08.01.2009 · Die Pläne für eine private, katholische Grundschule im Frankfurter Stadtteil Griesheim sind vorläufig eingestellt worden. Zur Verwirklichung fehlen rund 2,5 Millionen Euro. Nun hofft das Bistum Limburg auf Geld vom Land Hessen.
Von Stefan ToepferDas Bistum Limburg hat Pläne zur Errichtung einer Grundschule im Frankfurter Stadtteil Griesheim zurückgestellt, da momentan unklar ist, wie das Projekt finanziert werden soll. Entsprechende Informationen der F.A.Z. haben der Finanzdezernent des Bistums, Hans-Peter Althausen, und dessen Kollege, Schuldezernent Eckhard Nordhofen, auf Anfrage bestätigt.
Bis zuletzt fehlten für das laut Althausen rund sechs Millionen Euro teure Vorhaben rund 2,5 Millionen Euro, „eine immense Summe“. Eigentlich hätte die Schulgründung bei einer Klausurtagung des Diözesan-Synodalrats, des obersten Beratungsgremiums von Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst, Ende Januar abschließend behandelt werden sollen. Der Punkt wurde jedoch von der Tagesordnung gestrichen.
Programm „Schul- und Hochschulbau“ könnte Projekt fördern
In Frankfurt wird nicht ausgeschlossen, dass das Projekt endgültig vor dem Aus steht. „Einen neuen Zeitplan gibt es zwar nicht. Aber Herr Nordhofen kann und darf weiter planen“, hebt Althausen hervor. Das will der Schuldezernent auch tun, zumal der Bischof weiter hinter dem Projekt steht, wie er hervorhebt. Das bekräftigt auch der Sprecher von Tebartz-van Elst, Robert Eberle.
Die durchaus ehrgeizigen Pläne für den Schulbau hatte Nordhofen Ende Februar 2007 vorgestellt. Damals war Bischof Franz Kamphaus gerade in den Ruhestand gegangen; Tebartz-van Elst trat sein Amt im Januar 2008 an.
Nordhofen setzt nun auf Geld aus dem hessischen Sonderinvestitionsprogramm „Schul- und Hochschulbau“, das die Landesregierung im Falle eines Sieges nach der Landtagswahl am 18. Januar auflegen will. Darüber würden Gespräche mit dem Finanzministerium geführt, sagt Nordhofen. Die Antragsfrist endet am 31. März.
Die Schule für Kinder aus Griesheim, Nied und dem Gallus sollte neben der Hedwigskirche im Norden Griesheims entstehen; dazu sollte das nicht mehr benötigte Pfarrhaus ausgebaut werden. Vorgesehen war sie als zweizügige Ganztagsschule mit eigenem Religionsunterricht für Muslime. Es gelang jedoch nicht, die für den Ausbau nötigen Grundstücke eines Sportvereins und der evangelischen Kirche zu kaufen. „Das Projekt ist zunehmend schwieriger geworden“, fasst Althausen die Entwicklung der vergangenen Monate zusammen.
Kinder aus sozial schwachen Familien sollen unterrichtet werden
Für weitere Verhandlungen mit der evangelischen Gemeinde setzt Schuldezernent Nordhofen auf Pfarrer Rolf Glaser, zu dessen Pfarrei „Mariä Himmelfahrt“ die Hedwigskirche gehört. Glaser ist derzeit im Urlaub und nicht zu erreichen – bei der Veröffentlichung der Pläne im Februar 2007 hatte er hervorgehoben, dass die neue Schule keine Eliteschule sein solle, sondern eine „internationale Schule“ für Kinder aus sozial schwachen Familien sowie aus Zuwandererfamilien. Er versprach sich von ihr eine Aufwertung des Stadtteils. Bei den Leiterinnen der umliegenden Grundschulen hingegen lösten die Pläne seinerzeit Unruhe aus: Sie befürchteten eine Abwanderung guter Schüler an die Privatschule.
Nordhofen, der das Projekt seinerzeit durchaus selbstbewusst präsentiert hatte, gibt sich gelassen und sieht die weitere Planung „nicht ohne Optimismus“, auch wenn die Schule erst nach 2010, dem Ende seiner Amtszeit, eröffnet werden würde. Die Baupläne seien fertig, das sei wichtig für eine mögliche Förderung durch das Land Hessen. Nach seinen Berechnungen beträgt die Finanzierungslücke zudem nur zwei Millionen und nicht 2,5 Millionen Euro.
Wie der Schuldezernent des Bistums sagt, hat es zwar Spender gegeben, die den Schulbau unterstützen wollten; deren Zusagen seien aber nicht verbindlich gewesen. Vermutlich hat Nordhofen auch mit mehr Geld von der Stadt gerechnet, das es aufgrund historischer Verpflichtungen gegeben hätte. Das wären dem Vernehmen nach nur rund 100.000 bis 200.000 Euro gewesen – zu wenig zur Deckung der Finanzierungslücke.
Hinzu kommt, dass das Bistum derzeit Geld für andere Bau- oder Sanierungsvorhaben braucht. Die Schule müsse sich an anderen Projekten messen lassen, sagt Althausen. Einen gewaltigen Finanzbedarf hat beispielsweise das St.-Vincenz-Stift angemeldet, eine große kirchliche Behinderteneinrichtung in Rüdesheim-Aulhausen. Dort ist Altbischof Kamphaus als Seelsorger tätig.
Nach Auskunft des Stifts-Direktors Caspar Söling sind 40 Millionen Euro nötig, um Brandschutz- und andere Auflagen zu erfüllen. Saniert werden müsse vor allem das Zentralgebäude aus dem Jahr 1901. Das habe er dem Bistum und dem Landeswohlfahrtsverband dargelegt.
Bistum Limburg unterhält weitere Schulen
Die Einrichtung spiele für das Bistum eine wichtige Rolle, sagt Althausen. Von einer Konkurrenz bei der Unterstützung des Stifts und des Schulbaus in Frankfurt will er jedoch nicht reden – was Nordhofen anders sieht. Dem Bischof seien beide Projekte wichtig, sagt dessen Sprecher. Nun werde in beiden Fällen geprüft, wie viel Geld das Bistum ausgeben wolle, in welchem Zeitraum dies geschehen könne und mit welchen Partnern.
Sollte die Finanzierung des Schulbaus gesichert werden können, muss die Grundschule vom Staatlichen Schulamt in Frankfurt genehmigt werden. Nach drei Jahren übernimmt das Land dann 75 Prozent der Personalkosten. Derzeit unterhält das Bistum Limburg über seine Hildegard-Schulgesellschaft fünf weiterführende Schulen – zwei in Königstein, eine in Geisenheim, eine in Limburg und eine in Lahnstein.