05.12.2009 · Den Gastronomen an der Hauptwache wird es zu viel. Sie beschweren sich über häufige Feste und Veranstaltungen.
Von Mona Jaeger, FrankfurtEs war ein lauer Sommerabend. Wieder war das thailändische Fest auf der Hauptwache sehr gut besucht, mehr als 10 000 Gäste waren gekommen. Einer von ihnen, Sam Kamran, schlenderte mit seiner Digitalkamera zwischen den Ständen und Bierzeltbänken entlang und machte Fotos. So wie er es schon an den sechs Tagen zuvor gemacht hatte, an denen das Fest auf der Hauptwache stattfand. Mit diesen Bildern und vielen Argumenten will Kamran Feste wie dieses in Zukunft verhindern.
Drei Monate später steht Kamran, Geschäftsführer des Café Hauptwache, vor den Stadtteilvertretern des Bezirks 1. Er hat einen Kollegen, Thorsten Dorn, ebenfalls Gastronom in Frankfurt, mitgebracht, und zusammen versuchen sie, die Ortsbeiräte von ihren Argumenten zu überzeugen. „Seit die Hauptwache zu einer Festmeile umgebaut wurde, bleiben bei uns im Café die Kunden weg“, sagt Kamran. Die Anzahl der Straßenfeste in der Innenstadt sei in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen. Gegen die traditionellen Veranstaltungen wie das Fest auf der Fressgass’ oder das Opernplatz-Fest habe er nichts einzuwenden. „Doch seit der Sperrung der Hauptwache vor meiner Ladentür ist es unzumutbar geworden.“
„Das sind keine Stände, das sind Zeltlager“
Tatsächlich reiht sich an der Hauptwache ein Fest an das nächste: Neben dem thailändischen Kulturfest ist dort in diesem Jahr noch ein Frühlingsfest, die italienische Woche, ein französisches Fest, ein Weinfest, ein Erntedankfest und ein Schwedenfest gefeiert worden. Derzeit läuft in der Innenstadt der Weihnachtsmarkt. Doch Kamran schimpft nicht nur über die schiere Zahl der Veranstaltungen, sondern auch über die angeblich schlechte Organisation. „Das sind keine Stände, das sind Zeltlager.“ Seiner Beobachtung nach meiden viele Frankfurter inzwischen die Hauptwache. Und immer wieder beschwerten sich seine Gäste über die laute Musik, die von der großen Bühne komme.
Kamran zeigt seine Fotos. Darauf sind thailändische Kinder zu sehen, die Gemüse schneiden. Das sei nicht erlaubt, sagt Kamran, „es wird aber auch nicht kontrolliert“. Dann zeigt er Bilder mit blauen Müllsäcken, die hinter seinem Café liegen, und spricht von „Zumüllen“ und Ungeziefer, das nun auf seiner Terrasse sein Unwesen treibe.
„Dumpinglöhne direkt vor der Ladentür“
Unterstützt wird der wütende Gastronom von Stephan Deusinger, dem Fraktionsvorsitzenden der CDU im Ortsbeirat 1. Bei ihm haben sich mehrere Gastronomen beschwert. „Natürlich ist es auf den Festen wesentlich billiger als im Café oder Restaurant, weil die Standbesitzer keine laufenden Kosten haben.“ Keine Vorratshaltung, keine Kellner, keine Putzfrau – aber beste Innenstadt-Lage. „Das führt zu Dumpinglöhnen direkt vor der Ladentür.“
Wer auf der Hauptwache seine Stände aufbauen darf und wer nicht, das entscheidet Klaus-Jürgen Etzrodt. Er leitet das Service Center Veranstaltungen des Straßenverkehrsamts, das die entsprechenden Genehmigungen erteilt. Auf die Frage, wie viele Feste es dieses Jahr schon in der Innenstadt gegeben habe, sagt er schnell: „Da ist doch fast jeden Tag etwas.“ Später heißt es dann, rund 50 Feste mit jeweils maximal einer Woche Dauer.
„Integrieren und mitmachen“
Nicht alle diese Veranstaltungen finden auf der Hauptwache statt. Goetheplatz, Rathenauplatz, Roßmarkt und Römerberg sind ebenfalls sehr beliebt bei den Ausstellern. „Da alle Feste von der Zeil verbannt wurden, war man sehr froh, als die Hauptwache als Festplatz zur Verfügung gestellt wurde“, sagt Etzrodt. Vorgesehen sei das allerdings keineswegs gewesen, denn es fehlten Stromanschlüsse und Zugänge zum Abwasser, die für jedes Fest gebraucht würden. Trotzdem habe sich die Hauptwache als Veranstaltungsort etabliert – und dabei werde es auch bleiben. „Die Feste sind sehr erfolgreich. Häufig ist damit auch noch ein verkaufsoffener Sonntag verbunden, und die Stadt ist dann brechend voll.“
Der Leiter des Service Centers ist mit Kamran schon seit längerer Zeit in Kontakt. Etzrodt gibt zu, dass bei den bisherigen Festen noch nicht alles glattgelaufen sei, zum Beispiel das Abtransportieren des Mülls. „Wir wollen in Zukunft darauf achten, dass das besser von den Veranstaltern geregelt wird.“ Kamrans Sorgen kann er trotzdem nicht ganz verstehen: „Natürlich ist die Gastronomie über die Feste nicht besonders glücklich. Aber dann muss sie sich eben integrieren und mitmachen.“
Gesamtkonzept für Feste soll überarbeitet werden
Aber das will Kamran nicht. Die Feste passten nicht zu seinem Café, sagt er. So wolle er sich nicht präsentieren. Auf den Hinweis, dass sich die Aussteller in der Kleinmarkthalle noch nie über die Wochenmärkte in Frankfurt beschwert hätten, reagiert er mit einem „das kann man nicht vergleichen“.
Zu Beginn seines Kampfes gegen die Feste hat sich Kamran an das City Forum Pro Frankfurt gewandt, eine private Initiative von Unternehmern, die Frankfurt als Einkaufsstadt attraktiver machen will. Rund 200 Mitglieder hat das Forum, eines davon ist Kamran. In einem Brief beschwerte er sich über das Verhalten des City Forums, das die Feste an der Hauptwache unterstützte und zum Teil auch ausrichte. Viele Mitglieder seien mit der Gestaltung der Feste aber unzufrieden – eine Behauptung, die vom Forum zurückgewiesen wird. Der Einzelhandel profitiere von jedem Fest, heißt es dort.
Inzwischen hat der zuständige Ortsbeirat in seiner jüngsten Sitzung den Magistrat aufgefordert, das 2004 erstellte Gesamtkonzept für Feste und Veranstaltungen in der Innenstadt zu überarbeiten. Es müsse neu festgelegt werden, auf welchen Plätzen und Straßen künftig unter welchen Voraussetzungen gefeiert werden dürfe. Der Eindruck vieler Bürger, dass die Feste überhandgenommen hätten, und die Klagen von Anwohnern und Gastronomen dürften nicht länger ignoriert werden. Das ist ganz in Sam Kamrans Sinne. Er ist gespannt, welche Wirkung die Aufforderung an den Magistrat wohl hat.