http://www.faz.net/-gzg-7z3jv

Frankfurter Flughafen : Ein bisschen Ruhe im Fluglärmstreit

  • Aktualisiert am

Am Boden: Der Flugbetrieb am Frankfurter Flughafen soll so umgelegt werden, dass Anwohner sieben Stunden Nachtruhe haben. Bild: dpa

Fünf Lärmpausenmodelle hatte Wirtschaftsminister Al-Wazir ausgearbeitet. Alle sollen die Nachtruhe am Frankfurter Flughafen verlängern. Kein Modell gefiel der zuständigen Kommission. Doch immerhin für den Westbetrieb ist am Mittwoch ein Vorschlag akzeptiert worden.

          Für einen Teil der Frankfurter wird es ab Sommer ruhiger werden. Die Fluglärmkommission hat sich am Mittwoch für ein Lärmpausen-Modell entschieden. Das berichtete die Stadt Offenbach aus der entscheidenden Kommissionssitzung in Raunheim. Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) hatte im September fünf Vorschläge eingereicht. Die Kommission einigte sich auf das vierte Modell (Alle Modelle im Kasten unten).

          Derzeit gilt ein sechsstündiges Nachtflugverbot zwischen 23 und 5 Uhr. Für den Ostbetrieb lehnte sie jedoch alle Modelle als ungeeignet ab. Für den Westbetrieb entschied sie sich immerhin für eine Variante: Demnach sollen Flugzeuge bei Westbetrieb des Frankfurter Flughafens zwischen 22 und 23 Uhr nicht auf der neuen Nordwestlandebahn und der Centerbahn landen. Morgens bleibt die Südbahn für Landungen gesperrt. Dadurch verlängert sich die Nachtruhe für einen Teil der Anwohner um eine Stunde. Das Modell soll Ende März mit dem Sommerflugplan erprobt werden.

          Das gewählte Modell hat jedoch nicht nur Gewinner: Zwar reduziert es den Lärm für 105.000 Menschen im Norden Offenbachs und im Süden Frankfurts. Für 65.000 Personen wird es jedoch lauter, weil die Maschinen über Hanau, den Offenbacher Süden und Neu-Isenburg zum Flughafen fliegen.

          Nicht weniger Flüge

          Al-Wazir hatte den Fluglärmplan im vergangenen Herbst präsentiert. Die Modelle sollen durch eine wechselnde Nutzung der Start- und Landebahnen für Anwohner rund um den Flughafen bis zu sieben Stunden Lärmpause bringen. Die fünf möglichen Varianten bringen für einen Teil der Anwohner eine Lärmpause von 22 bis 5 Uhr, für einen anderen von 23 bis 6 Uhr.

          Für seinen Lärmplan musste der Minister viel Kritik einstecken, denn eine Verringerung der Flüge ist damit nicht vorgesehen. Das bemängelten die Oppositionsfraktionen SPD, Linke und FDP im Landtag. Die Vorschläge hat das Verkehrsministerium in Zusammenarbeit mit dem Flughafenbetreiber Fraport, der Lufthansa und der Deutschen Flugsicherung erstellt.

          Sieger und Verlierer

          Bei Lärmpausenmodell 4 werden nach Berechnung des hessischen Verkehrsministeriums mehr Anwohner des Frankfurter Flughafens ent- als belastet. So entfällt der Lärm für 105.000 Menschen. Der Norden Offenbachs und der Frankfurter Süden werden entlastet. Alle Maschinen fliegen über Hanau, den Offenbacher Süden und Neu-Isenburg ein, dort werden 65 000 Menschen stärker belastet als zur Zeit.

          Morgens zwischen 5.00 und 6.00 Uhr ist der Unterschied weniger groß. Die Südbahn liegt für Landungen still. Das entlastet 14.000 Menschen in einem schmalen Streifen von Hanau bis Neu-Isenburg. Für 13.000 Bürger im Bereich Gelnhausen, Langenselbold könnte es noch lauter werden, als es derzeit ist.

          Die fünf Modelle

          Modell 1: In der Betriebsrichtung Ost, das heißt, wenn die Maschinen wegen des Windes gen Osten landen und starten, soll danach in der Zeit zwischen 5 und 6Uhr auf der Centerbahn und damit in den Gebieten unter deren Einflugschneise Ruhe herrschen. Gelandet wird auf der Nordwest- und Südbahn, gestartet von der Startbahn West und der Centerbahn. In der sogenannten Nachtrandstunde abends zwischen 22 und 23Uhr wird dafür nur auf der Südbahn gelandet, die Starts werden auf der Startbahn West und der Centerbahn abgewickelt. In Betriebsrichtung West, die etwa während zwei Dritteln des Jahres herrscht, kommen die Maschinen frühmorgens auf der Süd- und Nordwestbahn herunter, gestartet wird ausschließlich von der Centerbahn. Abends herrscht auf Nordwest und Süd Landebetrieb, von West und Center wird gestartet.

          Modell 2: Ostbetrieb: Morgens wird auf Nordwest und Center gelandet und nur von der West gestartet. Abends steht nur die Süd für Landungen zur Verfügung, Starts von Center und West. Westbetrieb: Morgens wird auf Center und Nordwest gelandet, Starts nur von West. Abends Landungen auf Nordwest und Süd, Starts von Center und West.

          Modell 3: Ostbetrieb: Morgens Landungen auf Nordwest und Süd, Starts nur von Center. Abends Landungen nur auf Süd, Starts von Center und West. Westbetrieb: Morgens Landungen auf Nordwest und Center, Starts nur von Süd. Abends Landungen auf Nordwest und Süd, Starts von Center und West.

          Modell 4: Ostbetrieb: Landungen morgens auf Center und Nordwest, Starts von Süd. Abends Landungen auf Süd, Starts von Center und West. Westbetrieb: Morgens Landungen auf Nordwest und Center, Starts von Süd. Abends Landungen auf Süd, Starts von Center und West.

          Modell 5: Ostbetrieb: Landungen morgens auf den Bahnen Center und Nordwest, Starts von West. Abends Landungen auf der Südbahn, Starts von Center und West. Westbetrieb: Morgens Landungen auf Nordwest und Center, Starts von West. Abends Landungen auf Süd, Starts von den Bahnen Center und West.

          Quelle: henk./dpa

          Weitere Themen

          Flughafen erzwingt Zwischenstopp Video-Seite öffnen

          Air Berlin : Flughafen erzwingt Zwischenstopp

          Eine Maschine der insolventen Fluglinie musste auf dem isländischen Flughafen Keflavik am Boden bleiben. Die Flughafengesellschaft teilte mit, Air Berlin habe Flughafengebühren nicht bezahlt.

          Farbanschlag auf Trevi-Brunnen in Rom Video-Seite öffnen

          Tiefrotes Wasser : Farbanschlag auf Trevi-Brunnen in Rom

          Aus einem Kanister hat ein Mann tiefrote Farbe in das Becken des Trevi-Brunnens in Rom gegossen. Zahlreiche Touristen und Anwohner filmten den Vorgang mit ihren Smartphones. Der Grund für den Farbanschlag ist nicht bekannt.

          Topmeldungen

          La République en marche : Das Ende der großen Euphorie

          In der Bewegung En marche wächst der Unmut. Parteimitglieder beklagen autoritäre Strukturen und drohen mit dem Austritt. Auf dem Parteitag in Lyon will Präsident Macron die Wogen glätten. Kann das gelingen?

          Naher Osten : Droht ein Krieg gegen Israel?

          In einem Bericht kommen pensionierte Generäle zu dem Schluss, dass ein neuer Waffengang zwischen der Hizbullah und Israel nur noch eine Frage der Zeit sei. Darin wird die Schiitenmiliz als der „mächtigste nichtstaatliche bewaffnete Akteur in der Welt“ bezeichnet.

          Jamaika-Gespräche : FDP wirft der Union Haushaltstricks vor

          Auch wenn die Finanzen nicht allein die Reise nach Jamaika verzögern: Für den Soli-Abbau bleibt das Geld der Knackpunkt. Wie viel Spielraum gibt es wirklich?

          Machtkampf in der CSU : Aigner will offenbar Seehofer ablösen

          Die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner hat offenbar Ambitionen auf das Amt des Ministerpräsidenten. Das könnte für Konflikte mit Markus Söder sorgen. Doch der ist nicht ihr einziger Rivale.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.