörsäle übernommen und sie hervorragend ausgestattet, die Deutsche Bank stellt obendrein noch zehn Großrechner zur Verfügung – so weit ein kleiner Ausschnitt. Das House of Finance, das morgen eröffnet wird, bietet vom Wintersemester an für Lehre und Forschung der Goethe-Universität ein bestens ausgestattetes Gebäude, das zu einem großen Teil von Banken und anderen Unternehmen finanziert wurde und wird.

Beweggründe für so viel Engagement dürften sicher die Imagepflege und der Zugang zu gutem Nachwuchs sein, doch auch ein drittes Ziel ist den Sponsoren zugutezuhalten: die Aufwertung des Standorts Frankfurt. Die Bündelung der finanzwissenschaftlichen Forschung in einem Haus, das nach außen hin das deutsche Zentrum seines Metiers darstellen will, macht aus einer Stadt mit vielen Banken einen Cluster. Die Vorteile einer solchen wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Konzentration für die Unternehmen einer Region sind unbestritten.

Frankfurt international zu größerem Gewicht verhelfen

Günter Tallner, Geschäftsführer Firmenkunden der Frankfurter Commerzbank-Niederlassung, fasste sie jüngst zusammen: „Gute junge Leute kommen hierher, sehen, Frankfurt ist gar nicht so übel wie sein Ruf, und schon haben wir Weltklasseleute in unseren Hochhäusern sitzen.“ Solche Weltklasseleute sind im globalen Wettkampf der Metropolen schließlich immer schwieriger zu finden und zu halten. Diese Herausforderung dürfte ein Grund dafür sein, warum sich die Banken am Main derzeit zusammenraufen wie lange nicht.

Starten sie doch gleichzeitig noch einen neuen Anlauf zu einem gemeinsamen Finanzplatz-Marketing. Unter dem Titel „Frankfurt Main Finance“ versuchen mehrere Frankfurter Banken gemeinsam unter Federführung der Landesregierung, der Stadt auch international zu größerem Gewicht zu verhelfen. Vor allem im Vergleich zu London und Paris ist Frankfurt beim Lobbying zum Beispiel in Brüssel noch recht unauffällig.

Börse-Chef Francioni: „Der Finanzplatz wird Frankfurt bleiben.“

Der Anlauf ist zwar nicht der erste, es spricht aber einiges dafür, dass er diesmal erfolgreich sein wird. Einige Häuser haben bereits fest zugesagt, die Initiative mit jeweils 100.000 Euro zu unterstützen. Bei einigen anderen wird über die endgültige Zusage noch beraten. So kann das Konzept der Initiative zwar noch nicht – wie ursprünglich geplant – zur Eröffnung des House of Finance vorgestellt werden. Aber mehrere Beteiligte sehen in der Verzögerung eher einen Beleg für als gegen die Erfolgschancen des Projektes. Sie zeige, dass die Beteiligten diesmal ernsthaft ein schlüssiges Konzept ausarbeiten wollten, hinter dem alle stünden.

So gibt der Finanzplatz mit einem Mal ein ganz anderes Bild ab als noch vor wenigen Jahren, als befürchtet werden musste, die Deutsche Bank oder auch die Börse wanderten nach London ab. Von dieser Bedrohung ist derzeit keine Rede. Dass die Börse nun nach Eschborn zieht, verteidigte ihr Chef Reto Francioni auf der Hauptversammlung vorige Woche mit den Worten: „Der Finanzplatz wird Frankfurt bleiben.“

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück kommt zur Eröffnung

Einen Vorgeschmack, welches Gewicht das House of Finance bekommen könnte, bietet schon die Rednerliste der Eröffnungsfeier. Neben Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) und Bundesbankpräsident Axel Weber ist der ehemalige Präsident der Weltbank, James Wolfensohn, angekündigt. Die Fahne für die Frankfurter Bankenlandschaft wird Friedrich von Metzler hochhalten. Das Ziel, das der Geschäftsführer des House of Finance, Paul Bernd Spahn, der Institution gesetzt hat, ist ehrgeizig und strotzt vor Selbstbewusstsein: „Wenn es sich erst mal herumgesprochen hat, wird niemand, der in die deutsche Finanzwelt möchte, mehr an dem House of Finance und Frankfurt vorbeikommen.“

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Jahrgang 1982, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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