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Feinstaub „Weitere Sperrungen nur Aktionismus“

16.02.2006 ·  Frankfurt hat ein Feinstaub-Problem. Schuld ist der Verkehr, aber auch das Winterwetter, denn im Januar herrscht eine luftaustauscharme Inversionswetterlage. Auf der Friedberger Landstraße gilt nun ein Durchfahrtverbot für LKW.

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„Man kann nichts mehr machen.“ Ulrich Schöttler, Leiter der Frankfurter Straßenverkehrsbehörde, neigt gewöhnlich nicht zur Resignation. Doch die hohen Feinstaub-Konzentrationen in der Frankfurter Luft, mit denen die Mainmetropole derzeit in der Bundesrepublik eine Spitzenposition einnimmt - vor München und weit vor Düsseldorf und Berlin - machen Schöttler zufolge deutlich, daß noch andere Einflüsse als der Verkehr die gesundheitsgefährdenden Schadstoff-Konzentrationen verursachen. Angesichts der Wetterbedingungen - in Frankfurt herrschte im Januar häufig die luftaustauscharme Inversionswetterlage - „sind wir einfach chancenlos, etwas über den Verkehr zu erreichen“.

Denn obwohl die Pförtnerampeln am Stadteingang das Verkehrsaufkommen auf der am stärksten betroffenen Friedberger Landstraße mittlerweile drosseln und ein Durchfahrtverbot für Lastwagen gilt, zeigte die Meßstation seit Beginn dieses Jahres außergewöhnliche Werte: 29 Mal wurde an der Einfallstraße der zulässige Tagesmittelwert von 50 Mikrogramm je Kubikmeter Luft schon übertroffen. 35 Überschreitungen im Jahr sind infolge einer EU-Richtlinie, die seit Januar 2005 gilt, zulässig. Wenn es darüber hinausgeht, könnten die Bürger klagen.

„Laborieren an Symptomen“

Aufgrund der anhaltend hohen Feinstaub-Belastungen in Frankfurt schlagen nun auch Umweltschützer Alarm. Greenpeace hat auf dem Römerberg demonstrativ die Feinstaubkonzentration auf „Kindernasenhöhe“ gemessen und schnelles Handeln von Städten und Gemeinden gefordert. Ansonsten sei „das grob fahrlässig“. Denn Feinstaub mache nicht nur krank, sondern töte. Für die Umweltschützer stehen die Verursacher fest: „Ganz normale Dieselautos“. Greenpeace fordert denn auch ein Fahrverbot für alle Dieselfahrzeuge ohne Rußfilter beziehungsweise den sofortigen Filter-Einbau. Damit würde die Belastung um 25 Prozent verringert.

In ähnliche Richtung zielt die Forderung von Stadt und Land, bundeseinheitlich „Umweltzonen“ einzuführen, in die nur mit Plaketten ausgewiesene schadstoffarme Fahrzeuge einfahren dürften. In Frankfurt soll das Gebiet innerhalb des Alleenrings zur Umweltzone deklariert werden, möglicherweise bis Ende dieses Jahres.

Für den Verkehrsexperten Schöttler wäre allerdings selbst eine Umweltzone nur ein „laborieren an Symptomen“, noch dazu mit einem riesigen Aufwand für Verwaltung und Bürger. Zwar ist der Anteil des Straßenverkehrs an der Feinstaub-Belastung in Frankfurt mit rund 45 Prozent sehr hoch, doch gleichzeitig hat die Stadt eine außerordentlich hohe „Hintergrundbelastung“ durch die die Stadt umschließenden Autobahnen. Der Luftreinhalteplan beziffert diese mit immerhin siebzig Prozent.

„Es muß mit dem Winter zusammenhängen“

Deshalb hält Schöttler die Schließung weiterer Straßen im Stadtgebiet, die einst sogar das Land gefordert hatte, um die Grenzwerte einzuhalten, nur für „Aktionismus“. Damit könne der Lastwagen-Durchgangsverkehr unterbunden werden. Der Lieferverkehr bliebe. Er ist überzeugt, daß nur eine „sonntägliche Verkehrssituation“ auf allen Straßen Wirkung zeigen würde, und dies sei „so etwas von unrealistisch“. Frankfurt sei ein Wirtschaftsstandort, die Funktionen der Stadt dürften nicht beeinträchtigt werden.

Handlungsmöglichkeiten sieht Schöttler in der Entwicklung abgasarmer Fahrzeuge - hier habe die Politik versäumt, rechtzeitig auf die Industrie einzuwirken - und in einem immer ausgefeilteren Verkehrsmanagement im gesamten Rhein-Main-Gebiet. Dies sei die sanfte Art, die Verkehrsmassen zu lenken, wie es die Stadt mit Bewohnerparken und Pförtnerampeln an den Einfallsstraßen seit Jahren tue. Die harte sei, Zugangsbeschränkungen zu verhängen wie in London, mit einem entsprechenden Ausbau des Nahverkehrs. Dazu fehle der politische Wille.

Der Behördenleiter rät, die Ursachen der Feinstaubbelastungen noch einmal genauer in Augenschein zu nehmen: Schließlich habe es Überschreitungen mitten in der Nacht gegeben - die erste in diesem Jahr in der Silvesternacht. Außerdem hätten die Überschreitungen schlagartig im Sommer aufgehört, als nicht mehr geheizt worden sei - trotz Inversionswetterlage. Für Schöttler steht fest: „Es muß mit dem Winter zusammenhängen.“

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