Einen Tag nach dem Terroralarm in London hat sich der Verkehr am Frankfurter Flughafen weitgehend normalisiert. Trotz verstärkter Kontrollen des Handgepäcks von Fluggästen kam es am Freitag nur zu kleineren Verzögerungen beim Einchecken an den Schaltern der Fluggesellschaften Lufthansa und British Airways. Fraport-Sprecher Wolfgang Schwalm sagte: „Der Gesamtverkehr läuft normal. Trotz Wartezeiten an den Schaltern von 30 bis 60 Minuten kommt es aber nicht zu Abflugverzögerungen der Airlines.“ Die Betreibergesellschaft hatte in der Nacht zum Freitag das Sicherheitspersonal verstärkt, machte aber keine Angaben über die Zahl der zusätzlich eingesetzten Mitarbeiter.
Lufthansa-Sprecher Michael Lamberty beklagte, daß „in der Öffentlichkeit aufgrund unterschiedlicher Meldungen Verwirrung bei den Fluggästen herrscht“. Fakt sei, daß bei Flügen von Frankfurt nach Großbritannien Passagiere wie bisher ihr Handgepäck mit sich führen könnten. Personen, die von Großbritannien nach Frankfurt flögen, „dürfen in ihrem Handgepäck nur ihren Paß, Portemonnaie und Schlüssel mit sich führen, jedoch keine elektronischen Geräte wie Wecker, Mobiltelefone oder Autoschlüssel mit elektronischem Chip. Zudem sollten sie das Handgepäck in möglichst durchsichtigen Plastiktüten mit sich führen“, sagte Anja Barghoorn, Sprecherin von British Airways. Bei Flügen in die Vereinigten Staaten dürfen die Fluggäste keine Flüssigkeiten wie Getränke, Shampoos oder Cremes mehr im Handgepäck mitführen. Diese Regelung betrifft auch Transitpassagiere, die ihren Flug über Großbritannien in die Vereinigten Staaten fortsetzen.
Wegen der Sicherheitskontrollen kam es am Freitag an den Schaltern der Lufthansa zu Wartezeiten von bis zu 60 Minuten. Die meisten Fluggäste reagierten allerdings so gelassen wie die 63 Jahre alte Ursula Ramsey aus Boston. Sie wartete rund 45 Minuten, hatte sich aber zuvor über die Wartezeiten bei der Lufthansa informiert. Von ihrem Mann in Boston habe sie erfahren, daß keine Flüssigkeiten mehr mit an Bord gebracht werden dürften, sagte sie und fügte hinzu: „Ich bin nicht genervt, im Gegenteil. Ich habe volles Verständnis für die Sicherheitsvorkehrungen. Man will ja schließlich auch in Boston ankommen.“
Kaum Stornierungen
Frankfurter Reisende läßt die Situation in Großbritannien offenbar ziemlich kalt: Die Reisebüros registrieren nur vereinzelt Anrufe besorgter Kunden wegen Flügen nach England. Umbuchungen oder Stornierungen sind nach Auskunft mehrerer Reisebüros die Ausnahme. Selbst im Frankfurter Büro der British Travel Company, das ausschließlich Reisen nach Großbritannien anbietet, haben sich nach Angaben der Leiterin Kerstin Tegtmeyer weniger als ein Prozent der Kunden gemeldet. Diese hätten sich aber nur erkundigt, wie sie sich verhalten sollten. Umbuchen habe niemand gewollt. Verunsicherte Fluggäste haben sich auch bei DER an der Hauptwache gemeldet. „Es sind schon Ängste da“, sagt Mitarbeiterin Daniela Birkenbach. Am Freitag habe sich etwa eine Kundin aus London gemeldet, die auf keinen Fall mehr habe fliegen wollen. Andere Stornierungen seien ihr aber nicht bekannt, so Birkenbach. In der Regel nähmen die Leute in solchen Situationen die Anbieter genauer unter die Lupe und überlegten, ob sie sich einem Billigflieger oder einer namhaften Gesellschaft anvertrauen sollten.
Im Reisebüro First an der Saalburger Straße hat Mitarbeiterin Tania Cavacas zufolge kein Kunde Angst wegen der Gefahr durch den Terrorismus gezeigt. Ihren Kunden bereiteten eher die Buschfeuer in Portugal Sorgen. Keine Panik, aber doch einige vorsichtige Reaktionen beobachtete Christian Frederking vom Last-Minute-Anbieter L'TUR: In seinem Büro an der Zeil hätten „auf jeden Fall weniger Kunden Reisen in englische Städte, vor allem London“, verlangt. Zudem hätten bisher drei bis vier Kunden statt bei British Airways lieber bei einer anderen Gesellschaft gebucht. Frederking schätzt, daß diese Vorsicht noch zwei bis drei Wochen andauern werde.
Der Sprecherin der Lufthansa, Amelie Lorenz, dagegen ist nicht bekannt, daß bestimmte Ziele gemieden werden. Auch die Zahl der Fluggäste sei konstant. Ähnlich sieht das Andrea Probst: Von massenhaften Stornierungen hat die Sprecherin von Meier's Weltreisen und des auf Städtereisen spezialisierten Anbieters Dertour nichts gehört. Sie halte es momentan auch noch für zu früh, eine Prognose zu geben. Auch bei Thomas Cook ist wieder Ruhe eingekehrt, nachdem am Donnerstag laut Sprecherin Nina Dumbert eine „Welle von Anfragen“ eingegangen war. Von Zurückhaltung bei Flügen nach Amerika sei nichts zu spüren.

