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Veröffentlicht: 28.06.2017, 12:01 Uhr

Frankfurt Bahnhofsviertelnacht diesmal ohne Bordell-Führungen

Die Stadt Frankfurt will keine Werbung für die Prostitution machen und hat die Bordellführungen aus dem Programm der Bahnhofsviertelnacht gestrichen. Der Prostituierten-Verein „Doña Carmen“ kritisiert die Entscheidung.

von , Frankfurt
© dpa Frauen nicht dem Voyeurismus aussetzen: Bordell-Führungen sind in diesem Jahr nicht mehr Teil des Programms der Bahnhofsviertelnacht.

Erstmals wird es in diesem Jahr in der Frankfurter Bahnhofsviertelnacht keine Bordell-Führungen geben. Das teilte das Amt für Kommunikation und Stadtmarketing gestern mit. Wie der kommissarische Leiter der Öffentlichkeitsarbeit, Thomas Waldherr, dieser Zeitung sagte, hat man „aus den Erfahrungen des vergangenen Jahres gelernt“. Mit der Bahnhofsviertelnacht am 17. August gebe die Stadt „auch ein Statement ab, wie das Viertel gesehen werden soll. Natürlich ist die Prostitution Teil des Bahnhofsviertels, aber es gehört nicht zur Aufgabe der Stadt, für dieses Gewerbe mittels Führungen zu werben. Wir wollen die Frauen nicht dem Voyeurismus aussetzen.“ 2016 hatte die offizielle Broschüre der Stadt, die von der Tourismus- und Congress GmbH vorgestellt worden war, „Empfehlungen“ für diverse Bordelle und Laufhäuser enthalten; darunter waren auch solche, deren Betreiber Mitglieder der Hells Angels sind.

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Daraufhin hatte es Proteste gegeben. Schließlich war die Broschüre noch vor der Bahnhofsviertelnacht zurückgezogen worden. Waldherr sagte, die Entscheidung für den Verzicht in diesem Jahr sei gemeinsam mit dem Frauenreferat getroffen worden. Der Leiter des Amtes für Kommunikation und Stadtmarketing, Tarkan Akman, habe den betreffenden Einrichtungen ein Schreiben geschickt, in dem der Beschluss begründet worden sei. In einem Brief heißt es, dass es „sowohl im offiziellen kulturellen Veranstaltungsprogramm“ als auch in den entsprechenden Veröffentlichungen „keinerlei Werbung für die Prostitution und/oder Führungen in entsprechenden Einrichtungen“ geben werde. „Unter Einbeziehung städtischer Stellen wie Stadtpolizei und Frauenreferat haben wir uns dazu entschieden, unsere Haltung dazu unmissverständlich klarzustellen.“

Bordellführungen waren beliebt

Der Verein „Doña Carmen“, dem schon seit Jahren eine gewisse Nähe zu den Bordellbetreibern nachgesagt wird und der bisher solche Führungen angeboten hatte, äußerte sich gestern empört über die Entscheidung der Stadt. Er argumentierte, vor allem die Bordellführungen seien „ein beliebter Programmpunkt“ gewesen, „der stets von Hunderten von Frauen angenommen wurde“. Der Verein selbst sei ein „Publikumsmagnet, mit dem die Stadt Frankfurt sich gerne geschmückt hat, wenn es darum ging, sich als liberale Stadt zu vermarkten“. Eine Bahnhofsviertelnacht „ohne die Frauen aus der Sexarbeit, die im Viertel den nach wie größten Wirtschaftszweig repräsentieren“, sei eine „Lachnummer für die gesamte Republik“ und „eine Karikatur auf das vielbeschworene liberale Frankfurt und Ausdruck neuer Spießigkeit und Verlogenheit“.

Waldherr sagte, die Kritik des Prostituierten-Vereins sei der Stadt bekannt. „Wenn Doña Carmen in anderer Weise das Thema Prostitution aufgreifen möchte, etwa in Form von kritischen Diskussionen, wird man sie nicht daran hindern.“ Mit ausgelöst hatte die Debatte über „Prostitutions-Werbung“ zur Bahnhofsviertelnacht im vergangenen Jahr der Fotograf und Vorsitzende des Gewerbevereins im Bahnhofsviertel, Ulrich Mattner. Seit Jahren bietet auch er, sozusagen als Privatunternehmer, Führungen in Bordellen an. Die umstrittene Broschüre hatte er damals mitgestaltet. Die Stadt distanziert sich nun von ihm. „Wenn Herr Mattner weiterhin seine Führungen anbieten will, kann er das tun“, so Waldherr. „Aber er wird nicht offizieller Bestandteil des städtischen Programms sein.“

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