Dieter Pfundt ist einer jener erfahrenen Banker, die schon viele Finanzkrisen durchlebt haben. In seinen dreißig Jahren im Geschäft hat der Chef des Investmentbankings der Privatbank Sal. Oppenheim in Frankfurt schon so manchen Trend kommen und gehen sehen, aber die derzeitige Krise sei die extremste, die er je erlebt habe. „Die Krisen um die New Economy und in Asien waren ziemlich eingrenzbar, aber diesmal handelt es sich um eine Krise, die gar nicht mehr fassbar ist.“ In seinem Haus müssten alle Überstunden machen, Tag und Nacht werde gearbeitet. Wenigstens einer müsse schließlich immer die japanische Börse im Blick behalten – deren Geschäftszeiten gehen von ein Uhr nachts bis sieben Uhr früh mitteleuropäischer Zeit.
Auf der Fressgass’, wo die Finanzplatz-Akteure Mittagessen gehen, ist den Gesichtern der jungen Männer in den teuren Anzügen die Arbeitsbelastung anzusehen. „Bei uns brennt im Moment die Hütte“, sagt einer, der im Händlersaal einer wichtigen Bank arbeitet, schiebt aber ein großspuriges „Macht schon Spaß gerade“ hinterher. Galgenhumor hat an den Stehtischen der Feinkostläden derzeit Konjunktur.
Raettig: Banken halten gut zusammen
Sein Tischnachbar, der etwas älter ist, übt sich indes in vorsichtigem Optimismus. „Es wird auch wieder aufwärtsgehen“, sagt er, „die, die es nicht können, fliegen eben raus, und die, die übrig bleiben werden deren Geschäft übernehmen.“ Auch Friedrich von Metzler, Chef des Frankfurter Bankhauses Metzler, hatte sich kürzlich zuversichtlich geäußert, dass die Krise insbesondere die Qualität der Finanzwelt verbessern und die Renditeerwartungen auf ein Normalmaß stutzen werde.
Lutz Raettig, Deutschlandchef von Morgan Stanley, sieht es schon als positive Entwicklung, dass die deutschen Banken derzeit zusammenhielten. Gerade als es um die Rettung der stark ins Straucheln geratenen Hypo Real Estate ging, habe sich die „Banking Community zusammengerauft“. Alle paar Tage seien die Vorstandsmitglieder zu Telefonkonferenzen zusammengekommen. Dem Gremium gehören neben Raettig und Sal.-Oppenheim-Gesellschafter Pfundt etwa auch Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und der Vorstandsvorsitzende der Dresdner Bank, Herbert Walter, an. Vorsitzender ist der Aufsichtsratschef der Commerzbank, Klaus-Peter Müller. „Die sind alle immer mit am Telefon gewesen“, sagt Raettig anerkennend. Und das, obwohl die Konferenzen meist nachts und am Wochenende einberufen wurden, außerhalb der Börsenzeiten eben.
Dietmar Schmid, der im Vorstand der BHF-Bank unter anderem für das Asset Management zuständig ist, reibt sich das Gesicht, wenn er gefragt wird, wie sich die Krise bemerkbar macht. Ständig riefen besorgte Kunden an, die wissen wollten, ob ihr Depot auch wirklich sicher sei und was sie nun tun sollten. „In solchen Zeiten können wir natürlich nicht abtauchen“, sagt Schmid, der auch Präsident des Hessischen Bankenverbands ist. Wie lange die Krise noch anhalten wird, das vermag freilich immer noch niemand zu prognostizieren. „Wir alle hoffen, dass es bald mal wieder ruhiger wird“, sagt Pfundt.

