Unweit der Hanauer Landstraße, in Höhe des Oberhafens, östlich des Ratswegkreisels und der Autobahn 661 soll in den nächsten fünf bis acht Jahren ein neuer "Büro- und Forschungspark Oberhafen" mit dem Schwerpunkt auf Biotechnologie- und Pharmaunternehmen entstehen. Das hat am Montag die Eigentümerin, die Metallgesellschaft Vermögensverwaltungs AG (MG VV) bei der Präsentation ihres Vorhabens mitgeteilt. Das Areal umfaßt mehr als 60000 Quadratmeter und war vormals von der Degussa AG genutzt worden. Wie MG-VV-Vorstandssprecher Michael Guntersdorf mitteilte, schätzt er das Investitionsvolumen für den Forschungspark auf 100 Millionen Euro, geplant seien rund 3000 Arbeitsplätze.
"Der Standort hat die Frankfurter Adresse, aber Preise wie im Umland", warb Guntersdorf und lobte die "hervorragende Zusammenarbeit mit der Stadt Frankfurt". Wirtschaftsdezernent Nikolaus Burggraf (CDU) bezeichnete die geplante Umstrukturierung des Areals im historischen Hafengebiet als "besondere Chance". Die Stadt werde das Vorhaben aktiv begleiten, denn dort werde ein für Unternehmen attraktives Preissegment geboten. Im übrigen habe die Stadt eine lange Tradition als Chemiestandort. Burggraf zeigte sich darüber hinaus zufrieden, daß auf dem Areal nicht - wie sonst üblich in Frankfurt - ausschließlich Dienstleister angesiedelt werden sollen, sondern Produzenten. Dem Stadtrat zufolge sind in Frankfurt 85 Prozent der Unternehmen Dienstleister.
Neben Burggraf nahmen an der Präsentation der Leiter der Frankfurter Wirtschaftsförderung, Hartmut Schwesinger, sowie Vertreter von Unternehmen teil, die sich im Entwicklungspark niederlassen werden. Etwa die Firma Miltenyi, ein Unternehmen mit 650 Mitarbeitern aus Bergisch Gladbach, das in der Zellforschung aktiv ist und in Frankfurt Arzneimittel herstellen will. "Wir hoffen, daß die Baugenehmigung schnell erteilt wird und wir nicht sechs Monate warten müssen", sagte Miltenyi-Geschäftsführer Rainer Knaus zu den städtischen Vertretern. Gleichzeitig kritisierte er, daß andernorts durch Zuschüsse etwa für Gründerzentren die Ansiedlungen mittlerer Unternehmen stärker als in Frankfurt gefördert werden. Weiter sei der Oberhafen nicht ausreichend an den öffentlichen Nahverkehr angebunden. Es fehlten Anschlüsse an das U- oder S-Bahn-Netz. "Wir glauben daran, daß die nordmainische S-Bahn kommt", betonte Burggraf. Er machte den künftigen Mietern jedoch wenig Hoffnung, daß sich an der Situation des öffentlichen Nahverkehrs am Oberhafen "in den nächsten fünf Jahren etwas verbessern wird". Allerdings seien Änderungen in der Verkehrsführung sowie bei der Anbindung an die Autobahn denkbar. "Wir haben hier einen akzeptablen Standort", sagte Burggraf an die Adresse der Unternehmer, "und wir möchten Sie hier halten." Doch Fördermöglichkeiten, wie sie andere Zentren bieten könnten, entweder durch Landes- oder EU-Programme, habe das Rhein-Main-Gebiet nicht.
Schwesinger machte weiter deutlich, daß es nicht Politik der Stadt Frankfurt sei, Unternehmensansiedlungen finanziell zu unterstützen. Die Stadt investiere in die Infrastruktur und werde vielleicht auch einmal in der Lage sein, die Gewerbesteuer zu senken. Denn durch eine Bezuschussung würde Frankfurt der Konkurrenz etwa durch das Frankfurter Innovationszentrum Biotechnologie, das am Riedberg für knapp 20Millionen Euro neu bauen wird, oder durch Infraserv, dem Industrieparkbetreiber in Höchst, nicht gerecht. Ziel der Stadt sei es dagegen, Frankfurt als Biotechnologie-Standort auszubauen.
Weitere Mieter im neuen "Büro- und Forschungspark Oberhafen" sind derzeit die Zentaris, ein Frankfurter Unternehmen, das Arzneimittel gegen Krebs herstellt und Anfang 2005 einen Neubau auf dem Gelände beziehen wird, die Asta Medica, ein Tochterunternehmen der Degussa, sowie das aus der Degussa-Gruppe hervorgegangene IT-Unternehmen Its.on. Mit seinen 700 Mitarbeitern betreibt Its.on nicht nur das globale Rechenzentrum des Konzerns, sondern will überdies im Büropark ein lokales Netzwerk sowie PC-Betreuung anbieten. Auf dem Areal sollen nach dem Willen des Investors auch Restaurants, Kneipen und Einkaufsmöglichkeiten entstehen. (mch.)

