21.01.2009 · Die Schienenlobbyisten der Initiative „Frankfurt 22“ fordern wegen der zuletzt hohen Feinstaubwerte in Frankfurt ein strikteres Fahrverbot - die FDP dagegen meint, die Umweltzone helfe nicht gegen Feinstaub. Das Umweltdezernat ist aber mit dieser Neuerung zufrieden.
Von Mechthild HartingFür die Schienenlobbyisten der Initiative „Frankfurt 22“ sind die hohen Feinstaubwerte der vergangenen vierzehn Tage Anlass, ein strikteres Fahrverbot zu fordern. Für die FDP im Römer zeigt die hohe Konzentration der krebserregenden Partikel hingegen, dass Fahrverbote „kein sinnvolles Instrument zur Feinstaubbekämpfung sind“. Wieder zeige sich, dass die hohe Hintergrundbelastung und bestimmte Wetterlagen die Werte in die Höhe trieben, sagte Fraktionschefin Annette Rinn. „Dagegen helfen Umweltzonen nicht.“
Im Umweltdezernat teilt man keine der beiden Auffassungen. „Aus unserer Sicht hat die Umweltzone etwas gebracht“, sagt Wendelin Friedel, Referent von Umweltdezernentin Manuela Rottmann (Die Grünen). Es wäre falsch zu behaupten, die Stadt habe das Feinstaubproblem im Griff, doch „wir sind optimistisch, durch die Umweltzone die Höhe der Belastungen zu reduzieren“. Dass dies gelungen sei, belegten die in den vergangenen Tagen an den vier Frankfurter Messstationen erfassten Werte. Erstmals seien nicht an der vielbefahrenen Friedberger Landstraße die meisten Überschreitungen gemessen worden, sondern in Höchst. Dort ist in diesem Jahr schon an zwölf Tagen der Tagesmittelwert von 50 Mikrogramm je Kubikmeter Luft überschritten worden.
Reinheim stark mit Feinstaub belastet
Vor Einführung der Umweltzone habe hingegen immer die Friedberger Landstraße an der Spitze gelegen, so Friedel. Zum Beleg dafür, dass die hohe Hintergrundbelastung in der Region maßgeblich für die Feinstaubkonzentration in den Städten sei, verweist Friedel auf das beschauliche Reinheim im Kreis Darmstadt-Dieburg am Nordrand des Odenwalds. Dort sind bisher die meisten Feinstaubüberschreitungen in diesem Jahr gemessen worden, nämlich vierzehn. Ein generelles Fahrverbot nur in Frankfurt nütze nichts; wenn es einen Effekt haben solle, müsse es bei einer austauscharmen Wetterlage, wie sie in den vergangenen Tagen geherrscht habe, in ganz Hessen gelten.
Dessen ungeachtet hatte das Umweltdezernat in der vergangenen Woche an die Bevölkerung appelliert, wenn möglich das Auto stehenzulassen, aber auch die offenen Kamine nicht zu betreiben, bis die Messwerte wieder gesunken seien. Beim Feinstaub tun sie das in der Regel. Anders beim Stickstoffdioxid, für den ein EU-weiter Grenzwert von 2010 an gelten wird. Friedel weiß, dass es dann mit der Umweltzone nicht mehr getan ist. Dezernentin Rottmann ziehe auch Tempolimits auf den Autobahnen rund um Frankfurt in Betracht und stärkere Vorgaben für Großfeuerungsanlagen. Dazu sei der Gesetzgeber gefordert. Andernfalls, so Friedel, hätten die Kommen allein Aufgaben zu meistern, die sie nicht bewältigen könnten.
Mit Blick auf die Frankfurter Umweltzone weist Friedel darauf hin, dass die Stadt vom 1. Februar an die Plakettenpflicht auch bei parkenden Autos kontrollieren werde. Bußgelder in Höhe von 40 Euro und ein Punkt in der Verkehrssünderkartei drohen dann all jenen, die noch ohne Plakette unterwegs sind.
Die Feinstaubwerte waren in den vergangenen Tagen zu hoch. Trotzdem heißt es im Römer: Ohne die Umweltzone wäre die Luft in Frankfurt noch dicker.