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Fernsehköchin Wiener Markenzeichen: anders als andere

01.03.2009 ·  Sie sieht gut aus, sie kann etwas, sie kultiviert das Bild der Unangepassten, sie stellt ihr Licht nicht unter den Scheffel: Sarah Wiener hat alles, um in der Männerwelt der Köche zu bestehen.

Von Jacqueline Vogt
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Lange Zeit, ich gebe es zu, hatte ich mich gewehrt. „Kerner kocht“, freitags abends im Fernsehen, ohne mich: Wenn schon am Wochenende zu Hause, dann bin ich mit anderem beschäftigt. Einmal dann standen die Herren Köche doch in unserem Wohnzimmer und zwischen ihnen eine hübsche Frau mit einem Faible für Süßspeisen, die offensichtlich genauso gerne flirtete wie schmorte.

Irgendwann im Jahr 2006 muss das gewesen sein, und in diesem Jahr hat wohl auch die Karriere der Sarah Wiener einen Schub bekommen, der die Brünette mit dem großen Lachen bis in die Umlaufbahn der Regenbogen-Prominentenpresse geschossen hat. Wenn sie heute bei einer gesellschaftlichen Veranstaltung auftaucht, bei einem Event, dann werden dort garantiert nicht ihre Schnittchen fotografiert, sondern sie wird es.

Als Kind mochte sie keinen Rosenkohl

Wer ist die Frau, die keine gelernte Köchin ist, aber ihren Lebensunterhalt lange Zeit mit dem Kochen bestritten hat? Sie ist 1962 geboren, in Halle, aufgewachsen in Wien. Als Kind mochte sie keinen Rosenkohl, hat sie dem Zeit-Magazin einmal gesagt - heute liebt sie das Gemüse. Sie wollte Schauspielerin werden oder Gärtnerin, aber das Essen hat sie schon immer interessiert. Sie isst nie auf, sagt sie, lässt immer etwas auf dem Teller liegen. Jahrelang war sie Vegetarierin, hat als Heranwachsende Limonade und Cola verabscheut.

Sie ist die Tochter einer Künstlerin und eines Schriftstellers und heute mit einem Schauspieler verheiratet. Sie betreibt in Berlin drei Restaurants und einen Cateringservice, sie hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, und sie hat eine Firma, die ihren Namen trägt und ihre Geschäfte verwaltet. Mehr als 100 Mitarbeiter beschäftigt sie heute, angefangen hat das alles in recht kleinem Maßstab: Als alleinerziehende Mutter ohne Schulabschluss und ohne Ausbildung lebte sie in Berlin und jobbte im Restaurant, das ihr Vater dort besaß, bis sie auf die Idee kam, sich selbständig zu machen, mit einem Essen-Service für Filmproduktionen. Wie das ging, ist in vielen Interviews nachzulesen, die sie gegeben hat: mit einem ausrangierten Küchenwagen der NVA, in den sie einen Gasherd eingebaut hat, auf ins Getümmel.

Das war 1990, „Sarah Wieners Tracking Catering“ hieß die Firma, die bekannter wurde und wuchs, und so hätte es noch eine ganze Zeitlang weitergehen können, gäbe es das Fernsehen nicht. Denn einem breiten Publikum bekannt wurde Sarah Wiener 2004 mit der Pseudo-Dokumentation „Abenteuer 1900 - Leben im Gutshaus“, in der ein Alltag vor hundert Jahren nachempfunden wurde, und Sarah Wiener war darin die Mamsell.

Sie kultiviert das Bild der Unangepassten

Danach trat sie in mehreren Fernsehsendungen auf, unter anderem bei Johannes B. Kerner (dessen Part heute der ehemalige RTL-Mann Markus Lanz innehat), und vor zwei Jahren war auf Arte erstmals eine Sendereihe zu sehen mit ihr in der Hauptrolle. Für „die kulinarischen Abenteuer der Sarah Wiener“ fuhr sie in einem kleinen Auto durch Frankreich, besuchte Muschelfarmer und Bauern und kochte mit ihnen. Das Fernseh-Volk hat es von Anfang an gesehen, bald wurde über die anfänglich vorgesehenen Folgen hinaus weitergedreht.

In diesen Sendungen wie in ihrem Alltagsleben kultiviert Sarah Wiener das Bild der Unangepassten. Und es gibt einige, die sagen, das gehe so weit, dass ein Zusammensein in der Gruppe mit ihr keine Freude bedeute. Wichtiger für die Öffentlichkeit ist, dass Wiener sich, wo sie das kann, für naturbelassene Lebensmittel ausspricht und gegen genveränderte Feldprodukte, dass sie sich aufregen kann über den Erfolg von Tütensuppen und andere mit Glutamat abgeschmeckte Krümel, auf die man Wasser gießt, und huppdiwupp ist eine kleine Mahlzeit fertig.

„Leute, kocht wieder“, wird Sarah Wiener nicht müde zu sagen. Sie hat eine Stiftung gegründet, deren Zweck die Förderung von gesunden Ernährungsgewohnheiten bei Kindern und Jugendlichen ist - es gibt ja durchaus Anliegen, für die man sich weniger erwärmen kann. Und es gibt viele Gemüse, die Kindern richtig gut schmecken können, Rosenkohl muss ja nicht dabei sein.

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Jahrgang 1962, Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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