Die Zulassungsstelle am Römerhof ist gut vorbereitet, der Sonderschalter für Feinstaubplaketten eingerichtet, die Nummer der Telefon-Hotline bekanntgemacht. Und die Plaketten selbst – rot, gelb und grün – liegen seit Donnerstag, seit die Kennzeichnungsverordnung für emissionsarme Fahrzeuge in Kraft getreten ist, in einer Geldkassette am „Schnellschalter“ bereit. Doch von einem Ansturm der Autofahrer zu sprechen, das wäre wahrlich übertrieben.
70 Plaketten hat die Zulassungsstelle am Donnerstag verkauft, am Freitag waren es gerade einmal 35. Angesichts von insgesamt 356.000 Fahrzeuginhabern in Frankfurt und rund 300.000 Pendlern ist das recht unspektakulär. Allerdings ist die Frankfurter Behörde auch nicht die einzige Stelle, an der die Plaketten erhältlich sind. Die sind im Übrigen überraschend groß: Sie haben einen Durchmesser von acht Zentimetern, sind selbstklebend und müssen an der Windschutzscheibe von innen angebracht werden – so wie auch die Schweizer Vignette und das österreichische „Pickerl“. Zu bekommen ist der Feinstaubkleber außer bei der Zulassungsstelle auch bei jeder Werkstatt, die die Abgasnormuntersuchung macht, außerdem bei den Prüfstellen von TÜV oder Dekra.
Baden-Württemberg führt ab Juli eine Umweltzone ein
An diesem Freitagmorgen steht eine ältere Frankfurterin in der Zulassungsstelle, um eine Plakette zu kaufen. „Ich fahre nach Stuttgart“, sagt sie, „ich glaube, da ist es besser, eine zu haben.“ Die baden-württembergerische Landeshauptstadt ist bundesweit die erste Großstadt, die eine sogenannte Umweltzone einführen will. Zwar erst zum 1. Juli, aber man kann ja nie wissen. Denn mit der Zone kommt auch das Fahrverbot für jene Autofahrer, die keine Feinstaubplakette haben. In Frankfurt ist die Einführung der Umweltzone zum 1. Januar nächsten Jahres geplant, um zumindest die Innenstadt innerhalb des Alleenrings von „Stinkern“ freizuhalten. Ohne Plakette kommt dann kein Autofahrer mehr in die Innenstadt – gleichgültig, ob er in der Mainmetropole lebt oder aus dem Umland oder gar dem Ausland kommt.
Die Frankfurterin am Schalter zweifelt keinen Augenblick, dass sie mit einer Plakette nach Hause gehen wird, schließlich ist ihr Auto, ein Benziner, noch nicht sehr alt – und prompt bekommt er auch die beste Kennzeichnung, eine grüne Plakette. Damit wird sich die Autofahrerin in den nächsten Jahren ungehindert in allen deutschen Städten bewegen können.
Bei Albert Schander hätte es theoretisch anders ausgehen können. Er hat an diesem Morgen einen Gebrauchtwagen Baujahr 1994 bei der Zulassungsstelle angemeldet. Als er die fünf Euro Gebühr auf den Tresen legt, bekommt auch er eine grüne Plakette – denn der Wagen ist mit einem Katalysator nachgerüstet worden. „Ich wollte doch keine böse Überraschung erleben“, sagt der Unternehmensberater, seriöse Werkstätten informierten ohnehin entsprechend. Ein Fahrverbot für die Frankfurter Innenstadt für jene Autofahrer, die die Umwelt stark mit Feinstaub belasten, hält er für vernünftig.
Bisher hat jeder Kunde eine Plakette erhalten
Schander sieht die Plakettenverordnung aber auch als „drastischen Versuch“, um die Automobilhersteller zum Umdenken und zur Umstellung auf umweltfreundlichere Fahrzeuge zu bewegen. Dass im Zuge der bürokratischen Erarbeitung der Verordnung nun ein Regelwerk entstanden sei, dass zwar die größten „Diesel-Rußschleudern“ ausschließe, aber gleichzeitig vielen alten Benzin-Fahrzeugen – allein in Frankfurt sind es rund 45.000 – ebenfalls die Einfahrt in die Innenstädte unmöglich mache, hält er für „schwachsinnig“. Die Verordnung sorge für eine Überregulierung bei den falschen Verschmutzern, meint er.
Den Fall, dass jemand am Schalter steht und die beiden letzten Ziffern bei der Emissionsschlüsselnummer in seinem Kraftfahrzeugschein (die sind bei den alten Fahrzeugscheinen, die bis 2005 ausgestellt wurden, ganz oben links zu finden, bei den neuen unter der Ziffer 14.1) einem Fahrverbot gleichkommen, hat es bei der Zulassungsstelle noch nicht gegeben. Bisher hat jeder Kunde eine Plakette erhalten. Natürlich auch jene, die nicht in Frankfurt wohnen, denn die Abgabe der Feinstaubausweise ist nicht an den Wohnort gebunden.
Die meisten Hotline-Anrufer stellen nach Angaben von Claudia Rothe, Leiterin der Zulassungsstelle, ganz allgemeine Fragen. „Wann kommt die Zone?“, „Wo wird gesperrt?“ und „Brauche ich eine Plakette?“ lauten die gängigen Nachfragen. Nur selten erkundige sich jemand nach der Schadstoffgruppe seines Fahrzeugs oder versuche die Emissionsschlüsselnummer zu ergründen. Die Behördenleiterin rät in jedem Fall zur Gelassenheit.
Umweltzone wird ausgeschildet
Denn die Entscheidung, wie groß die Frankfurter Umweltzone sein soll, ob sie über die Innenstadt hinausreichen oder sich auf dieses Gebiet beschränken wird, wird erst in den nächsten Monaten gefällt. Gleiches gilt für die Frage, ob neben den 59.000 Fahrzeugen, die nach dem derzeitigen Stand keine Plakette bekommen werden, möglicherweise auch die 14.000 Inhaber von Dieselfahrzeugen mit roter Plakette vor der Umweltzone halten müssen. Wirksam sollen die Regelungen ohnehin erst zum 1. Januar 2008 werden. Bis dahin wird auch eine entsprechende Beschilderung an den Straßen installiert, und zwar so – da darf man sich auf die Behörden sicher verlassen –, dass niemand die Hinweise übersehen wird.

